Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- 41 (12.10.1847)
- Date
- 1847-10-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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335 in der musterhaftesten Ordnung durch die Stadt, wie folgt: dem Sarge, getragen von den Vorständen des Rabbinatsbezirks folgten 3 israelitische Lehrer, welche große, in Flor gehüllte Folianten, die geschriebenen talmudischen Abhandlungen des-Verstorbenen, trugen. Den hierauf folgenden Angehörigen deS Verstorbenen hatte sich die israelitische Schuljugend angeschlossen und dieser folgte Herr Landrabbiner 1)r. Auerbach von Darmstadt, welcher eigcnds hieher gekommen war, um seinem greisen Kollegen die letzte Ehre zu erweisen; derselbe war begleitet von Herrn Levi, Lehrer und Vorsänger der hiesigen israclit. Gemeinde und Herrn Fromm, Privatlehrer des Verstorbenen. Hierauf folgten zwei hiesige evangelische Geistliche, die Geistlichen von Erbach, viele auswärtige israelitische Lehrer und die Lehrer der hiesigen Real-und Stadtschulen. Auch Sr. Erlaucht der regierende Graf zu Erbach- Fürstenau halten die Gnade, Seine Achtung dem Verblichenen durch eine Deputation zu bezeugen, welcher sich nun der Landrath des Bezirks, der hies. Beigeordnete und die Gcmeinderäthe anschlossen. Sodann folgten zahlreiche Beamte und Bürger und eine unabsehbare Reihe von israelitischen Glaubensgenossen beiderlei Geschlechts — die zum Rabbinatsbezirke gehörenden Orte nach alphabetischer Rangordnung cingetheilt — beschloß endlich den Zug. Erst vor der Stadt begann der Wechsel der Leichenträger, welcher sich nun oft wiederholen mußte, um es auch den übrigen zum Rabbinatsbezirke gehörigen Gemeinden möglich zu machen, ihren verehrten Rabbinen zur Ruhestätte bringen zu können. Alles dies ging aber in so großer Ordnung vor sich, daß der Zug fast nicht die mindeste Unterbrechung erlitt. Auf dem Friedhofe angckommen, hatten sich schon zahlreiche Zuhörer daselbst versammelt, und nachdem die üblichen Gebete und Gebräuche verrichtet waren, hielt Herr Landrabbiner vr. Anerbach, die erste Rede; nach diesem trat der eine evangelische Geistliche, Herr Mitprediger Bauer, auf. an dessen Reden sich noch zwei andere reiheten, gehalten von Hkrrn Fromm und Herrn Levy. Hierauf folgten nun die Schlußworte, gesprochen von Herrn Stadtpfarrer Hessig. Sämmtliche Redner hoben in höchst ansprechender Weise die Tugenden und Verdienste des Seligen hervor, und zeigten, welche Stütze des Iudenthums mit ihm gebrochen, welche Hoffnung mit jhm hinabsank, wie seine ganze Kraft seinem wichtigen und heiligen Berufe gewidmet war> und wie Wohlthrm gegen Jedermann ohne Unterschied' des Glaubens der GrundzUg seines biedern Charakters gewesen, wodurch er sich ein bleibendes Gedächtniß bei Israeliten und Nicht-Israeliten gestiftet hat. Besondes ergreifend war die Rede des Hrn. Mikpredigers Bauer und die sehr gehaltvollen Schlußworte des Herr Stadtpfarrers Hessig, welche gewiß in den Herzen aller Anwesenden den tiefsten Eindruck gemacht, und selbst die Strenggläubigsten, welche einen so seltenen Fall, evangelische Geistliche am Sarge eines Israeliten reden zu kören, noch nicht erlebt hatten, verließen dankbar gerührt den Friedhof. Diese Leichenfeier, obgleich vom Wetter nicht begünstigt, war eine wahrhaft erhebende, und gewährte ein erfreuliches Bild der Humanität und Toleranz. Gewiß kann es nur von guter Nachwirkung sein, daß die evangelische Geistlichkeit mir gutem Beispiele vorangehend, den Biedermann ehret, wo sie ihn findet, und das Jh.rige dazu beiträgt, Vornrtheile nnv Feindseligkeit, die so häufig noch angetroffen werden, nach Kräften zu steuern und zu vertilgen. Schließlich erlaubt sich Einsender dieses zu bemerken, daß zur Versorgung der nun armen und bülflosen Familie des Verstorbenen, eine Comitee zur Errichtung eines Fonds sich hier gebildet hat, welches zur Erreichung eines solch' heiligen Zweckes durch einen demnächst öffentlichen Ausruf die kräftige Un, rerstützung aller edlen Menschenfreunde erbitten wird. L. Holland. Amsterdam. Den vielen Freunden und Verehrern unscrs würdigen Rabbi Hirlch Lehren die erfreuliche Nachricht, daß es sich G. s. D. mit der Gesundheit des Allverehrtcn von Tag zu Tag jetzt bessert und derselbe der vollkommenen Genesung entgegengeht. Wie tief übrigens der Eindruck war, den der schwere Erkrankuugsfall vorzüglich in hervorrief, gebt daraus hervor, daß man war und an allen jenen heiligen Plätzen, an den Gräbern der Erzväter, :c. öffentlich göttlichen Beistand erflehte zum Schutze