Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- 29 (20.7.1847)
- Date
- 1847-07-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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»ZG 236 Bedeutung. Niemand kann verkennen, daß dadurch die Juden-Emanciparion in Deutschland den wesentlichsten Schritt vorwärts gcrban har, ia man kann sagen, sie mehr aufzuhalten. Der Gesetzentwurf har zwek Haupr- (es cnsiircn für den Augenblick achtzehn verschiedene Zttd. ngesrtzqebungen im preuß. Staate!), und den Juden alle bürgerlichen Rechte gewahren, die ihre gegencrhalrcn. Ungeachtet nun Niemand verkennen kann, daß nach den vielen eingeräumren Rechten die vollständige Emanciparion und die völlige sociale Verschmelzung der Juden nothwcndig die unausbleibliche Folge sein, jene korporative Ausschließung also nur einen Uebergang bilden wird, so war denn doch diese der Majorität deS Landtags ein Dorn im Auge. Sie hat sie mit aller Energie bekämpft und das Gesetz dermaaßen amendirr, daß dies« korporative Ausschließung fast ganz ausgemerzr und verschwunden ist. Während das Gouvernement die Emanciparion vorbereitet und zugleich korporative Abschließung anordnen will, die Majorität der faß?. Die Kammer drängte am andern Morgen beim Schlüsse der Debatte so heftig zur Abstimmung, daß auch diese Rede nebst 17 andern nickt mehr gehalten dachtiuß geblieben, hier dem Publicum verlegen, da sie, wie gesagt, eine von den in der Kammer kundgewordenen gänzlich verschiedene Anschauung der Verhältnisse gewährt: Sk« „Wir haben hier viele wahre, geistreiche, gemüth« licke. aber auch blos sentimentale und emphatische Auseinandersetzungen und Wünsche für die Emanciparion leuchten: auch das Gvnvernemenr will die Emancipation gewähren, aber allmählig; es wird Uebergänge bilden und zugleich Einheit im Reckrezustande geben. Die Mehrzahl der bisherigen Redner aber will die die Emanciparion unbedingt und augenblicklich. Die Majorität der Versammlung har bei den Abstimmungen im Wesentlichen sich Dem angcschlossen. Wir Alle stehen bei dieser Diskussion entweder auf dem christlichen oder dem Humanirärs-Standpuncre der modernen Culrur und maßen uns, wie mir scheint, mit der hergebrachten Naivität der neuern Zeit ein ausschließliches und entscheidendes Unheil über die Fortbildung der inner» und socialen LebenSverhälmisie, des eigenrhümlichsten, abgeschlossensten Volks an, welches den eigentlichen geistigen Kern und Mittelpunkt der Weltgeschichte gebildet hat. Wir wollen die Lcbensverhalrn«sse und die äußere Stellung, ja die Geschichte dieses wunderbaren Volks umbilden, orgamsiren und leiten! Lebens- Verhältnisse, die wir nicht gründlich kennen, denn man kennt nur wahrhaft was man selbst durchlebt ha-. Sind denn die Zuden selbst in ihrem eigentlichen vollen Bestände gründlich gefragt worden über «hre Hoffnungen, über ihre Wünsche? Konnten sie uns »hr bisheriges sociales, religiöses und inner s L»ben amzulölcn, erbl'cken könnten! Das Gouvernement har sich von den Behörden berichten lass«, es har auch hur und wieder einzelne Zuden gefragt — ob von allen Schatlirungen, ist aus den vorliegenden Akren nickt ersichtlich;— die Redner der Versammlung haben ihie individuellen, doch stets mehr oder weniger e>nsei« fen: Ist daS Gesetz, was wir erlassen wollen, auch den Zuden genehm? Das Christenthum har das Zudenrhum nicht zu überwinden vermocht. Eine alte Prophezeihung sagt sogar, es solle bis ans Ende der Taae bestehen; aber leugnen kann man nicht, die moderne Culrur, die emancipirte Tochter des Christenrhums