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Der treue Zionswächter · 1847-06-29 · 26 (29.6.1847) · page 3

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
3 (1847)
Issue
26 (29.6.1847)
Date
1847-06-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ws- «W 211 Ungeheueres, — unser Geist steht auf eine Weile still, — wir haben nichts, womit wir das vergleichen. — Ach, wir schauen düster in die schwarzumfiorte Nacht. Aber erwache, Israel, tritt naher und siehe, das, was man dir als ein frisches, lebenskräftiges, neugeborenes Kind aufdringen will, ist nur ein zum Leben untaugliches Embryo, ist nur das schlechte, daS sich selbst überlebt und zerfallt. Um aber nach der schwarzumflorten Nacht herrlicher zu schauen, deS Morr gens glänzende Pracht, verfahret Ihr Brüder gleich dem Astronom, der nicht den lubum optivum frägt, sondern sein Auge oder seine sehende Kraft er aufs Höchste durch das Sternrohr angreift; so soll und muß Israel in der Jetztzeit verfahren. Nicht darf eS getrost, wie ehemals, seine Religionslehrer alle als Leiter auf der dornenreichen Erdenbahn und Führer zu den Gefilden der Glückseligkeit betrachten. Nein, eS muß oft seine ihm gegebenen, nicht selbst erkiesenen Führer verlassen, und von seinem Gewissen sich leiten lassen. Denn eS giebt solche Führer, von denen man sagen kann: Ein GeisteSschwindel hak sie ergriffen, ihr inneres Auge ist verschlossen, ihre Köpfe sind umhüllt. (.'» v'2 ri'vr') Beispiele von solchen Religionsführern haben wir im Zn- und Auslande mehr als zuviel. Wir sehen manchen neologen Eindringling, nur von einigen einflußreichen Gemeindemitgliedern unterstützt, mir dem Tirel Oberrabbiner prangen, bei dem jedoch der heilige Glaube in den Schmelztiegel eigenen VernünfrelnS längst schon überging und heimlich sich trübt-, nach und nach aber zeigt eS sich offen, wie Ehrgeiz, Herrsch- und Genußsucht, der Materialismus überhaupt, an die Sr-lle der Sanfrmuh und Güte, an die Stelle des beseligenden, innigen und höheren Genusses der Religion, so zu sagen der Poesie des Glaubens, tritt, und im Nu entfliehet der Gemeinde Glück. Da drängt sich Zwist und Hader in den früher ruhigen Gemüthern, Partheien stehen kämpfend gegeneinander, die Neuerer wollen alles Frühere waS sie Täuschung nennen mit aller Macht verdrängen, um eS mit einer gewiß großen Täuschung zu ersetzen. Und treffend sind des Propheten Worte: (oc) nw e'fi vu» Sie fliehen den Löwen und stoßen auf den Bären. Beide Parrheien ringen und kämpfen fort, der einen stehet die Macht des Geldes, die Macht de- Ansehenbei den Behörden bei, die andere nährt und stärkt -sich durch Hoffnungen, daß die gerechte Sache doch siegen muß. —(Beschluß folgt.) SL« Die Geschichte der israelitischen Schule z« Halberstadt, (Fortsetzung.) Die nun folgende Statistik der Anstalt feit ihrem Bestehen, die Principien, nach denen sie geleitet, die Resultate, die sie zu Tage gefördert, sind in einfacher, klarer und überzeugender Sprache dargestellt und bieren gewiß nicht nur dem jüdischen Schulmanne, sondern dem Publikum überhaupt hinreichenden Stoff zu nützsicher Unterhaltung, zur Belehrung. Aus der, jener ersten folgenden Rede, des Herrn Samuel Bär, Lehrer und Rendanten der Schule, heben wir folgende Stellen heraus: WaS für daS Leben wachsen und gedeihen soll, bedarf deS Delebens und der Befruchtung; waS in der Zeit Früchte tragen soll, will auch seine Entwickelung in der Zeit. Jede Uebereilung verhindert daS Ausstreben der Pflanze; jeder Stillstand nagt an der Wurzel deS Lebens und trägt den Todeskeim in sich. Wie in der Natur, so im Leben, jo in der Schule. Soll der Zögling daher nicht nur für die Schuljahre abgerichket, sondern für das Leben gebildet werden, so komme auch Leben in den Unterricht; er sei ein lebendiger, belebe die Kräfte, Anlagen, Fertigkeiten, den Sinn und daS Gemüth des Kindes; es fühle durch die Kraft deS Bortragens daS Vorgetragene veranschaulicht als Bild in seine Seele ausgenommen. Je klarer das Bild, je durchdrungener die Ueberzeugung. Leben bringt Wärme, Eifer, Liebe zum Unterricht. Zvön (5. D. M. Kp. 32, V. 2.) heißt es daher in der heiligen Schrift. Der Unterricht fei, wie die Nahrung der Pflanze, die den roflgen Duft der Erhaltung zieht aus den Perlen des Thau'S. Nicht mit WindeSgewalt und unvorsichtiger Uebereilung, die, wie > aufgeführr. ihr Werk untergräbt. Ein stufen, mäßiges Forlfthreiten trete ein. Solches Vorwärts findet sich in der Natur, in ihrem verborgensten Geäder, in ihrer unermeßkich'en Bläue, in ihrer endlosen Füllung. Nur dieses Vorwärts führt zum Fortschritt und tritt der Erschlaffung durch den Stillstand entgegen. » * * —-— Wir «ollen positiven Glauben, Zudenthum! wie wir es überkommen von Moses und den Propheten durch die Tradition, den Talmud und seine Erklärer. Kein« Verflachungen der Höhen und Tiefen deS Glaubendurch hohle Phrasen und Wort-

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