Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- 24 (15.6.1847)
- Date
- 1847-06-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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»Ich ISS W» klar zu machen, und durch die Verwendung des menschenliebenden und klüger» englischen Consuls daselbst, kam vom Pascha der Befehl, daß Kläger und Angeklagte in Beirout vor Gericht erscheinen sollten. Sobald ich diese Sache vernahm, ließ ich eine Eopie von dem von Sr. H. dem Sultan ausgegebenen Firma» machen und schickte dieselbe nach Beirout nebst einem Briefe an den engl. Consul, worin ich ihn ersuchte» den armen Juden und der Wahrheit nach Kräften beizustehen. Als Beweis für ihre menschenfeindliche Erdichtung führten die Verleumder an, daß sie einige Tage nachdem die Juden im Gefängniß gewesen wären, den verlorenen Knaben über den ganzen Leib verwundet außerhalb der Stadt zwischen den Weinbergen gefunden hätten und fügten hinzu, daß die vielen Wunden gewiß dazu gedient haben würden, ihm das Blut auszusaugen. So ist nun die Sache noch nichr zu Ende. Der liebe Gott stehe seinem bedrückten Volke bei, und decke die Falschheit dieser Beschuldigung auf vor den Augen aller Welt. Auch in Damaskus werden die alten judenfeindliche» Gesinnungen wieder rege. Man flucht und schilt und schimpft die Juden und bemüht sich, alle Unglücksfälle wo möglich ihrer Schuld znzuschreiben. Lesen sie hier die Worte eines Briefes, den ich von den obersten Rabbinen aus Damaskus erhalten habe. ..Von der Zeit an, daß man in Jerusalem und darauf auf Libanon mit der alten falschen Blutbeschuldigung wieder aufgetreten ist, versammeln sich auch hier wieder die Ungläubigen, um sich zu beratschlagen, wie ein Vorwand zu finden sei, über die Juden von Neuem herzufallen. Sie bestreben sich fortwährend zu beweisen, daß die Juden blutdürstige Mörder seien, kein Jude betritt unbeschimpft die Straße. Als Beispiel ihres bösen Trachtens diene folgender Vorfall: Seit einiger Zejt logirte im Hause einer Frau auf der, Judenstraße ein fremder Herr, Bolto genannt, der nach einigem Aufenthalte dort erkrankte. Kaum wurde dieses laut, -da hieß es schon — wir hätten ihm Gift eingegeben. Nun, gelobt sei der Allmächtige, daß er diesen Mann wieder genesen ließ, denn bald nach seiner Wiederherstellung äußerten sich einige ihrer Großen, daß, wenn der Mann gestorben, für die Judenschaft von D. keine Rettung mehr gewesen wäre. Schon mußten sich einige Israeliten in Höhlen verbergen, um ihren Verfolgern zu entkommen. Der Mann selbst, der uns sehr liebte und gerne in unserer Gesellschaft verweilte, sprach öffentlich sein Erstaunen über diese Verleumdung aus. Vor seinem Abschiede besuchte er uns alle und drückte uns feinen Schmerz H über unsere Trennung aus, und als er abreiste wurde er von vielen von uns begleitet. Dennoch beharrt man noch immer bei der leidenschaftlichsten Feindseligkeit gegen uns. Wenn nur Jemand eine Stunde über die gesagte Zeit außer dem Hause ausbleibt, so läuft man schon zu uns, ihn in unfern Häusern zu suchen. Nun denken Sie sich, in welcher Angst wir diese Zeit verleben. Täglich droht man uns mit der Wiederkehr der alten Torturen. O, Du Vater im Himmel! erbarme Dich doch Deines Volkes und eile zu unsrer Hülfe herbei in diesen Jammerstagen." Nun Ihr, unsere mächtigen und einflußreichen Brüder in allen Städten Europa's. habet Mitleid mit Euren der Verfolgung fast preisgegebenen Brüdern und verwendet Euch für sie bei allen Fürsten, daß sie einschreiten mögen, diesem alten Wahne endlich ein Ziel zu setzen. Der Ewige wird Euer Werk gedeihen lassen zum Wohle seines verwaisten Volkes. Amen. - - Ml'Seelle. Die Israeliten in Tunis. Tunis zählt bei einer Bevölkerung von 350,000 Seelen beiläufig 40,000 Israeliten, welche größtentheils in der Hauptstadt leben. Sie wohnen schon seit uralter Zeit an der nordafrikanischen Küste, und.es giebt Grabsteine, welche aus dem zehnten. Jabrdch,-. vert herstamwen. Da sie im sogenannten G!)stry, oder der Judenstadt, nicht hinreichenden Räum fäüden, so ist ihnen ein neues Stadtviertel-ckngewichelk worden, und unter dem jetzigen Bey^ dev-neue,dingiS durch die Aufhebung der Sklaverei in^ seinemGebiet«., einen deutlichen Beweis von sei.qrm,Et,reden Ygch europäischer Kultur gegeben Hat, genießen die Juden weit größere Freiheiten) als in den übrigen'Bärbäresken-Staaten. Während es ihnen in den letzteren verboten ist, arabisch schreiben zu lernen, genioßew sie in Tunis den Unterricht m den von Europäern errichteten gemischten Schulen. Jn Marocco dürfen die Juden kein Pferd besteigen, und vor den zahlreichen Moscheen, vor dem kaiserlichen Palast, vor den Häusern der Kadis, der Muftis rc. müssen sie barfuß vorübergehen. Dort sind die Juden allen.