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Der treue Zionswächter · 1847-06-15 · 24 (15.6.1847) · page 3

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
3 (1847)
Issue
24 (15.6.1847)
Date
1847-06-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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»ZG ISL bewußtes RechtSgefühl, rhatkräfttge Gesinnung, ernstes Wort, rege Thar, sie fehlen, für den Augenblick wer nigstrnS, ganz und gar in der Mitte unserer jüdischen Genossenschaften. Sie sind geknechtet, entnervt in sich selbst, müssen eS sein, weil das Bewußtsein ihres Rechtes in ihnen gänzlich entschlummert. Klagen dann hinterher, wenn hier ein Vorstand die religiösen Inrer ressen, statt zu fördern, verrärh, dort /in Rabbiner die Religion, deren Diener er sich nennt, preiSgiebt. Jammern über Sittenverderbniß, über Abfall, wenn hier die Synagoge verwaist, dorr dem Zeirgötzen Tem» pel gebauet, wenn Schulen verlassen, religiöse Institute vernachlässigt werden. Statt zu klagen und zu jammern, sollten sie wissen, sollten sie wollen, und diese- Wissen und Wollen allein, eS wäre hinreichend, ihnen volle Genugrhuung zu verschaffen. SrerS sich klar bewußt, was eine jüdische Gemeinde sein soll, ihre Zwecke ernst gewollt und wir werden bald wieder wahrhaft jüdische Gemeinden haben. Nicht so zahlreich, nicht so vermögend, nicht so gebildet, aber kräftig, einig, wahrhaft religiös. Und wie bereits erwähnt, selbst um den Preis gänzlicher, unwiderruflicher Trennung auf Kosten von abtrünnigen Rabbinen und Vorständen. Denn es läßt sich nicht leugnen und in Abrede stellen, wie d«e besprochene Pemoralisirung der Gemeinden ihrem größten Theile nach Schuld der sogenannten Gemeindevorstände ist. Es ist in d. Bl. zu wiederholten Malen schon Erwähnung geschehen — und ist die Gesammkheit der jüdischen Presse nicht nur Deutschlands, sondern sogar ganz Europa'S in dieser Beziehung durchauübereinstimmend — wie unser Vorstandswesen mit nur wenigen Ausnahmen, eine der trübsten Seiten mir im jüdischen Gemeindeleben ist, und wie, so lange hier kein Wandel getroffen, so lange kein Heil für rer ltziöseS Leben der Gemeinden zu erwarten. Unsere Vorstände sind höchstens Vorstände, aber nicht Reprä, sentanren der Gemeinden, sind nicht aus deren Ma» joritac hervorgegangen, fußen nicht in deren Grsammt, bewußtseln. Wo zuerst auf Reichthum, Einfluß, Srekr lung und moderne Bildung gesehen, wo diese hier nur sehr wenig in Betracht kommenden zufälligen Vorzüge, Alleda-, was den wahrhaften Vertreter der jüdischen Genossenschaft als solchen be-«ichnet, ersetzen und aufwiegen, wo jeder Schein von sonstiger Volksvertretung gewichen, jede kundgegebene, öffentliche Regung, mit mitleidigem Achselzucken, mit vornehmer Gleichgültigkeit erwtederr, «m jeden Preis zurückgedrängt, emkrafue wird, kurz, wo endlich pro rstioqe voluntas, staks der Vernunft der eigenmächtige Willen gesetzt wi>d, da freilich kann von einem Selbstbewusstsein der religiösen Gemeinde wol kaum die Rede sein. Und wie unfern Gemeinden ein größeres, so wäre unfern Vorständen vor Allem ein minderes Selbstbewußtsein von Nöthen, ein inniges Verbinden, beziehungsweise Aussehen in der Gemeinde selbst Solche Gemeinden, von solchen Vorständen vertreten, solche Vorstände von solchen Gemeinden unterstützt, jene abtrünnigen Rabbinen, ihnen würde alsbald die Lust zum Zerstören vergehen wenigstendie Gelegenheit dazu ihnen benommen werden. Doch — kr,, reden wir von dieser Claffe nicht ferner und wenden uns dafür zu unfern Rabbinen Auch hier ist nicht Alleso, wie es sein sollte und dazwar, wie auS der Rarur der Sache selbst hervorgehend, zum größten Nachtheile unserer religiösen Zustände. Wird im Leben überall der wahr« hafte Werth de- ManneS nach Uebereinstimmung zwischen Denken, Sprechen und Handeln, nach murh« voller, unerschrockener Darlegung deals recht unwahr Anerkannten bemessen, so darf dies um so mehr von einem Geistlichen, jüdischen Geistlichen erwartet werden. Und dennoch! diese rücksichtsvolle Unentschiedenheit, dieseschwache Zaudern und Schwanken, diese- Laviren nach beiden Seiten hin, eS hak geschadet, vielgeschadet, sehr viel geschadet. Entweder-oder, ein Drittegiebt es nicht, und dennoch mühen sich so viele schwache Seelsorger vergeblich nach diesem Dritten ab. Da nützet kein Zuruf, kein Beispiel der wenigen Murhvollen und Entschiedenen, deren Warnung und SchmerzenSruf wird überhörr, ma» fürchtet sich — und die Zudenheic schwebe in einer so dringenden Krise. Mukhige Entschiedenheit, offenes kräftiges Auftreten unserer Rabbinen, daist das Dritte, Wader Gesammrheie Noch ehue, durch welche sie der dringenden Gefahr, in der sie sich jetzt befindet, sonder Zweifel entrissen wird. Und ich täusche mich Nicht. Sie werden zum Bewußtsein gelangen, unsere Gemeinden , unsere Vorstände «erden einsehen, daß sie ihre gegenwärtige Existenz dem allgemeinen Besten zum Opfer bringen müssen, Much wird beseelen» die unsere wahren geistigen Führer und Leiter find, und vom Neuen wird erstarken die Genossenschaft Israels, treu und gottergeben, und mit ihr in virjüugtem Glanze dir Religion selbst.

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