Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- 23 (8.6.1847)
- Date
- 1847-06-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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»ZG 188 G§» zu dürfen, da durchzuckte eS mich in nie gekannter Freudigkeit und Wehmurh, durcvbebre mein Inneres in himmlischer Lust, durchzitrcrre mich ein heiliger, tztdschrvur: zu leben, ganz zu leben diesem Gotte, diesem Gesetze, sters so zu sein, wie ich heute mit Stolz Wich nenne, 72. Sohn des Gesetzes. Doch um dieses mein Gelübde, abgelegt in heiliger Stunde, an beUlgster Stätte, getreulich zu wahren, möchte ich mich wol selbst fragen: Kenne ich auch die Religion, der ich von jetzt an ga„j angchören werde? Worin besteht das Welentliche derselben? Wessen würdigt sie besonders ihre getreuen Bekenner? Allerdings inhaltschwere Fragen, von deren Beantwortung, ich fühle es, daS Heil meines ganzen Lebens abhängig ist. Unsere jüdische Religion unterscheidet sich gar merklich von allen andern Religionsbekenntnissen. Ich will nicht davon reden, daß die hohe, reinste Tvtrcebedeutung sich kaum noch einmal in d e r Gestalt wtederfinden läßt, als eben lm Zudeurhume, will nicht davon reden, daß keine andere Religion ein so direcreS. unmittelbares Verhältnis zwischen Gorr und Mensch feststellr, al» eben die jüdische, will nicht davon reden, daß Unsterblichkeit, daß Vergeltung, daß Zukunft wol kaum noch einmal sich in so hehrer Gestalt dem Blicke dcS Staubgebor- »en sich kundgübt, als in unserer Religion. Aber wovon ich allerdings reden will, und worin ich die wahrhaftesten Vorzüge des ZudenrhumS in ihrer Einwirkung erkenne, ist, daß keine andere Religion so sehr daS Gesammrleben der zu ihr sich Bekennenden durchdringt, so sehr auf alle, selbst die kleinsten Verrichtungen und Beziehungen in diesem Leben Rücksicht nimmt. als eben die jüdische, eine wahre Religion für das Leben, eine Religion der That. ^72 ^>22 ^0252 02 M27,?MP2, 12IO1. Beim Ausstehen, beim Niederlegen, beim Sitzen, beim Gehen, im Hause, auf dem Wege, überr all-ivilen GvrreS'Gebote uns begleiten, wir sollen davon reden, weil selbst haS Reden Gebot, weil eS zur T-nk-ühy, üE?nvkNt--Uweil..-übvsaüLTHat VVVNÜ-NS2 gefordert wird^u Was aber mag woj Zweck unk (Absicht d?S höchsten Schöpfers und Gesetzgebers Mw^en sein , »lS er unser ganzes Leben gleichsam zu einem Gesammtg vtresdienste seiner Verehrung weihete? Unser ganzes Bestehen, unser ganzes Dasein, so mir Religion, seiner Rejigton verwebte, daß beide im Zudenrhume nicht von einander zu trennen, in und durcheinander bestehen? crsib »rnsv .v'ciTp vn'»cv vncipnrn, ihr sollt euch heiligen, damit ihr heilig seid, durch die, die mir nahe stehen, will ich geheiligt werden. Also Heiligung ist die große, erhabene und edle Idee unserer Gottesreligion, Sclbstheiligung, daß durch sie wir zur Gottesnähe gelangen. Deshalb erstrecken sich die Gesetze des ZudenrhumS auf die unbedeutendsten, kleinsten, ja kleinlichst scheinenden Verrichtungen des Lebens, deshalb begleitet die That unser Gehen und Sitzen, unser Haus, unfern Weg, deshalb beginnt mir dem Leben selbst das Gebot, erlischt nur mit diesem. Das ist ein Vorzug, der unsere Religion mächtig vor allen andern auSzeichnet, er ist, der uns mit wahrem und erlaubtem Stolze deren läßt: vr>7p2?r>b 122!») vt>2is)i -zm5r>2 voc??,. Nicht Macht, nicht Glanz, nicht irdische Schätze und Hoheit bietet ununsere Religion; im Gegentheile, Opfer und Entbehrungen aller und jeder Art, Entsagung und Entziehung so manches nach Natur- und Vernunftgesetzen erlaube Scheinenden, daS ist eS, was jeder Tag, jede Stunde vom Juden fordert. Sehen wir darin eine Beschränkung unserer Freiheit? Im Gegenrheil! Frei sind nicht die, die sich so gerne frei nennen, mir dieser ihrer Freiheit sich brüsten, wahrhaft frei sind nur die, deren Freiheit durch'S Gesetz gezügelt, die nur in so weit frei sein wollen, als daS Gesetz diese Freiheit ibne« gestattet. Wehe, wehe dem Srraubgebornen, der sich selbst weise, sich selbst mächtig genug dünkt, als baß der göttlichen Weisheit, der göttlichen Allmacht er bedürfe; bald wird er einsehen, zu spät einsehen. baß dahin ist die Vernunft der Vernünftigen, die Kraft der Kräftigen, daß. wenn der Herr nicht bauet das Haus, die Bauleute sich vergebens admühen. Weh« und abermals wehe dem der nicht Geisteskräfte genug besitzt, zu entbehren, wo er genießen, zu opfern, wo er besitzen will, ihm ist das Iudenrhum nicht Religion, er kennt eS nicht, er besitzt eS nicht. Aber endlich wehe und dreimal wehe auch dem der in Schuld und Trug den Weg zum Heiligthume heranwandelt. Heiligung heißt die hohe Aufgabe des ZudenrhumS. Wie aber das Heilige jedes Unedlejedes Unreine und Unlautere aüsschließr, wie je verklärter der Sonnenglanz, desto leichter das kleinste Fleckchen selbst die ätherische» Strahlen verdunkelt, ihren Glanz umnebelt und ermattet, so wird daS Strahlengewand der Religion und der GotteSerkenntniß alsbald verdunkelt, sobald mir dem Reinen das Unreine wir zu vermahlen uns erkühnen. crpsi durch die, die mir nahe stehen, will tch geheiligt «erben. Und dennoch die Priester,