Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- 20 (18.5.1847)
- Date
- 1847-05-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Seit Herrn Läw's Antritt des RabbinatS besuchten die Orthodoxen die zum Theil für die Gemeindecassa erbaute Synagoge nicht mehr,*) sondern beteten mit;'2p zu Hause. Die Grundherrschafc verbot, auf Ansuchen der Neologen, jeden Privatgottesdienst. — Die heiligen Bußtage nahten, die Orlhodxen, die bis jetzt bloS ihr Gebet verrichteten, erhielten ein Mandat von der ungar. kgl. Hofkanzlei an die Grundherrschaft, in welchem anbefohlen wurde, daß man den Orthodoxen die alte, leerstehende Synagoge während der Feiertage öffne. Kaum hatten die Löwianer Wind hievon bekommen, so ließen sie, Vandalen gleich, die alte Synagoge zerstören, und die Grundherrschaft erließ einen verschärften Befehl, daß ja kein Privatgottesdienst abgehalten werde; die dawider Handelnden sollen mit schwerer Körper- und bedeutender Geldstrafe gezüchtigt werden. Und so mußten denn auch wirklich einige Hundert an den v'p' — an welchen Tagen doch sonst jeder Jude aus den fernsten Gegenden nach Hause kömmt, um im Kreise seiner Lieben zu sein — Weib und Kind verlassen, um in den benachbarten den gemeinschaftlichen Gortesdienstverrichten zu können. Kranke und Greise, denen das Reisen unmöglich war, beteten n'2 und ließen sich in den Keilern 72'L blasen, damit man den Schall nicht höre und ihnen einen Proceß aufdürde. Einige »övI, die sich öffentlich tadelnd über Herrn Löw's Benehmen ausgesprochen, feierten die heil. Bußtage im Gefängnisse. Wer kann so hartherzig sein, hier nicht tiefe Wehmurh zu empfinden, wer so gleichgültig für das Höhere und Heilige, diese der Wahrheit gemäß geschilderten Scenen nicht mit gepreßtem Herzen zu tzsen! Biedere, rechtliche und fromme Menschen wurden mit empörender Grausamkeit behandelt, weil sie den nicht genug zu lobenden Much hatten, einen Rabbinen zu wünschen, dessen religiöse Ueberzeugung mit der ihrigen übereinstimme, und weil sie Herrn Läw, der alle einem Geistlichen geziemende Würde in den Staub tritt und mit frecher Stirn der öffentlichen Meinung Hohn spricht, durchaus nicht als ihren Rabbinen anerkennen wollten.**) *) Die große neue Synagoge steht daher leer; an Wochen» Tagen bringt man kaum;»-o zusammen. — Als die Löwianer bemerkten, daß die ins? r»» v«no am achten Tage der Osterfeiertage v orvor^den Ort hinauszugehen, dort auf fremdem Gebiet, indemsogen. Wir fragen, waS soll bei einem solchen Verfahren aus der gerühmten Duldsamkeit, aus der aller Orten verkündigten Aufklärung deS erleuchteten neunzehnten Zahrhunders werden? Sollten wir in der Toleranz keinen Schritt weiter gekommen sein, als dieselbe gegen uns zu verlangen, ohne sie im mindesten andern leisten zu wollen? Müssen wir nicht auch bei unfern Gegr nern eine Ueberzeugungstreue annehmen, ihre Grundsätze möglichst schonen und ihre religiöse Anschauung achten? Noch haben wir nicht das traurige, jede menschliche Brust mit Schmerz erfüllende Drama der Papaer Wirren und Gemeindezerrütrung über das erste Stadium seiner Entwickelung dem werkhen Leser vorgeführr, und schon sind wir entschlossen, die Feder aus der Hand zu legen. Man denke sich das Schrecklichste und Empörendste, was schäumende Wuth und Gewalt an Leib und Gut des Schwächer«, an seinen Rechten als Mensch und Unterkhan nur immer verüben kann u. eS ist kaum ein Schalten jener Gewaltthätigkeiten, die hier mit privilegirter Grausamkeit an den Schutzu. Wehrlosen begangen wurde. — Die Orthodoxen wurden vogelfrei erklärt; jede Nechtsklage — und war sie noch so gegründet — die einer von ihnen gegen einen Löwianer vor den Nichrerstuhl bringen wollte, wurde ungehörr zurückgewiesen; den biedersten, unbescholtensten Männern wurden vom Gemeindevorstande kein Testimonium — und brauchten sie es noch so nöthig — ihres ehrlichen und moralischen Lebenswandels verabfolgt; bei der Verheirathung ihrer Kinder wurde ihnen für dieselben das Zncolarsrecht verweigert. — Genug dieser Scenen; sie bedürfen keines Commenrares; sie richten sich selbst. Wör Papa wiöc 'v'I gekannt und es jetzt siehe, wopp »p'I dem bricht das Herz vor Wehmuth und Trauer. Vormals wohlhabende Familien sind, weil man ihnen ihren Nahrungszweig entzogen, an den Bettelstab gebracht; die Angesehensten und Reichsten der Palliner Wirthshaus ihren Gottesdienst zu verrichten, den darauf folgenden Samstag, wo sie sich auch dort nicht mehr sicher glaubten, versammelten sie sich auf offenem Felde rrw? v--»!-. So wett geht die Toleranz der Löwianer und noch weiter. Denn als ein junger Mann. wurde der Vater desselben, der sich in dieser Angelegenheit zum herrschaftlichen Beamten begab, von diesem gefragt, ob auch er gegen Löw unterschrieben habe, als er dies der Wahrheit gemäß bejahte, wurde der Sohn nicht Meister und dem Vater wurde die Thür gewiesen. Ist das nicht Darberei des Mittelalters im 19. Jahrhundert?