Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- 20 (18.5.1847)
- Date
- 1847-05-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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160 genug. zu entgegnen, er wäre Ankläger und kenne die israelir. Gesetze ganz gut. Darauf antworteten ihm die Aelresten, daß die Aschkenasim einer und derselben Religion, zu der auch wir uns bekennen, angehörren, unser Rabbiner menge sich aber nicht in deren Angelegenheiten, weil die Aschkenasim unter dem Schutze der europäischen Könige, wir aber unter dem Sr. Majestät des SulranS stehen, ferner, daß wir von diesem einen Firman besitzen, worin Sr. Maj. der Sultan selbst erklärt, daß Sr. Majestät selbst untersucht und eingeseken, daß ein solches Vergehen bei Juden, die an das mosaische Gesetz glauben, unmöglich ist. Alle solche Beschuldigungen hegen daher Lügen und falsche Angaben. Wer also fragten die Aeitesien, darf sich einem Urtheile widersetzen, das Sr. Maj. der Sultan in letzter Instanz ausgesprochen? Schibli entgegnere, der Sultan habe die Sacke nicht für völlig unmöglich erklärt. Denn im Firman stehe weiter, daß wenn sich unverhofft wieder ein solcher Fall ereignen möchte, die Sache in Constantinopel entschieden werden solle. Er selbst, so fügte er unverschämt hinzu, habe große Beweise aus der Tora, daß das Bedürfniß von Christenblut bei den Juden wol eristirr und man daher mit Recht eine Anfrage deshalb an d«e Juden richten dürfe. In der Bosheit seines Herzens ließ er sich noch mehrere ähnliche uns beschimpfende Worte entfallen, bis er endlich unverschämt gerade heraus erklärte, der Firman des Sultans thue nichts zur Sache ab. Die Aelresten wiederholten, daß Sr. Maj. der Sultan die Sache als unwahr erklärt habe und daß. wenn Schibli anderer Meinungen sei, er sich an den Sultan und nicht an uns zu wenden habe. So blieb die Sache hängen und der Pascha sagte den Aelresten, sie möchten lnck dem Kinde den ihn verursachten Schmerz durch Geld vergüte und dafür bürge, daß sich in Zukunft so etwas nickt wieder ereigne. («Lin dreifaches Uebel!) Ale sie mir diesen betrübenden Nachrichten zu uns kamen, ließ ich gleich Rabbi Jesaias rufen und rheilre chm die Lage der Sacke mir. Dieser sprach mir wenn man es von ihm fordere, dem Pascha gehörig antworten. „Was Euch porrug. Juden betrifft," so sagte er, „Ihr se,d ja frei, da Ihr einen Firman vom Sultan besitzt und ohne dies ist es ja ein Kind von Pcruschim; darauf schickte er zum Pascha und ließ bitten, daß ihm dieser seine Forderung schriftlich zukommen lasse; er würde ihm alsdann auch schriftlich antworten. Dem sei wie dem wolle, unsere Pekidim waren heute nn Divan, und sahen das der Pascha sich nicht wie früher gegen uns benimmt. Sie sagten ihm, daß wir mit der ganzen Sache nichs zu schaffen hätten,; der Pascha wiederholte aber nochmals daß er es für das Beste halte, wenn wir das Kind durch Geld zufrieden stellten, worauf sie ihm enrgegnercn, daß dies im Gegentheil gerade zur Beschuldigung, die Juden hatten von einem Christenkinde Blut erkauft, Anleitung geben werde, während doch die ganze Erzählung des Kindes erdacht und erlogen ist. So blieb die Sache hängen, die allein von Schibli herrührr; er hat alles veranstaltet und feuert die Fanatiker jetzt zur Verfolgung der Juden an. Der gütige Gorr vernichte seinen Plan; gewähre dem Bösewichr sein Verlangen nicht, und helfe uns! Wegen des Schibli bin ich sehr in Angst, denn er regt einen eingefleischten Haß gegen alles was nur Jude heißt und har, da er als Secretär des Pascha's gleichsam bei der Negierung angestellt ist, immer Gelegenheit zu schaden. Durch seine bösen Rarhschläge wird er uns legt? wie lange noch solche Hindernisse auf unser» Pfad gerhürmt werden? Wir sind wie Schafe zwischen Wölfen! Wenn wir für die Zukunft bürgen müssen, so ist dies nickt umsonst; es ist ein Fallstrick. Weder bei Tag noch bei Nacht ist uns das Leben dann sicher; ww sind vogelfrei! Denn jeden Tag kann man mit solchen Beschuldigungen über uns herfallen. Möge Gott sich unserer erbarmen, uns beistehcn und uns mit den davon kommen. Das Ende der Sache können wir Ihnen noch nicht mirrhcilen; inzwischen befinden wir uns in der größten Niedergeschlagenheit, bis Gott zu Gutem auf unS niedersehen, sich unserer erbarmen und uns von Ihr Reichen, Ihr Großen Israels, erbarmt Euch Eures armen, leidenden Volks, habt Mitleiden mit armen. Eurer Hülfe bedürftigen Israeliten, die in Jerusalem Bedrückung und Unrecht erdulden und ihr Leben in Kummer dahinbringen, in Jerusalem, einst die Zierde der Städte, der nun gefallenen unglücklichen Stadt! Ihr Großen, Ihr Mächtigen in Israel, vernichtet die Rachscklagc unserer Feinde und helft der gereckten Sacke rriumphiren. Der allgülige, stets schützende Gott nehme sich unsers Streites an und vergelte unfern Feinden, wie sie eS verdienen. So spricht kummervoll zu Euch und zeichnet mir gebrochcn/m Herzen (gez.) Chaim Abraham Gagi.n. Briefwechsel. Herr Obcrrabbincr —i—. Erfolgt nächstens, doch bitte uns bei anderer Gelegenheit ebenfalls nicht ganz zu vergessen. M. L. in A. Erwarte allerdings ebenfalls und baldigst. Das Andere soll besorgt werden. Hierbei ei ne Beilage. Verlag: Hcrol r'schc Buchhandlung in Hamburg'."' Druck: G cd r üd e B Hi n in^ Altona.