Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- 19 (11.5.1847)
- Date
- 1847-05-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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durch die Sorgen und Kampfe des Lebens mit dem alten, fabelhaften Herakles aus den Scheideweg des Bestimmung aufgehr, und ihn mir unendlicher, heiliger Sehnjuchk ergreift. Er wrll den Pol seines Lebens kennen lernen, damit er unwandelbar nach ihm strebe kens. Es ist eine erhabene, heilige Zerr, wo der Mensch sich solche Fragen stellt; wo ihn jede wahre Antwort, die seiner heißen, brennenden Begierde wird, mir heiligem Feuer durchglüht, und den Entschluß in ,hm zur Reife dringt sein Leben daran zu setzen, das Ziel zu erreichen. Zn dem wahren, riefen, edlen und leuchtet ihm und befeuert ihn durch die Tage und Nächte des Daseins hindurch, damit er nur sein Leben nichr verliere. Die Bestimmung des Menschen ist eine Aufgabe des Lebens. Wann sie erreicht sei, es läßt sich von dem Lebenden nimmer und nimmer sagen; er erreicht sie im Streben; das Streben, das bleibende, ewig junge, frische Streben ist die Erreichung. Darum fragen, wir nach dem Inhalte unserer heiligen Bücher, nach den Aussprüchen der Weisen aller Zeiten, nach den lauteren Sprüchen unsers eigenen Znnern Es wäre zum Verwundern, wenn der Ausdruck der Antwort auf die Frage, die wir uns stellen, zu der eine und gleiche wäre. So ist es nicht, so kann cs nicht sein. Aber im Wesentlichen, in dem Kerne, in dem Geiste werden sie alle übereinstimr men. Denn die Bestimmung des Menschen ist für Alle die eine und gleiche, wie verschieden auch der Ausdruck, die Bczeichnnngsweise sein möge. Verschieden ist und dleibr die Eigenrhümitchkeit der Menschen, verschieden ihr Standpunkt; und darum zeigt sich ihnen das Wahre der Dinge von verschiedenen Seiten. Wie verschieden daher auch die Antworten auf unsere Frage lauten mcgcn, in der Hauptsache sind sie einig und gleich. Die heilige Schrift bezeichnet das Wesen der menschlichen Bestimmung mit den Ausdrücken: Gottähnlichkeir, Gottesfurcht. Frömmigkeit, Liebe zu Go» und den Nächsten (Divinirät). So lautet die Antwort von dem religiösen Standpuncte aus. Ihre Wahrheit und Erhabenheit springt in die Aagcn.? Die auch der Einzelne, nach seinem individuellen Standpuncte, nach dem Maaße seiner Bildung und Culrur, sich das höchste Wesen denken möge, es ist und bleibt ihm das Höchste, das er denken kann, also das erhabene Zdeal aller seiner Wünsche und Bestrebungen. Natürlich entsteht nach der Auffassung jener Antwort die weitere Frage nach dem Inhalte und der Bedeutung der Frömmigkeit, der Gottähnlichkeir, was sie sei und worin sie bestehe. Darum ist es gut. wenn wir auch andere Aussprüche über diesen Gegenstand vornehmen. Philosophen und andere Männer nennen als Ziel des Menschenlebens die Vernünftigkeit — Tugend und Glückseligkeit — die Wahrheit oder Wahrhaftigkeit — das Wahre, Schöne, Gute —> Humanitär. So lautet die Antwort aus dem philosophischen Gesichtspunkte. Noch Andere bezeichnen als das Ziel der Vollendung die Bildung überhaupt, oder die.Entwickelung aller Anlagen und Kräfte des Menschen, oder die Selbstrhärigkeir. Dieses ist der formale Gesichtspunkt. Oder man verbindet daS formale mir dem materialen Elemente und nennt als Bestimmung des Menschen: die Selbstthätigkeir im Dienstr des Wahren, Schönen und Guten. Alle diese Ausdrücke sind hauptsächlich nur der Form nach verschieden; im Wesentlichen sind sie gleich. Wie die daher der eine oder andere Ausspruch am meisten Zusagen möge, auf dem Standpunkte, den Du einnimmst, wähle ihn und halte ihn fest: Divinirät, Vernünftigkeit, Humanität rc., oder wie Du willst. Vielleicht verdient der Ausdruck: Seibstlharigkcir im Dienste deS Wahren und Guten, den Vorzug vor allen andern. Er enthält ein formales Prinzip: die Selbstrhäcigkeir, und ein materiales: das Wahre und Gute oder daS Wahre, Schöne und Gute. Die Selbstrhaligkeir besagt, daß der Mensch nicht leidend und duldend, in Selbstwegwerfu g und Selbstvernichrung, sondern in Thatigkeir und Anstrengung seine Bestimmung anzustreben habe; sie spricht aus, daß der Mensch den Grund seines StrebenS und Handelns in sich selbst zu suchen, aus sich heraus zu nehmen, daß er sich selbst zu bestimmen habe, d. h. daS Princip der freien Selbstbestimmung, die Freiheit, ist damit gesetzt. Der materielle Inhalt: das Wahre und Gute, nennt den objektiven Gehalt des Lebens. Durch daö Ganze wird also der Gedanke dargestellt, daß dem'Menschen durch