Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- 14 (6.4.1847)
- Date
- 1847-04-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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abgegebenen Gutachten und gemachten Bemerkungen, die Vollziehung, und somit auch die Veröffentlichung des Documentes zu erwarten. Unter solchen Umständen gehören auch alle und jede darüber bis jetzt in öffentlichen Blättern gemachten Mittheilungen durchaus nur in den Bereich der Muthmaßungen. Unter den diesjährigen Militair-Ernennungen befindet fich auch die des als militäirischer Schriftsteller bekannten jüdischen Hauptmannes Bruck zum Major, eine unter den jetzigen Verhältnissen gewiß nicht bedeutungslose Erscheinung. England. London. Am 24. v. M. war bekanntlich durch Geheimraths-Beschluß 2. Maj. der Königin ein allgemeiner Fast- und Bußtag angesetzt worden, um, wie die darüber erschienene Proklamation sich ausdrückt, durch diese Buße den Zorn des Allmächtigen zu besänftigen, und seine Gunst vom Neuen über ein unglückliches, durch Mangel und Noth heimgesuchtes Land herabzuerfiehen. »Wir ordnen an, wir befehlen", heißt es in jener Procla mation weiter, »daß dieser öffentliche Bußtag strengstens und demüthigst gefeiert werde von allen unfern getreuen Unterthanen in Großbrittanien und Irland." Da dieser Bußtag im Monatfiel wo bekanntlich jede öffentliche Trauer untersagt ist^ so war man einen Augenblick darüber im Zweifel, wie fich unser hockwürdige Oberrabbiaer bei diesem Eollifionsfalle benehmen würde. Bald indeß erschien aus dem liabbi - Ottioe das Formular der Gebete, welche für diesen öffentlichen Gottesdienst verfaßt, in allen Synagogen des vereinten Königreichs gesagt werden sollten. Wir glauben nicht, daß sich gegen diese Entscheidung lelbst vom orthodoxesten Standpunkte aus Etwas einwenden ließe, indem mehr noch als bo'i bwolw? hier zu berücksichtigen wäre, ein Gebot, das wol schwerlich in einem andern Lande größere Berücksichtigung verdienen möchte, als in unserm freien und dabei doch so religiös gesinnten England. Hamburg. Seit langer Zeit hat im Kreise unserer jüdischen Gemeinde kein Act unseres Vorstandes so lebhafte Sensation erregt, als die dieser Tage erfolgte Wahl eines neuen vnv in der Person des vr. Rieß er. Wenn eS wahr ist, waS daS Sprüchwort sagt: »Des Volkes Stimme, Gottes Stimme," so ist seit dem Bestehen unserer Gemeinde keine unpassendere und verfehltere Wahl getroffen worden, als die benannte. Nicht etwa als ob wir gegen die Persönlichkeit, Fähigkeit, Reputation des Erwählten einen Einwand hätten; davon kann die Rede natürlich nicht sein. Rießer ist eine ehrenvolle Persönlichkeit, ein guter Jurist, ein bekannter Publicist; aber dieses allein ist hier nicht maaßgebend. Ein Gemeindevorsteher, ein jüdischer Gemeindevorsteher, ein jüdischer Gemeindevorsteher Hamburgs muß vor Allem Jude sein, und das eben ist es, was Rießer entschieden nicht ist. Was, höre ich den modernen Chorus händescklagend ausrufen, Rießer kein Jude? Er, der seit einer Reihe von Jahren für die Emancipation gekämpft, Er, der in Schrift und Rede die liberalen Prinzipien verfochten, und dieses Alles im Interesse des Judenthums, Er sei kein Jude? Soll mich indeß nicht irre machen, solch' Raisonnement. R. hat für Emancipation und Gleichstellung der Juden geschrieben; wer thut heutigen Tages, wo es zum guten Tone gehört, Publicist und zwar liberaler Publicist zu sein, dieses nicht? Was er damit genützt? Antwort: Gar nichts! Regierungen und Sraatsmäner? Diese sind zu vernünftig, solchen Schriften einen größer» Werth beizulegen, als ihnen in der Regel zukömmt, d. h. sie legen sie achselzuckend zur Seite. Aber die liberalen Volksvertreter, die Ständeversammlungen, endlich das Volk selbst, sie sind durch lolche Schriften belehrt und gebessert, und der Anbruch einer neuen Morgenröthe der Freiheit, wem anders ist er zu verdanken, als jenen liberalen Volksvertretern, Ständeversamm» lungen rc.? O, der Täuschung! Giebt es Einen unter uns, der so verblendet wäre, es nicht einfehcn zu wollen, daß jene Kammer-Heroen des Liberalismus bisher taub blieben und verstockt gegen die schönsten Worte, die eindringlichsten Reden zu Gunsten der Juden, und nur dann erst der Emancipation das Wort redeten, als sie diese als ein Mittel ansahen, zur Erreichung ihrer eigenen, anderweitigen Zwecke, als sie, in die Enge getrieben von einernorhwendigen, nicht zu umgehenden Consequenz, unter zwei Uebeln daS kleinste wählten, um so mehr, da sie wußten, die Regierungen würden ohnedies überall ganze oder theilweise Emancipation