Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- 14 (6.4.1847)
- Date
- 1847-04-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2625941-2626146-2626161--0877-2628451- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Lebens? — Es würde uns jedoch sehr weit von unferm Vorhaben ablenken, wenn wir eine Darlegung dieses ganzen Sachverhältnisses hier geben wollten, indem wir eine fernere Forschung in dieser Partie der jüdischen Geschichte auf einen anderen Zeitpunkt uns Vorbehalten. Nach der Auflösung des jüdischen Staates gestaltete sich diese Seite des israelitischen Lebens natürlich ganz anders. Es wurde den Vorstehern in deS verschiedenen Gemeinden Israels bloS die Ver« waltung des Cultus und Ritus und die Anordnung desselben auf Grund des Ritualcoder '(-pw;n!>c) sowie die Regelung der finanziellen Angelegenheiten zur Der sorgung übergeben. Bei der Erwählung der Führer einer Gemeinde sah man, auch jetzt obgenannten Vers (Exodus 18 21) zur Norm und Richtschnur nehmend, auf wackere Biedermänner, die aus allen Kräften und eisrigst sich bestrebt, das Wohl und Interesse des Volkes und der Gemeinde zu fördern und zu wahren, gvktesfürchtige Männer, welche nicht nur für dre pünktliche und genaue Befolgung der Religionsgeboce Lebenswandel führten, sie waren Männer der Wahrheit, die ohne Heuchelei und Falsch offen die religiösen Ge« fühle und Ideen im Leben berhäriglen der sie so innig beseelt und durchdrungen hatte. (Fortsetzung folgt) Wie hat der Lehrer feine Catechifation einzurichten, daß sie nicht nnr belehren-, sondern auch erbaulich werde? Wir alle, meine lieben College« und Freunde, wissen eS sehr wohl, daß unser Beruf, insofern wie Lehrer sind, uns die Aufgabe stellt, der Jugend die Lehren der Religion nicht bloS zum Berdächknist und ins Gedächtniß zu bringen, sondern daß wir auch ihr Herz -dafür erwärmen und begeistern und ihr Leben durch Religion weiser und heiliger und so mittelst der Religion den ganzen Menschen bilden sollen. Erkenntniß von Religionslehren hat wenig Werth, kann unter Umständen sogar schädlich werden, wenn fie nicht zum Fundamente wird, auf welchem ein heiliger Sinn und ein heiliger Wandel als ein schöner Bau sich erhebt. Wir haben deswegen bei unfern Religionsvorträgen nicht bloß den Verstand, sondern auch das Herz, und zwar beide gleichmäßig, in Anspruch zu nehmen, darum stets den doppelten Zweck im Auge zu halten, die Kinder zur klaren Einsicht und festen Ueberzeugung zu führen und im kindlichen Eemükhe die edlern Gefühle des menschlichen Herzens zu erwecken und zu nähren, und den Willen der Kinder durch die erkannte Wahrheit und das geweckte Gefühl für das Gute fest zu bestimmen. daß die Religion bei ihnen Sache des Lebens und das Leben Sache der Religion werde. Eine Unterweisung in der Religion, die sich einseitig an den Verstand bloS wendet und das Gefühl nicht ansprichr, trocknet das lebensvolle Gemüth aus, führt zur Verrenkung des jugendlichen Geistes, bleibt kalt und todc und wird im Leben nie lebendig; denn das Gesühlsvermügen ist der Mittelpunkt aller geistigen Thätigkeit, im Gefühlsvermögen nur wird der ganze Mensch angeregt, und das Gefühlsvermögen verbreitet auch wiederum seine Wirkung über den ganzen Menschen. Den Puncc sollen wir also treffen und es ist darum eine Frage von hoher Wichtigkeit für uns: Wie finden wir mir unsern Vorträgen den Weg zum Innersten deS Menschen, zum kindlichen Herzen? und wie haben wir unsere Karechisarionen einzurichren, daß sie nicht nur belehren, sondern auch erbaulich werden? Darauf zuvörderst die Bemerkung: Durch Fleiß an der Katechisation allein kommen wir freilich nimmer zum Ziel; die Persönlichkeit und das Leben des Lehrers sind auch wichtige Momente der Erbauung und können einem erbaulichen Unterrichte eben so hinderlich als förderlich werden. Wie nur derjenige Andere belehren kann, der selber im Besitz der Erkennrniß ist, so gehr auch nur dasjenige zum Herzen, was vom Herzen kommt. Erkünstelte Wärme- Worrmacherei und schöne Phrasen täuschen auch das kindliche Gemüth nicht auf die Dauer, und Kinder fühlen eS bald, wo der Mund nur spricht ohne Antheil des fühlenden Herzens ünd^ wo das Wort im Herzen geboren ist? Und dann ist' auch eine geheime, wunderbar mächtige Verbindung zwischen dem Leben und der Lehre, daß nur dann es uns gelingen kann, segensreich auf Herz und Leben der Jugend zu wirken, wenn daS Leben mir der Lehre übereinstimmr. Was nun die Einrichtung der Katechisation betrifft, damit das erbauliche Element nicht zurückgesetzk.