Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- 9 (2.3.1847)
- Date
- 1847-03-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nothwendigkeir dagegen ohne innere Freiheit nur Sklaverei, aber keine wahreNochwendigkeit ist. Es verftch.t sich von selbst, daß dies nur. von Menschlicher Freiheit und Norhwcndigkttt gelten kann. Denn waS die Nolhwendigkeit in der Freiheit, und die Freiheitin der Nothwendigkeir, das ist die sich selbst bewußte Versiunft./ Nicht also Freiheit und Norhwendigkeit, sondern Willkür u. Sklaverei sind Gegensätze, weil sie der Vernunft widersprechen und. der Unvernunft angehören, ' die VaS Wesen dieser eben so ausmacht, als die Vernunft das Wesen jener; woher es denn auch erklärlich: ist, daß Willkür u. Sklaverei in der Unvernunft ebenso einander gleich sind und ebenso ineinander übergehen, als Freiheit und Nothwendigkeir in der Vernunft. Denn der Despot ist nicht minder unfrei als der Sklave, den er mit Fußen tritt. — Wer nach wahrer Freiheit strebt, muß auch"dahin streben, daß Alle frei seien/d H. daß die Freiheit nicht nur eine einzelne, einseitige, sondern eine allgemeine rst. Dies ist auch die Tendenz unsrer Zeit, indem sie den Grundsatz aufstellr: „Alle sollen freier sein?* Aber eben in dieser Forderung liegt zugleich die andere der Nothwendigkeir. Wenn so in einem Staate eine allgemeine Freiheit verwirklicht würde, so müßte, wenn man darunter die unbeschränkte Defugniß, zu thun und zu lassen, was Jedem gut dünkte, verstände, gerade daS Gegenrheil von dem erreicht werden, waS man erstrebte, da die Ausübung einer Unbeschränkten Willkür jedes Einzelnen die Freiheit, aller Uebrigen beschränken müßte. Zn demselben Maaße also, als Alle frei sein sollen, müssen auch alle beschränkt d. h. an ein Gesetz der Äothwendigkeit gebunden sein; Dies Gesetz der Nolhwendigkeit kann aber in einem freien Staate ebenfalls nur ein wahrhaft allgemeines, nicht von dem Willen eines Einzelnen als eines solchen, sondern nur als Vertreter des Allgemeinen, abhängiges sein, mit andern Worten : eS muß ein vernünftiges sein. Denn die Vernunft und Alles- WaS aus ihr stammt, ist das wahrhaft allgemein Menschliche, das, was den Menschen züm Menschen macht, nnd was von Jedem ohne Widerspruch , sofern er selbst vernünftig ist, anerkannt wird. Eiste Beschränkung aber, die als allgemein nochwendig von Allen erkannt wird , wird auch von Jedem, dem es um die wahre Freiheit zu thun ist, getragen werden. Das ist der große Gedanke, dessen Wahrheit das vorige Jahrhundert mit BlUt besiegeln mutzte, daß die Freiheit nur als allgemeine : Wahrhafte Freiheit genannt werden kann, und daß sie, um sich als solche zu verwirklichen, nicht bloß Gleichheit der Individuen für, sondern auch gegen einander, d. h. innere Nothwendigkeir der Freiheit jedes Einzelnen vorausseht; dies ist auch daS Ziel, nach dem sich alft ernsten Bestrebungen des Geistes unsrer Zeit richten. Ob^-es erreicht werden könne, darüber kann kein Zweifel sein. Wann und in welcher Form es erreicht werden könne, ist eine andere Frage. Nichts ist für unser ünss für das Streben aller fteiheitliebenden Menschen hinderlicher und gefährlicher als die Täuschung über die Entfernung dieses Ziels und über die Angemessenheit der Mittel, eS zu erreichen. Es ist dies eine zu wichtige Frage, als daß wir fle nicht kurz in Betrachtung ziehen sollten. Das Ideal eines Staates ist ohne Zweifel diejenige Form desselben, in welcher die wahre Freiheit vollständig verwirklicht ist. Aber ist dies möglich? Möglich allerdings, sofern es'bei der Möglichkeit, d. hi bei der Unwirklichkeit bleibt. Dies Ideal ist eine ewige Zukunft, die nie in einer bestimmten Zeit, in die Gegenwart treten kann. Jede auch noch so vollkommene Form des Staats kann die Verwirklichung der Freiheit nür annäherungsweise erreichen, eben weil sie Form ist. Ich will mich deutlicher erklären. ES gicbt verschiedene Nationen, hiernach auch verschiedene Institutionen, also verschiedene Sraaieformen, eben so wie eS verschiedene Sprachen giebr. Träte nun Jemand mit der Forderung auf, daß, weil die menschliche Sprache doch nur eine sein könne, da sie doch immer nur Form des Denkens sei, die Verschiedenheit der Sprachen aufgehoben werden und eine allgemeine Sprache eingeführt werden müsse, so würde man einem solchen bedeuten, dass das Allgemeine, also hier die allgemeine Sprachfähigkeit, sich doch nur in einer bestimmten Form verwirklichen lasse, die eben ihrer Bestimmtheit «egen aufhöre, allgemeine Sprache zu sein. Noch augenscheinlicher ist die Nothwendigkeir verschiedener Formen für dasselbe Allgemeine in der Narur. Man zeige; uns doch den allgemeinen Baum, das allgemeine Thier u. s w. Ein alter griechischer Skeptiker etwiederkr, als man auf sein Begehrenman möge ihm O b st bringen, ihm Kirschen, Pflaumen und Melonen vorsehre, „das seien wol Kirschen, Pflaumen und Melonen, aber kein Obsi/> — So ist's auch mit der Freiheit im Staate. Der Staat macht als Schranke und Begrenzung in sich selbst die vollständige Verwirklichung der allgemeinen Freiheit unmöglich, denn er ist nur die Form, in weicher sich das Prinzip der Freiheit