Mannheim
Compact Memory

Der treue Zionswächter · 1847-01-05 · 1 (5.1.1847) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der treue Zionswächter
Volume
3 (1847)
Issue
1 (5.1.1847)
Date
1847-01-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2625941-2626146-2626148--0761-2628322
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6 ZcitNNgsrmchrrchteN. Nhembayern. Landau. Anliegend erhalten Sie No. 140 und 141 der Pfälzischen Blätter, welche eine schaudervolle, vor den Assisen zu Zweibrückcn verhandelte Mordthat umständlich berichten, ein Scitenstück zur Damaskus-Ge chichte. Nach unserer Anstedt sollen solche Fakta möglichst verbreitet werden, um eines Tdeils zu zeigen:;c" tzöi andern Tdeils möge dadurch die alles israelitische und menschliche Gefühl empörende Beschuldigung deS finstern Mittelalters verschwinden. Gönnen Sic deshalb dieser Verhandlung gütige Aufnahme in Ihrem vielverbreitctcn Blatte, und genehmigen Sie die Versicherung unbegränzter Hochachtung. Sitzungen der Assisen zu Landau vom 17. u. 18. November. wieder vergossen werden.« Auf der Bank der Angeklagten sitzt, in einfachem ländlichem Anzuge, ein Knabe von noch nicht 16 Jahren, mittlerer Größe, mit braunem Haare, grauen versteckten Augen, dessen Physiognomie und äußeres Wesen dem Beobachter nichts Besonderes darbieten, und doch liegt demselben ein so empörendes Verbrechen zur Last, wie wvl kein ähnliches in den Annalen der Criminaljustiz verzeichnet ist. Allgemeine Entrüstung war das vorherrschende Gefühl des Publikums bei Anhörung der durch Hrn. Staatsprokurator Damm ausgestellten Anklageakte, deren Hauptmomente wir unfern Lesern in Folgendem mittheilen: Sonntags, den 13. September v. I. vermißte der Nachtwächter Heinrich Lang zu Ensheim sein Töchterchen Barbara. Das Kind, ein munteres Mädchen von beinahe vier Jahren, war an jenem Tage des Morgens um 8 Uhr aus dem elterlichen Hause auf die Straße gegangen und gegen 10 Uhr, kurz vor dem Zusammenläuten in die Kirche, hatte es die Mutter noch in der Nähe des Hauses gesehen. Der Vater, aus der Kirche kommend, traf das Kind nicht, weshalb er von der Treppe aus nach demselben rief, ohne Antwort zu erhalten. Als es sich auch nicht zum Mittagessen einstellte, glaubten die Eltern, es könne sich zu einem ihrer Verwandten im Dorfe verlaufen haben. Des Nachmittags schickten sie, um ihr Kind zu suchen, zuerst dessen Geschwister aus, und nachdem man bis 4 Uhr vergeblich gewartet hatte, begab sich Lang selbst auf den Weg. Das Vermissen des Kindes hatte indessen Aufsehen im Dorfe erregt, und als die Eltern erfuhren, dasselbe sei des Vormittags, während des Gottesdienstes, bei einem seiner Gespielen in dem elterlichen Hause des Angeklagten gewesen, dachte Lang, es könne ibm vielleicht beim Spielen ein Unfall zugestoßen sein. Mit diesem Gedanken beschäftigt, faßte er die äußeren Umgebungen jenes Hauses in's Auge und erblickte bald im Gestrüppe einer hinter dem Stalle stehenden Hollunderstaude verschiedene Kleidungsstücke seines Kindes. Außer dem Hemde und einem Schürzchen waren die aufgcfundenen Kleider der Anzug, den das Kind am Morgen getragen hatte. Es kamen die Verwandten Lang's nebst vielen andern Einwohnern herbei. Sogleich zeigte sich ein fanatischer Wahn in Aeußerungen, als möchten Juden das Kind geraubt haben. Mehrere Anwesende bewaffneten sich mit Prügeln, um Gerechtigkeit auf eigene Faust zu üben! Der liebe Pöbel — in Damaskus wie in Ensheim immer derselbe — zeigte sich hier wieder in seiner ganzen Glorie. Die fromme Wuth der mehrere Jahrhunderte zu spät gebornen Eiferer, denen in Ermangelung hinreichender Belehrung, einiger gesunder Menschenverstand wol zu gönnen wäre, wurde jedoch plötzlich durch Entdeckungen beschwichtigt, die in ihrem Verlaufe ein eben so schauerliches wie unerhörtes Verbrechen enthüllten. Das Auffindcn der Kleider hatte näml'ch Nachsuchcn in der an den Stall gränzendcn Scheuer veranlaßt. A!S nun ein Oheim des vermißten Kindes, Namens Mathias Lang, das auf dem Barren befindliche Stroh durchsuchte, vernahm er ein seltsames jammerndes Schreien. Er rief das Kind mit seinem Namen : ..Babclchen", und aus der hintern Ecke des Barrens kam die Antwort: „Path, da bin ich!" Mathias Lang räumte von der Stelle, woher diese Antwort gekommen, das Stroh weg, wodurch cs gelang, das Kind aus seinem verborgenen Lager hervorzuholen. Dasselbe lag, augenscheinlich durch fremdes Zuthun, rücklings auf dem mit Stroh be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.