Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 37 (15.9.1846)
- Date
- 1846-09-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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auch im Leben der Völker sich wieder. Wie manches Heldenvolk schon hat das Glück: entnervt und verweichlicht , wie manches Volk seiner Biederkeit beraubt, und zur Untreue, zur List, zum Trug verleitet. Israel aber, vom Herrn bestimmt, in feiner großen Wanderung durch die Geschichte, -auch Perioden des Glanzes und Glücks zu durchlaufen in ihm sollte das Glück schon in seinem Ursprünge veredelt sein, auf daß es nie zum wuchernden Unkraut bei ihm werdet Und weil Äste ihrem Stamme, und Stämme ihren Wurzeln entkeimen, und weil demnach die Natur der Wurzeln in den Stamm und von da in leinen Ästen sich fort/etzt, darum ließ der Herr Israels Glück in seinem Stammvater Abraham schon keimen, damit es von da aus schon in veredelter Gestalt auftrete, und sich entwickele. Zm Glück, ruft der Herr Israel zu, schauet auf den Felsen aus dem Ihr gehauen, schauet auf Euren Stammvater, den ich seiner Frömmigkeit willen ausgezeichnet, gesegnet und vermehrt. Und ss wie er sein Glück nur zur eigenen Befeligung und Beglückung Anderer verwendet, so dürft auch Ihr im Glücke nicht übermüthig, nicht versinnlicht werden. Ebensowenig aber auch darf hereinbrechendes Unglück Euch zur Verzweiflung Hinreißen. Es wird dem Erdensohne ofr so schwer, in sich und durch sich selbst das Gleichgewicht in den verschiedenen Lebenszuständen zu halten. Er taumelt im Unglücke, wie im Glücke. Hier ist es der Rausch der Freude, der seine Sinne umnebelt, und hier der Schmerz deS Kummers, der seine Anschauungen umflort. In beiden Zuständen bedarf er eines Halts, sich zu stützen; und besonders im Unglücke muß oft die ganze Macht der Erfahrungen und Überzeugungen aufgeboten werden, um die dunkle Färbung zu entfernen, in welcher dem leidenden Unglücklichen alle Gegenstände des äußeren Lebens erscheinen. Jede Freude ist ihm zuwider, jede Fröhlichkeit ist ihm Pein; jeder Genuß schmeckt ihm bitter jede Aussicht ist für ihn schwarz umhüllt. Er lebt nur sich und seinem Schmerze, ist taub gegen alle äußeren Anklänge, ist blind für die freundlichsten Erscheinungen des Lebens. Ein solcher Zustand aber entmenscht den Sterblichen in demselben Grade, in dem sinnlicher^ Lebensgenuß tck ^Ueberm aaste gerwsftn-^'ihk ^Mr' Lhlere ' kerÄwüMgk. Der Mensch ist Weber für übermäßic;? Kreude, noch für übermäßigem Kummer gebikvet.'' ^n beiden Zuständen schwindet -sein besseres Bewußtsein, in beiden Zuständen geht sein edles Ich/Dine Selbstständigkeit verloren.' Und auch hW 'wieder gilt es vom Volke: was vom Einzelnen gilL? Unglück darf rin Volk sticht beugen. Unglück ^darf es des Bewußtseins seines Werthes, seiner 'Kraft nicht berauben. Für Israel auch sollte das Unglück nicht entnervend werden. Es sollte für dasselbe vielmehr eine Schule sein, feinen Gkaaben zu kräftigen, feinen Gehorsam zu erproben.' Und darum mußte und konnte es auch hier aussseinen Wurzeln Nahrung schöpfen, und findet solche in reichlichem Mäaße. Welches schwere Unglück brach oft »h.-r die Häupter seiner frommen Stammväter herein, und auch Abraham, der Gesegnetste der Urväter, auch ihm blieb diese Schule des Unglücks niä-.c fremd. Ja, mehr als die erste Hälfte seines Lebens war fast nur dem Gram und Kummer geweibl. indem er sich kinderlos wußte; wähnte, daß mit ihm der heilige Glaube, der ihn erleuchtet, wurde zu Grabe gehn, daß die Fackel der Gotteserkenntniß, die er für die Weltbewohner angczündct, mir seinem Tode erlöschen würde. Aber er wankte weder im Unglück noch im Glück, hing vietmebr mit ganzlwSeele und frommer Hoffnung an seinem Himmelsvater, den er erkannt, bei allen Begegnissen seines Lebens, bis im Alter noch der Herr ibn segnete und vermehrte. So blicke denn, Israel, stets auf diesen Felsen hin, ans dem Du gehauen bist, und lerne von ihm Unglück ertragen, lerne von ihm , nie der Macht des Kummers und der Leiden zu erliegen. Und wozu ist wol das Leberr des frommen Stammvaters geeigneter noch, als den Tugendhaften in seinen frommen Entschlüssen zu befestigen? Die Anforderungen, die Glaube und Tugend an den Sterblichen machen, welche besonders bei dem Israeliten über Vas ganze äflßere und innere Leben über Handlung und Gedanken sich erstrecken, sind