Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 32 (11.8.1846)
- Date
- 1846-08-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2625941-2626092-2626125--0566-2628106- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-rM 275 M« wohin wird dies uns noch führeü, wenn uns nickt Hülfe schnelle Hülfe von außen wird; denn noch ist der Winter nicht vorüber, noch die Erndtezeit nicht gekommen, und es ist nicht abzusehen, wie sebr die Preise der Lebensmittel noch steigen werden; aber wahrlich! wir sind zu schwach, unsere Kräfte nicht hinreichend diesem ungeheuren Unglück zu steuern, ja es auch nur zu lindctn, denn schwer lasten unsere alten Schulden, von denen wir große Zinsen bezahlen müssen, auf uns, unsere Mittel sind auch in gewöhnlichen Jahren, wie Ihr wisset, s hr gering, um wie viel mehr in diesem Jahre der Hungcrsnoth; unsere Boten können wir bei der allgemeinen Bedrängniß unmöglich aussenden, um im Jnlande Geld zu sammeln, und auch nach dem Auslande können wir nach der eingegangcnen Bestimmung Niemand absenden. Unsere Blicke sind daher auf unsere Bruder im Auslande gerichtet, von diesen erwarten wir kräftige Unterstützung, Linderung unseres Trüösal's, Hülfe in unserer Norh; und gewiß, Niemand wird sich weigern, zu diesem Werke der Barmherzigkeit nach Kräften bcizntragen, Niemand wird sein Ohr unfern Bitten verschließen, wenn er erfährt wie täglich das Geschrei der Wittwen und Waisen und unserer armen Brüder, die vor Hunger beinah umkommen, zu unfern Ohren dringt und wir ihnen nicht helfen können. Da es uns aber, wie schon gesagt, nicht erlaubt ist. einen Boten in's Ausland zu senden, um Geldbeiträge zu sammeln, so wenden wir uns zunächst au Euch, geehrte Brüder, die Ihr schon so viel für uns gethan, deren Mildthätigkeit und Aufopferung für unsere Brüder im heil. Lande weltbekannt sind, mit der Bitte, auch in dieser Noth uns nicht zu verlassen, sondern zur Linderung unserer Noth Euer Möglichstes beizutragen, indem Ihr nämlich eine außerordentliche Kollerte veranstalten möget, für daS zu erzielende Geld Nahrungsmittel einzukaufen, um eine große Anzahl unserer leidenden Brüder zu erhalten. — Wir leben in der festen Ueberzeugung, daß Ihr unsere Bitten nicht unberücksichtigt lassen werdet, und daß Euer, für unser heiliges Land nie erkaltender Eifer mit dem besten Erfolge gekrönt werden wird; möge der Allgütige Euchnach Eurem Verdienste belohnen,EuchEurer Thaten Lohn ernten,und das Füllhorn seiner Gnade über Euch ausströmen lassen u. s. w.— Zn ähnlichen Worreü sich drücken die Rabbinen und Vorsteher der portugiesischen und deutschen Gemeinde in der heil. Stadt i'ri aus. Die Rabbinen der ersteren machsn noch die Bemerkuüg, daß ein Maaß Waizen, das im verflossenen Jahre 1gekostet in diesem bis zü dem enormen Preise von 20 gestiegen ist. ' ' Wir haben Euch'' hietimtgeklebte Brüder, kürze Auszüge aus den uns aus dem heil. Lande zugeschickten Briefen, welche alle ob der großendort herrschenden Thenrung in Wehklagen ausbrechen, mitgetheilt; — auch andere uns von dorr zngekommene Briefe sprechen sich auf dieselbe Weise darüber aus, wir glauben jedoch durch obige Briefe das dort durch das Steigen der Preise der Lebensmittel verursachte, drückende Elend zur Genüge dargethan zu haben. Da es sich nun wirklich, wie obige Rabbinen schreiben, verhalt, daß nämlich früher bei jedem eingetretenen außerordentlichen Fall sogleich Boten in s Ausland geschickt würden, um außerordentliche Gaben einzusammeln und jenem Uebel abzuhelfen, was bei eingctretener Hungersnot!) gewiß geschehen wäre, jetzt die Übereinkunft aber getroffen wurde, keinen Boten mehr zu senden, aus dem heil. Lande nach nnscrm Lande, und den Ländern, die sich mit uns vereinigt, und das für die Armen im Herl. Lande gesammelte Geld durch unsere Vermittlung dorthin zu senden, so ist cs uns heilige Pflicht, ihre Stelle zu vertreten, und für das gesammte heilige Land Beiträge außer den gewöhnlichen zu erbitten, um die Armen in der Hungersnot!) zu unterstützen, ihnen Brod zu reichen und die sie niederdrückenden Schulden zu bezahlen. — Zwar müssen wir zu unserer eigenen Betrübniß es gestehen, daß wir sogar bei Erhebung der gewöhnlichen, seit vielen Jahren von Jedermann als fest auf sich genommenen Gaben auf viele Hindernisse stoßen, weil leider viele von dem Wahne befangen sind, sie hätten weder Antheil an unserm heil. Lande, noch an dem Verdienste unserer, dort mit der Thora und dem Gottesdienste sich beschäftigenden Brüder, und daher sprechen, ein Jeder solle seine Spenden den Armen seiner Stadt vertheilen; — um wie viel mehr in diesem Jahre, wo sogar in unser» Ländern große Thenrung herrscht, wenn wir jetzt neue Gaben verlangen