Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 30 (28.7.1846)
- Date
- 1846-07-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Pädagogische Aphorismen mitgetheilt von U. * * * Erster Brief. Lieber Freund! Wie der Wanderer sich freuet, wenn in der Wüste er eme Oase gefunden, wenn er einen Quell gewährt in» heißen Sreppenlande, so erfreuten mich Dt ine Worte, so angenehm überraschte mich Dein Schreiben, nachdem ich so lange Nichts von Deinen Verhältnissen, Deinen Beschäftigungen und Deiner Lebensweise vernommen. Wohl denken kannst Du Dir, lieber Schimeon, sehr oft las ich Dein Schreiben durch, und »mmer wieder; denn theuer ist mir Alles von einem wahren Freunde, wie Du. Jeder Gedanke in Deinem Briefe, erhellet meinen Geist, erfreuet mein Gemürh, zumal da Du aus dem heiligen Boden, unserer wahren ehrwürdigen Religion Dich bewegst; verderblicher Irrwahn, Irreligiosität, Unglaube Dich nicht berhüret, sondern den Satzungen unserer alten Rabbinen mir wahrem Eifer Du huldigest, ihre geistige Uederlegenheir anerkennest , ihre weisen Anordnungen, aus höherer Eingebung. erlassen, preisest. Eine leider! so seltene Erscheinung unsrer Zeit! Was Deinen Characcer ferner so sckön bezeichnet, in einem herrlichen Lichte hervorrreren läßt: Erquickende Worte, eine wahre Sprache der Innigkeit, der Herzlichkeit befindet sich in Deinem an mich gerichteten Schreiben, eine Hingebung, eine Freundcsliebe, daß man es nicht verkennen kann, daß man es fühlet, wie der Freund zum Freunde spricht, wie Alles vom Herzen kommet, 2'821'i 2'i2l 2rr Q'2-^ 2).-.;-2. Unwillkürlich erinnerte ich mich hierbei an unsere schön verlebte Jugendzeit; wenn der Morgen sanft sich erhob in lieblichem Pmpur in östlicher Ferne, daS zahllose Sternenheer erblaßte, und die Sonne. die lichtbringende Tageskäniginn erschien. da saßen wir zusammen in traulichem Gespräche, uns unterhaltend und beschäftigend mir der Lehre Gocres, gegeben durch Moses am Sinai, womit den ganzen Tag wir uns fast beschäftigten, nur wenig Muße uns gönnten zur Verreibung anderer wissenschaftlichen Studien und Discipinen? Und wenn dann das müde Licht des Tages zur Ruhe sich neigte, die Abendkühle des Tages Hitze vergessen ließ, und der stille Mond heraufstieg, in seinem S Überglänze bescheiden die Erde beleuchtend, da forschten wir wieder ,n der heiligen mündlichen Lehre in Freude erfüllend das Gebor 2121*12 So in vereintem Betrieb Unserer Studien, so Bahn der Jugend nur himmlische, nur reine Wünsche hegend für unser, für der Menschheit Wohl, Glück und Ruhe. Da war keine Heuchelei, keine Schmeichelei, keine Verstellung , keine Werkheiligkeir. kein Schein, offen errönre das Wort von Deinem Munde, Klarheit war in Deinen Ausdrücken, Gvadheit in Deinen Handlungen, Aufrichtigkeit und Religiösirät offenbartest Du im Leben, wie auch heute noch- Wie seiten sinder man jetzt ferner bei Andern solche Gefühl., solche Gesinnungen!? gleich Du das ralmudische Princip anerkennest nnd streng beachtet wissen willst, 1122'2 21.^ 27'"7 '">2.1 72'; ich konnte mich dieser Empfindungen mehr erwehren, ',12L'7 Vergeben mögest Du Mir ferner, daß »ch Dir.nicht schon längst aeschrieben, »vozn di? Pflicht dev Freundschaft mich zum Wenigsten doch hätte aüffordern sotten, daß ich Dir nicht vor Mehreren Monaren schon Nachri-chr schäfciaungen, Bemühungen mannichfächer Act. Wie Du selbst weißt schon von Deinem Beruft, der so viel Thärigkeir, Fleiß nnd Rührigkeit in Anspruch nimmt, so erheischt das Leben jetzt viel. Mächtig krirr setzt an den Menschen, der ein gewisses Ziel zu erreichen bestrebt ist, die Pflicht heran, seinen Beruf in allen seinen Beziehungen zu ergreifen, die Anforderungen sind groß, und vor dem Bewerben um ein Amr bedenkt der Gewissenhafte wohl, ob er die Bedürfnisse befriedigen, den Wünschen entsprechen kann, ob er vollständig erfasset seine Pflichten. Dann erst kann man gehörig wirken, seine Zukunft sichern, guten Samen ausstreuen, der zu gedeihlicher Frucht emporschießr. In unsrer Zeit sind solche Bedingungen von höchster Nothwendigkeit bei Uebernahme eines jüdischen Lehramtes und mit Recht. Denn nur wer eingedrungen in die Tiefen der ganzen jüdischen Wissekfchafk, berraur und ausgerüstet mir den für die Jehzeik. erforderlichen Kenntnissen, nur ein solcher' kann im'Beruft des