Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 25 (23.6.1846)
- Date
- 1846-06-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Kost bleibt, der hiedurch für den Vortrag wie für den Vortragenden und zuletzt auch für den vorgetragenen Glauben alles Interesse verliert, und i n differeut wird. Lassen wir all die kleinlichen, niedrigen und egoistischen Rücksichten in so hochheiliger Sache fahren und halten nur unsere heilige Pflicht in stetem Augemcrk, so wird es auch an erfreulichen segensreichen Erfolg nicht fehlen. Zweitens muß man des Feindes Waffen kennen und wo möglich sich derselben bedienen. Unserer Gegner vorzüglichste Waffen sind: Predigt, Jugendunterricht und gegenseitige Unterstützung. Obenan steht aber unstreitig die Presse, sie ist die breite Heerstraße, auf der die Aufklärungspriestcr aus allen Enden der Welt sich begegnen und die Hand zum allgemeinen Umsturz bieten, vermittelst ihr wird jede fern ausgcdachte und zierlich ausgeschmückte Schöngeisterei tausenden Ohren gepredigt, jede Schulklopper Abschaffung als eine heilbringende Folge ihrer allein seligmachenden Reformbestrebungen ausposaunt, jede in ihren Fußtappen zu gehen beginnende Dorfgemeinde mit Lobhudeleien gen Himmel gehoben, alles was noch dem Väterglauben angehört mit unverschämtem Spotte heruntergerisseu. Jedes von einem frommen Rabbi gesprochene Wort wird hier entstellt, der Ocffentlichkeit Preis gegeben, damit das Publicum sich darüber moquire. Was alles seine bedeutende Wirkung hat, denn der literarische Einfluß ist bei unserer Lesesüchtigen Zeit ein gar wichtiger, besonders durch Tagesblätter. Zum Lesen eines Buches, noch dazu theologischen Inhalts haben wenige Lust, aber ein Zeitungsblatt liest jeder, und so wird der schlechte Saamcn weit und breit ausgesaet. Wolan so wollen auch wir uns dieser Waffe, die uns der treue Zionswächter bietet, wenn wol ehrlicher und redlicher wie unsere Gegner, bedienen. In diesem Blatte sollen sich alle Glaubenstreue aus den entferntesten Zonen begegnen, und die Hand zur Wahrung des Bestehenden bieten- Hier werde jeder für's orthodoxe Judenthum erspriesliche Gedanke tausenden Ohren gepredigt, jeder echtjüdischen Handlung gebührendes Lob gespendet, das Truggewebe der Aufllärungsmänner nach allen Seiten hin beleuchtet, sie in jeder Beziehung entlarvt und der öffentlichen Verachtung Preis gegeben, und so den mächtigen Einfluß der Presse zum Nutzen nnd Frommen der echten Religiösität nach allen Seiten hin benutzt. Dann sollten aber auch Rabbiner und Vorsteher der Verbreitung antijüdischer Blätter in ihren Gemeinden kräftig entgcgenwirken. Dem ernsten energischen Willen stehen immer Mittel zu Gebote. Halten wir keine Mühe dem heiligen Zwecke geopfert für erfolglos, thun wir nur immer das Unserige, der göttliche Segen bleibt dann gewiß nicht aus. ZeitsMAsNschrichteN. Preußen. Sir M. Moutefiores Anwesenheit über die Schwuetfestage Ln Berlin Berlin, 14. Juni Schon lange hat nicht Berlin einen solchen Festtag gefeiert, als den jüngst verflossenen Schwurt, wo wir das Glück harren Sir Moses Monrefiore in unsern Mauern, in den Mauern unseres Gotteshauses zu haben. Es war ein Festrag der wiederum Himmel und Erde gleichsam verkettete, wo gebet zum Himmel vereinigte. Wie diese Bewunderung für Sir Moses, diese Ehrfurcht sich überall kund gab, wie die Berliner-Gemeinde wetteiferte den kleinen ße unsere Zeitungen und Zeitschriften zu verbreiten gesucht. Allein mir so großer Hast und Bereitwilligkeit sich diese Organe dieser Heraurs bemächtigten, wie verschiedenartig seine Bilder und' Ausschmückungen an den Tag gelegtwurden — so scheint es doch keines derselben der Mühe werrh gehalten zu haben tiefer in die Erscheinung unseres Glaubenehelden, öder besser, tiefer in seine religiöse Beziehung zur Jetztzeit des Judenthums einzudringen, nur einige schlichte Worte diesem Gegenstände geweiht, wird mein Leser, so hoffe ich, nicht ungern von mir hinnehmen. — Abstrahirt von dem Gedanken einer göttlichen Bestimmung, abstrahirt von dem Gedanken, den unser Glaube bedingt, kann ick es mir nur nicht versagen: daß Sir Moses forthin zur Jetztzeit, eine ganz besondere Fügung und Bestimmung des Gottes Judas, der Beschützer des Judenthums sei, und frei und offen will