Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 23 (9.6.1846)
- Date
- 1846-06-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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rechten. Wahrlich eS ist ein bencidenswercher Schrecken, der sich auf die Kunde des HinscheidenS dieses Glaubenshelden, der Herzen aller Israeliten dieser Umgegend bemächtigte; denn eS war der Schrecken braver treuliebender Kinder ob deS Verlustes ihres vielgeliebten Erziehers und Vaters. Der Dahingeschiedene war nach seiner eigenen Angabe inr Jahre 1761 von armen Eltern zu Metz geboren und hatte seinen seligen Vater Jakob, aus der berühmten Familie Rothenburg, in frühester Zugend schon verloren. Seine selige Mutter ließ ihn mir Aufbietung ihrer geringen Mittel, nach damaligem frommen Bedürfnisse in Bibel und Talmud unterrichten. Von seinem 16rcn Lebensjahre an erlangte derselbe durch Unterricht und Vorlesen bei dem großen Rabbiner Arjeh Löb zu Metz eine so bedeutende Belesenheit im Talmud, daß diese in Verbindung mit seinem ausgezeichneten Gedächtnisse den Grund zu der Größe in seinem Fache legte, die er später erlangt harte und die bis über die Grenzen Deutschlands »uhmvollst anerkannt ist. Zn seinem Listen Lebensjahre Hane er sich nach Fürrh begeben, wo er 15 Zahre lang ununterbrochen, bei ausgezeichneten geistigen Anlagen, mit unglaublichem Fleiße das Studium der ralmudischen und rabbinischen Schriften, der hebräischen Sprache und Literatur, natürlich mir dem besten Erfolge betrieb. Zm Winter 1795 zum hiesigen Rabbiner berufen, trat er im Frühjahr 1796, nachdem er sich mit der Wittwe seines Vorgängers, des seligen Rabbiners Hirsch Delcm verehlicht und daran zwei Töchter aus erster Ehe als die seinigen übernommen, seinen Dienst dahier an, woselbst er nun fast ein halbes Jahrhundert segensreich gewirkt hat- Sein Wirken während, dieser Zeit, im Amte nicht bloß, sondern auch sein ganzes Leben war von dem wahrhaften, lebendigen und historisch - entwickelnden Offenbarungsglauben durchweht und getragen, und er war wiederum e-n selbstbewußter, unerschütterlicher Träger desselben. So strenge er sich einerseits an das Ceremonialgeseh hielt, so geistig hatte er aber auch anderseits dasselbe aufgefaßt, und mit erleuchtetem, geweihtem Blicke, mit der ganzen Natureinfalr eines Kindes, war er helmisch in der Tiefe des menschlichen Herzens, wo die Religion ihr Heiligthum har. Seine jüdischtheologische Gelehrsamkeit war ungewöhnlich groß; denn nicht nur die ganze Bibel, sowie jedes einzelne Wort darin, waren seinem Gedächtnisse und seinem Herzen unvergeßlich eingeprägt, weswegen auch sein hebräischer Styl ausgezeichnet klassisch war, sondern in gleichem Maße war auch der ganze bändereiche Talmud, die Midraschin (erbauliche Exegesen und Homilin) und die zahllosen Bücher rabbiniscker Gelehrsamkeit seines Geistes Eigenthum. Seine Verträge, besonders in seinen lehren 30 Dienstjahren, waren mehr moralischer Tendenz, lebhaft, geistreich und meistens von der Bibel ausgehend u>.d zu ihr zurückket-rend. seine Ermahnungen in gleichsam patriarchalischem Tone gehalten, kräftig, scharf und stark. Zm geselligen Verkehre war er, so lange er nickt von körperlichen Leiden so häufig heimgesucht war, äußerst unterhaltend und liebreich, stets Friede suchend und stiftend, außerordentlich ansprucklos und demürhig wie Wenige; wie dies namentlich auch aus der iS rabsckrifr zu entnehmen ist, die er schon vor 22 Zähren sich eigenhändig ausgezeichnet hatte. Gleichwohl konnte es ihm nicht entgangen sein, daß die seiner geistigen Obhur Empfohlenen, wie alle die in freundschaftlicher Beziehung zu ihm standen, ihn nicht blos in nicht gewöhnlichem Maße hochachreten und verehrten, sondern sich mit freudiger Unterwerfung und unbedingter Liede ganz sich ihm hingegeben harren. Was er von zeitlichen Gütern zu erwerben strebte, enkel besorgt: Sie waren wohl nicht sein Fieisch und Vlur, aber sie waren sein Herz, das Centrum seiner Erdenwünsche. Darum har auch natürlich sein Hinscheiden wie ein Donner betrübend und erschütternd das Herz seiner um ihn trauernden Enkel getroffen; denn ihr liebevollster Vater, ihr eifrigster Beschützer und Versorger steht ihnen nicht mehr zur Seite. Doch sie stehen nicht allein mit ihrer Trauer — viele Hunderte die ihn ebenfalls wie ein Vater verehrten und liebten, kheilen ihren Schmerz. . Davon gab die am Freitag den 24. d. Monats stattgchabte Beerdigung des theuern Dahingeschiedenen traf an jenem Tage schon Frühe eine bedeutende mit jeder Stunde sich mehrende Mcnschenmasse hier ein, um dem edcln Frommen die letzte Ehre zu erweisen. Vor Abgang des Leichenzuges sprachen im Sterbe- Hause Herr Rabbiner Stadecker von Merchingen, Herr Rabbiner Hirsch von Derlichingen, sowie der