Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 22 (2.6.1846)
- Date
- 1846-06-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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kür schalten laßt. Sehen wir nickt jeden Tag Gottes Wort, die Bibel, so einheitlich und gerade in dem Munde der von Selbstsucht freien Gottesfurcht von Laune und Eigennutz ausgcbcurer, wie sollte man Anstand nehmen, dem Worte eines Menschen eine unfern Neigungen weniger widersprechende Deutung zu geben? Eben so thöricht und unheilbringend ist die in unserer Zeit hier und da aufgetauchte, in dem Philanthrop,smuS sogar stereotyp gewordene Ansicht: der Lehrer sei weniger um Beförderung der konfessionellen Religion, als um Unterweisung in den Wissenschaften da, ja habe Erstere selbst nur insofern in seinen Kreis zu ziehen, als sie ein Gegenstand des Wissens ist. aus welcher Auffassung sich nun schon naturgemäß ergebe, daß er bei seinem Unterrichte in derselben von einer Besonderheit abzusehen, und nur auf das allgemein Wahre sein Augenmerk zu richten habe. (Und wirklich enthalten die meisten unserer modernen NeligionSbücher kaum mehr als dieses ) Die Religion als bloße Wissenschaft lehren, ohne Wirkung auf Herz und Gemürh, ohne Willensanregung, ist aber der größte Verrath an unserm heiligen Vermächtnisse, der Tora, a» unserer Zugend, die um ihre dies- und jenseitige Glückseligkeit gebracht, und an der Gemeinde, die um ihre Angehörigen betrogen wird. Die nun solche Grundsätze der Passivität oder Neutralität aufstellen, entziehen dem Lehrer alle Selbstständigkeit, würdigen ihn zu einem Automaten, einer Maschine herab, deren man sich zur Erreichung von Selbstzwecken bedient; zu welchem traurigen Ziele es kommen muß. gleichviel, ob man bewußt oder unbewußt darauf losstcuerr. Aus diese Weise ist auch das Problem rücksichklich der Stellung des Rabbinen zu dem mir ihm an verschiedenen Religivnsbegriffen festhaltenden Lehrer ohne Schwierigkeit gelöst, obgleich dieS Lösen nichts anders, als ein Zerhauen des gordischen Knotens, und erkauft ist mir dem Verluste der Gewissensfreiheit und des Charakters des Lehrers auf der einen, und deS geistigen Todes seiner Jugend auf der andern Seite. Derjenige Lehrer nun, welcher seine Aufgabe in ihrem ganzen Umfange zu würdigen weiß, der in das Äufgehen seines Charakters nimmer willigen kann, ohne sich selbst zu verachten, welcher den Much hat, seine Religionsmcinung zu vertreten, und sie in das Gemüth der ihm anverrramen Zugend frei von allen Zugaben des frivolen Zeitgeistes und mir Fernhaltnng aller hierarchischen Anmaßungen, zu pflanzen — Derjenige nun, sage ich, welcher die Heiligkeit seines Berufes, worüber er Gorr Rechenschaft schuldig ist, über alles setzt, kann in der That nur mit Zittern und Bangigkeit an die Besetzung eines Rabdinerstuhls denken, bevor er nämlich weiß, welche Würfel das Schicksal aus dem verborgenen Schacht der Zukunft hervorschiebk- Welche verschiedenartige Gedanken müssen ihn nicht in Bewegung sehen! Wird der Rabbiner der orthodoxen oder neologischen Richtung angehören? Wird er, in letzterm Falle, Billigkeit und Selbstüberwindung genug besitzen, um einen Mann ruhig und ungestört in seinen ihm lieb gewordenen, mit ihm verwachsenen Prinzipien fortwirken zu lassen, oder begehrt er den Frieden und das Glück einer ganzen Familie dadurch zu untergraben, daß er seinen Tendenzen durchaus Eingang verschafft? Za, diese in ihrer Geburt bloß idealen werden sich zu wirklichen Besorgnissen in einem hohen Grade steigern wenn bei einem Rabbinerwechsel der Abgcgangene nur dem Nachfolger in einem diametralen Widerspruche hinsichtlich ihrer Auffassung des gegenwärtig in so mannichfache Formen gegossenen Zudenthums stehr, wenn der Neolog auf den Orthodoxen folgt. So wie nun das Streben des Letzter» dahin ging, die Lehrer und Schulen überall für die Orthodoxie empfänglich zu machen, mit den geeignetsten Waffen und Vorkehrungen den Irrlehren den Vorsprung abgewinnend, so wird nun der Erstere darauf bedacht sein, die Dämme wieder abzukragen, welche sein Vorgänger aufgeschichrer» das Bollwerk zu zerstören, womit sie vertheidigt, und den Grund zu unrerminiren, worauf gebaut wurde, um ein ganz neues, dem frühem unähnliches Gebäude zu versuchen. (Beschluß folgt.) —--SSHKSS— „Reines Judenthum" Von A. in W. „NeineS Zudenrhum" ist heut zu Tag die Parole, und obgleich Diejenigen, die im Besitze desselben sen, möchten, nur eine nebelige Vorstellung von diesem Begriffe haben, so verbinden doch die Erfinder mir diesem Ansdrucke eine ganz bestimmte Vorstellung. Die Avostel des „reinen Zudenthums^. sowohl die beiden R-V., als deren Geistesverwandte , geben dir d«e richtige Definition dieses so erbadenen Begriffes Zu deinem Nutz und Frommen will dich es ein Apostel