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Der treue Zionswächter · 1846-06-02 · 22 (2.6.1846) · page 3

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
22 (2.6.1846)
Date
1846-06-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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187 Frage auf, wen wir eigentlich streng genommen als Nichtjuden erklären, behandeln sollen, und wen als Juden? Wem wir das ehrende Prädikat „orthodox" beilegen sollen, und wem nicht? — Bekanntlich sind nicht alle Rabbinen darin einstimmig, was alles zur eigentlichen Orthodorie gehört. Der Eine glaubt, der sei kein streng Rechtgläubiger, der sich auch mit außertalmudischen Studien beschäftigt. Ein Anderer erlaubt dies zwar, verbietet aber die fremden Sprachen, besonders Latein, und die profanen Wissenschaften, besonders Philosophie, wozu ihm wohl unsere Reformheroen ein Recht geben, da sie durch ihre allzuhelle Aufklärung alles blenden, und durch allzugroßes philosophisches Lichtverbreiren alles in Brand stecken. Dem gegenüber hält sich wieder ein Anderer trotz seiner philosophisch-wissenschaftlichen Bildung noch für streng orthodox, weil er die jüdischen Dogmen treu im Herzen bewahrt, und das mosaische wie talmudische Zeremoniell genau beobachtet. Mancher hat sich auch von Letzterem theilweise dispensirt und will doch rechtgläubig sein, und so geht dies stufenweis abwärts in unzählige Nüance». Wollte man demnach bei so beschaffener Sachlage den Satz allgemein hinstellen: wer seinen Nachbar für nichtorthodor hält, der hält ihn auch legal für Nichtjude, zu was würde das führen? Es muß daher ein anderes , weniger durch den Gebrauch zweideutig gemachtes Wort gewählt werden, das den Begriff, den man damit bezeichnen will, sicher ohne mögliche Nebendeutelei ansdrückt, und welches dann den Kämpfern für den wahren alten jüdischen Glauben zur Parole dienen könnte Nach meinem Dafürhalte» wäre hierzu am geeignetsten daS Wort: Talmudist. Wir Orthodoxen glauben einmal, daß Gott die mündliche Tora so gut, wie die schriftliche, Moscheen geoffenbart, daß beide zusammen nur Eine Tora sind jede allein nur ein Theil des Ganzen ist, der ohne den andern nur Bruchstück bleibt; ja wir halten uns überzeugt, daß der eine Theil 2^220 gar nicht zur Praxis sich eignen würde ohne den andern SP2L', und daß dieser in jenem durchaus nothwendig bedingt ist. Diese Ansicht zu motiviren, ist hier der Platz nicht; genug, wir im Väterglauben Verharrenden glauben nur nach den in .^17» enthaltenen Erklärungen, Auslegungen, Satzungen, Vorschriften und Verordnungen als wahre Juden und im Sinne der leben zu können. Und da unsers Dafürhaltens die ganze mündliche Ueberlieferung in den Talmuden uns aufbewahrt wurde, so sind wir im eigentlichsten Sinne des Wortes Talmudisten. (Beschluß folgt.) Die heutige Stellung -es Lehrers zum Rabbinen. Vom Lehrer S. (Fortsetzung.) Daß solche Erscheinungen von den bedauerlichsten Folgen für Gemeindcieben und das Religionswesen selbst sink», rst nichr schwer zu begreifen. Wir brauchen bloß den Fall in Betracht,«ng zu ziehen, in welchem der Eine in seiner Schule unsere Glaubenslehren übereinstimmend mit Tora und Tradition in dieser Stunde entwickele, und der Andere in der darauf folgenden oder bei seinen gottesdienstlichen Vorträgen den Kindern und den Erwachsenen einzuschärfen sich bemüht, daß man die Freiherr habe, daS Gesetz nach Gutdünken zu interpreriren und nach Zeit und Bedürfniß zu accomodiren, um das ganze Gewicht solcher Mißverhältnisse zu fühlen. Woran sollen sich nun die Unmündigen halten? Was für Wahrheit nehmen? Wonach sich richten? Bei einer derartigen Seelrnjagd und disharmonischen Lehrweise muß norhwendig daS Ansehen der ReligionSverkünder bis auf Verachtung sinken, kann sich unmöglich ein gesunder Religionskern erzeugen, können für Israel keine kräftige Stützen und Streiter erwachsen, müssen vielmehr JndifferentiSmus und Skepticismus ihr unheilbringendes Haupt erheben, mit ihrem Gifte das Siechthum in den Glaubenskörper deS JudenrhumS kragend. Sage man nicht, der Rabbiner weiß sich dieser Unbequemlichkeit durch Einführung von Religionsbüchern zu erwehren, die ganz daS Gepräge seiner Denkart zur Schau stellen, und in die Jugendherzen sein Abbild unverwüstlich drücken. Die Religionsbücher an und für sich besitzen diese Wundergabe keineswegs, sie sind, wie alles Geschriebene, tvdte Buchstaben, denen erst durch den Odem deS Lehrenden der Geist eiygehaucht wird, und über welche sich also nach Witt-

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