Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 21 (26.5.1846)
- Date
- 1846-05-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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delewoS kann wirklich lange ein talmudisches Gespräch mir anhören und am Ende meinen, er habe da englisch sprechen gehört. Welche Beurrheilung über eine Jeschiwe läßt sich von solchen superklugen. Charlatans anders erwarten? Der Handelewos meint nämlich, Novellen schreiben und Religion besprechen gehe auf Eins hinaus; man braucht nur eine tüchtige deutsche Feder, Stoff und Materialien liegen ja in Massen auf der Bude ausgestreut. „Greift nur zu ins bunte Gewühl des Judenlebens!" ruft der Hauprmann seinem Haufen zu; ob aber übrigens seine Einsender mit dem Talmud ja oder nicht vertraut sind, kümmert ihn wenig, thur nichts — o, in dem Getöse existiren gar viele Köpfe, die ein paar hundert Romane vurchgewinselt und deren Busen von deutscher Leklüre so voll ist, daß sie lange, lange seinen Pinkel damit anfüüen können. Wer aber das Vorzügliche, das Edle dieses hockw- Herrn Oberrabbinen in humaner Hinsicht kennen will, muß erst dessen halbjährige Einleitungen zu den ralmudischen Vorlesungen, welche in Gegenwart der versammelten Jeschiwe bloß in der Schierstube gehalten werden, hören. Wie der Rabb. dem Docker da seine weltliche Richtung verzeichnet, ihm Lcbensregeln an die Hand giebt, die einem jungen Manne mehr nützen als schaden können; wie er ihn da wechselseitig moralisirt, daß er nämlich wahrhaft fromm und religiös, dies aber mehr insgeheim, als vor der Welt sei, darin steht er wahrhaft groß und erhaben da. Die heutige Stellung des Lehrers zum Nabbr'nen. Vom Lehrer S. Seitdem die Grundfesten, worauf das Gebäude getreten, und an deren Stelle die subjektiven Ansichten gesetzt werden, ist alles in Frage gestellt, sind alle früher» Ordnungen gewaltsam von einander gerissen, alle heiligen Verhältnisse so verrückt und versprengt, daß man Mühe har, deren Zusammenhang wahrzunehmen. Wer hätte z. B. noch vor drei Dezennien die Frage aufzunehmen für nörhig gehalten, wie die Beziehungen des Lehrers zum Nabbinen beschaffen sein müßten? Wem kam da je der Gedanke in den Sinn, daß jüdische geistliche Hirten und Jugendlehrer über Glaubcnssachen verschieden dächten, daß von dem Einen die Wahrhaftigkeit des Talmuds anerkannt, vom Andern bestritten werde; daß der Eine die Sitten und Gebräuche unserer Nation achte und für verbindlich erkläre, während der Andere sie durch Lehre und Leben verleugne und verspotte? Zu unserm Erstaunen sehen wir in unfern Tagen dies alles, dessen Eintreffen unfern Vorältern eine Unmöglichkeit schien, sich gestalten und vor unfern Augen entfalten. Wir sehen Rabbinen und Lehrer sich gegenüberstehen, deren Religionsmeinungen sich in den schroffsten Gegensatz auflösen, die oft nichts weiter mit einander gemein haben. als eben nur ihre gleiche Abstammung und Benennung, und die sich in ihren Stellungen mehr entgegen, als in die Hanl/ arbeiten, wozu sie doch, ihrer ursprünglichen Bestimmung nack, vorhanden sind- (Beschluß folgt.) Altona. Der Redaction dieser Blätter ist folgendes Schreiben übergeben worden: *) *) Wir waren bisher allerdings von dem Grundsätze aus-