Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 20 (19.5.1846)
- Date
- 1846-05-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-»W 171 und Trug ausrottet. erheben. Und woher das alles? Weil es sich jetzt schon erfüllt, was ich früher aussprach, daß das Volk zurückbeben muß und wird. wenn es nur erfährt, was man will, indem der gar erbauliche Freigeist aus dem jüngsten Fest der Reformer jetzt erst bekannt im Publikum wird. Das Volk bebt zurück vor einem Institut, dessen Prediger halb und Worten, bloß — das Jenseits leugnet- (Fortsetzung folgt.) Schilderung des berühmten Oberrabb. S. W. Schreiber zu Preßburg. (Fortsetzung.) Unbeschreiblich aber sind die Besuche und Gesuche, welche unserm zungen Rabbi zukommen und sich seiner aeregeiren Lebensweise wie Dämme entgegenstemmen. Eine Visire drangt sich der andern vor, alles will den Rabbi sprechen, alles ihm seine Präsenz anzeigen. Es kommen sehr oft Fremde von ferne zugereist, die dringende Gespräche und verschiedentliche Berichte an Se Hochw. den Rabbi zu richten haben, welche aber das bald aufbrechende Dampfboot abruft. Nun, diese Herren wollen sich wohl nicht zurückweisen lassen, und der Herr Rabbi muß sie wohl empfangen und auf seine Geschäfte verzichten. Das also ist die Ursache, daß manchmal unser Rabbi zur gesetzten Zehnerstunde nicht in der Schierstube erscheinen kann, was die Rotte ihm für Unrecht auslegt. Doch trifft die halbelfte Stunde den hochw. Rabbschon immer auf der Tribüne, und die Vorlesung dauert gewöhnlich um eine halbe Stunde, oft aber auch um eine ganze, über Zwölf dafür hinaus. Denn das Proviant geht dem Bocher bei seinem Kostrage deshalb nicht verloren, weil die Tischfrauen es schon wissen, daß der Bocher erst nach Beendigung des Schiers kommen kann. Besonders aber ist dorr, wie in jeder andern großen Handelsstadt, die Eßstunde nicht grade auf Zwölf beschränkt, man rückt vielmehr in den ordentlichen Häusern den Speisetermin gewöhnlich auf Eins hinaus. Zn der Schierstube erscheint der hochw. Oberrabb. natürlich nur als Rabbi, aber als freundlicher Rabbi. Denn während der Hochw. den mit Bocherim gefüllten Raum durchschneidet, nickt er, bis er zur Tribüne gelangt und auch von da noch herab, nach allen Seiten seinen freundlichen „Guten Morgen". Da steht nun der Mann, zu dessen Handkusse sich Tausende drängen, von seinen Schülern umschlungen, und mit sanftem Lächeln schweift sein Auge unter der geprüpfren Menge einig« Sekunden herum, wo es sich dann wieder langsam ernst aus dem Kreise zurückzieht. Run beginne der Vortrag. Alles wird Ohr. die inhaltsreichen Worte des redenden Rabbi zu vernehmen, der anfänglich nur halblaut spricht und mit einer gewissen Zurückgezogenheit, daß gewiß der Bocher denken muß: Heute mag unser Rabbi nicht am besten vorgesehen sein Wie getäuscht aber und überrascht sieht er sich nach einige Minuten langem Vorrrage, nachdem der Rabbi die Zodelmütze abgelegt und nur ein Sammer- Käppchen dessen Schläfen umkränzr. Die Stimme wird volltönig, und auf sein Antlitz tritt starr des bisherigen Ernstes ein Feuer, welches in der Fülle jugendlicher Energie sich über sein ganzes Wesen auSgießr, und der Bocher hört ihn nicht mehr reden, sieht vielmehr seine neuen Ansichten und entwickelten Zdeen wie Flammen lodern — Diese Ansichten werden jedoch keineswegeS als unumstößliche Dogmen vom Rabbi ausgestellt, denn der hochw^ Oberradbiner mag seine im Talmud gefaßten Resultate nie der Welt durch Autorität aufzudringen suchen, sondern er legt sie mit Anspruchslosigkeit seinen Schülern vor, welche ihre Tendenz genau prüfen mögen. Und daher kommt es auch, daß sich dort der Pilpul so laut vernehmen läßt, weil, wie gesagt, die vom hochw. Rabbi ausgestellten Prinzipien vom Bochrr genau erwogen und kritisch besprochen werden dürfen. Freilich muß man sich's nur allzuoffen eingestehen, daß Se. Hochw. der Rabbi mit der schneidigen Waffe seiner tiefdenkenden Vernunft sich Dasjenige erkämpft, waS Andere durch bloße Autoritär behaupten müssen. Freilich ist es eine äußerst seltene Seltenheit, daß der Rabbi irren sollte, daß ihn der Bocher zu überführen brauchte, und sachverständige Talmudisten, die diesen jungen Rabbi kennen, müssen hier meine Wortarmuth, dieses Mannes überwältigende Talmudgröße zu schildern, entschuldigen; und noch ein Glück für mich, daß es da meines Wortes nicht bedarf, und man braucht nur im weiten Ungarn die Rabbinen und Mährens und Polens Talmudgelehrte zu befragen, die dem hochw. Oberrabbmer