Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 18 (5.5.1846)
- Date
- 1846-05-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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der Reformer — und werden dieselben es glauben, daß schon hierin die unumstößlichste Bestätigung meiner Behauptung: daß rie Reformer alles Andere, nur keine Juden seien, liegt? Die Leutchen wollen reformireu. reformiren im Gebiete des Judeutbmns, wollen nach ihren Aeußerüngen das Judenthnm heben — und nun diese Gebete? Sie wollen eine engere dann sind die berliner Lichtsreundc auch Juden. Haben sie denn nicht mit einer ängstlichen Bcsorgniß alles Dasjenige verbannt, was nur im Geringsten im S:ande ist. den Steindann haben wir keine Nationalsten mehr, dann sind die Nationalisten — Götzendiener geworden. — Doch was spreche ich, was suche ich zu erörternwas die Reformer in unbewachten Augenblicken selbst eingestehen — Rationalismus, nichts als Rationalismus — ist ihr Feldgcschrei, sie wollen ja gar nichts anders-doch der Staat, die Regierung göttlich geoffenbarte Religion; und nun.freilich. wenn unser Jurenthum zu weiter nichts nützt, so sind doch bloße sechs Worre unsers Bekenntnisses schon.hinreichend genug. unser sind sie hinreichend genug um ihn glauben zu macken, daß die Bekenner solcher Worte — Juden sind, Juden sein müssen, weil sie eben jene heiligen sechs Worte in ihrer Fahne führen. Doch das ist ja eben die Lüge, der Trug, die Bosheit, daß man diese sechs Worte zum Deckmantel verkappter Absichten herabwürdigt. Man streiche sie hinweg, diese bloßen kleinen sechs Worte, und man wird vergebens Judenthum in den Gebeten suchen. Man lichte den Schleier, der behutsam und ängstlich über diese Gebete gedeckt ist. und schon wird meine Behauptung zur Wahrheit: die Reformer sind keine Juden mehr. wenn nicht der krasseste Nationalismus Jurenthum genannt werden soll. Doch gehen wir einstweilen über zu Hirsch, indem ich nur bemerke, daß ich dasjenige, was ich hier zuerst mittheilen werde, nicht selbst angehört, doch aus unbedingt authentischen, vielfach übereinstimmenden Quellen verbürgt reden kann. Derselbe begann seinen Cyclus von Gastrollen am ersten Tage Passah — und was brachte er uns? Dasjenige, was wir Alle. die Hirsch von früher kannten, erwarten mußten, noch zumal, da er von den Reformern für 50 und einige Louisv'or zu ihrem Lobredner gcmirthet; und so nahm es denn wohl kein Wunder, daß er in bloßem Kopfe die heilige Tora aus dem Allerheiligstcn nahm, daß er baaren Hauptes, mir verdrehten Augen die Kanzel bestieg, und dann seine Verbindlichkeit gegen seine Miethsherren durch folgenden Sinn seiner Rede erfüllte: Daß sie (die Ncf.) heute ein doppeltes Passah- Fest feierten. Wie damals Israel ans der Knechtschaft erlöst sei. so seien sie heute von der Knechtschaft der biblischen Satzungen und Gebote befreit worden, und sie selbst verdienen den Dank dieser Befreiung, welche ungleich wichtiger als die damalige sei! Wäre es nicht Wahnsinn. hier noch hinzufügcn, hier noch erörtern zu wollen? Aber fragen muß ich. um wieder Leser, in diesen Worten liegt Judenthnm?! Ueber die zweite Predigt vermag ich nichts mitzutheilen, indem die Aussagen darüber zu keinem bestimmten Schluß gebe. Vollkommen einstimmig herrscht hierüber nur eine Meinung : daß diese Rede daS Furchtbarste, das Entsetzlichste ist, was je aus dem Munde eines jüdischen (o der furchtbaren Ironie) Geistlichen von der Kanzel gesprochen wurde. Sagte er doch nicht mehr unv nicht weniger: - daß die Befehle der Bibel zwar als göttlich. doch nicht durchgehenvs als göttlich zu erachten seien. Es sei sehr viel davon veraltet, und nur diese wären als göttlich zu betrachten, wo das Herz davon Genuß habe; und wer da glaube, daß er die Befehle durchweg befolgen müsse: dessen Verstand sei benebelt- Nicht wahr in diesen Worten liegt auch Judenthum? Nicht wahr, es ist doch eine erhabene, schöne Sprache, diese Worte in dem Munde Ihr Blatt erkaufen! Wahrlich, ich bin so erbittert, daß ich lieber meine Feder, anstatt in Dinte, in Galle tauchen möchte! Ach, ick mußte ja ruhig sein, als mir gleich-die furchtbarsten Sätze der Vice-Chasan der Reformer, Weiland Nebensteiu. mit einem schneidenden, verletzenden Pathos die Worte der Gebete sagte: «Gelobet seist du. Herr, der du uns deine Gebote gegeben, o stärke unser Herz mit deinen Geboten!« Ach. ich mußte fast ersticken vor Empörung über die furchtbare Heuchelei , als derselbe kurz darauf aus der Tora die Worte des 5. Buchs Mose deutsch las: -Und von den Geboten sollt ihr nichts abnchmen und nichts zulegen.« (Beschluß folgt.)