Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 17 (28.4.1846)
- Date
- 1846-04-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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tionen auf den Zuhörer machte, sie waren alle sehr angemessen von dem Lehrer gewählt, und sehr gut von den Schülern und Schülerinnen gelernt, und es gehörte offenbar zu den amüsantesten Beschäftigungen , Kinder von 6 Jahren und darüber frei und vernehmlich kleinere Gedichtchen oder größere Zwiegespräche vortragen zu hören. Dabei circulirten Probearbeiten in deutscher und jüdischer Schrift, so wie Ln 2^2, welche in zwei Heften sauber gebunden waren, und wovon einige Handschriften die Bewunderung aller Anvesenden auf sich zogen. Schließlich erwähne ich noch der säubern und schönen Arbeiten, die von den Schülerinnen bei der Lehrerin der Schute, Fräulein Levy, zur allgemeinen Zufriedenheit angefertigt wurden. Nach <iner Panse der beiden Mittagstunden begann die Fortsetzung der Prüfung mit dem Nachmittage 2 Uhr. Schon zuvor hatten sich die Räume wieder gefüllt, und trotz der unausgesetzten Aufmerksamkeit entgingen doch manchen Anwesenden viele noch so vernehmlich ausgesprochenen Antworten der Kinder. Die Lehrer beschäftigten sich in den Nachmittagsstunden mit der Prüfung in der biblischen Geschichte und der Religion, von dem Grundsätze ausgehend, diese Feier mit dem specifisch- Nationalen zu beginnen und zu beschließen (rv^xi V27> -,21 .Q'pvx NX'" "Q"). Zuvor wurden einige sehr schöne jüdische Cantaten unter Leitung des Herrn Jeretzky ausgeführt, welche diese Lehrgegenstände sehr erhebend ^inleiteten. Die Resultate waren ganz dieselben, wie in den Morgenstunden, und führte die ganze Prüfung jeden Unparteilichen zu der Ueberzeugung, daß hier die einzelnen Lehrer nicht theilweise mit der Ausbildung ihrer Zöglinge beschäftigt sind, sondern daß sich die einzelnen Uuterrichtsgegenstände wie die einzelnen Aeste zum gemeinsamen Stamme, zur Totalität der jüdischen und humanen Ausbildung, verhalten, und daß sie sich zu der idealen Krone des wahren Judenthums immer mehr zu vereinen streben. In diesem Punkte muß ich noch von dem Religionsunterrichte bemerken, daß derselbe nicht nur, wie die moderne Sitte eK gebietet, aus allgemein menschlichen Sentenzen besteht, sondern auch das specifisch - nationale Judenthum gelehrt wird. und daß jene wie dieses von den Anwesenden beider Confessionen sehr beifällig ausgenommen wurde. Während dieses die Püfung beschließenden Religionseramens wurde der-Schule nach ergangener Einladung die überaus große Ehre zu Theil, von döm Herrn Probste und geheimen Regierungsrathe Zerrenner und dem Herrn Regierungsrathe Hahn aus Magdeburg, in Begleitung eines-Predigers und Direktors hiesigen Orts, mit dem hohen Besuche beglückt zu werden. Ich halte es für sündhaft, dies glückliche Ereigniß einen Zufall zu nennen, und wer die hiesigen Localverhältnisse genauer kennt, wird mit mir zur Einsicht gelangen, wie sehr wir Gott für dieses an unsrer Schule so einflußreiche Factum danken müssen. Die Freundlichkeit und Herablassung dieser hohen Herren zu beschreiben, muß das Unvermögen meiner schwachen Feder unterlassen; ich will nur eine skizzenhafte Schilderung derselben an das Folgende nnknüpfen. Nach Beendigung der Prüfung nämlich schritt der Herr Oberlehrer zur eigentlichen Jubilarfeier, indem er in einer kräftigen Rede die Geschichte dieses Instituts den Anwesenden vorführte (wobei die stete Hinweisung auf das schöne, der Schule von dem seligen Rabbinen Eger zu Braunschweig verehrte, und zu dieser Feier sehr schön bekränzte, Bild des Herrn Testators bei den Zuhörern den gewünschten Eindruck nicht verfehlte). Er führte darauf alle Beschuldigungen an, welche es zu bekämpfen hatte, ging zu den Angriffen über, die in der neuesten Zeit gegen das Wirken desselben vorgebracht wurden, und. sprach sich entschieden und männlich dagegen aus. Auch ermangelte er nicht dem Aberglauben zu begegnen, der jetzt leider! durch Böswilligkeit immer mehr um sich greift, als könne unsre Schule den Anforderungen unsers Jahrhunderts nicht entsprechen, und beklagte sich mit Siecht über die Vornehmthuerei der Eltern, ihre. Kinder so früh als möglich der jüdischen Schule zu entziehen, und der Gesellschaft von Altersgenossen anderer Confessionen zuzuführen. Er verglich unsre Schule in einem schönen Bilde einem Baume, dem die schönsten Zwerge entrissen und andern Bäumen eingepfropft würden, und von dem man doch ein kräftiges Gedeihen erwarte. Er konnte aber im Bewußtsein seines stets regen Pflichtgefühls und