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Der treue Zionswächter · 1846-04-21 · 16 (21.4.1846) · page 5

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
16 (21.4.1846)
Date
1846-04-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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passenderes Subjekt wählen? Die öffentliche Stimme mag entscheiden, und ich glaube, das „Nein" wird ihr federleicht werden. Ich gestehe, mit Vorurtheilen betrat ich dies Gebäude — und mit der tiefsten Ueberzeugung verließ ich dasselbe, daß unser treuer Jude dem göttlichen Iudcnlhum keinen herrlicher» Sieg, keinen blühenderen Lorbeer erringen kann, als den, welchen er in dieser Einweihung bor. Die Versammlung saß, laut hohen Srernschen Befehls, ohne Kopfbedeckung, ängstlich harrend der Dinge, die da kommen sollten — da errönr die Orgel, der Chor rausperre sich und begann den Gesang — einen Gesang, sag' ich Ihnen, der wahrhaftig einem Ständchen oder Privatlhearer alle Ehre gemacht haben würde. Bravour-Arien wurden in Masse gesungen, so daß man fast in Versuchung gerierh, cupo zu rufen. Dieser theatralische Gesang des mir bloßem Kopf dar sitzenden Publikums — und nun einen Blick auf das „Schema", diese heiligen Worte unsers Bekenntnisses, welche, in Gold gemalt, an solcher Stäcre, uns wie eine furchtbar herabgewürdigte Karrikatur erscheinen müßten; dies Alles vereint machte einen Eindruck, den ich vergebens in Worre zu kleiden versuche. Die Orgel schwieg, die Gesänge verstummten, weiland Stern betrat die Kanzel mir weißen Glacee- Handschuhen und startete in zierlich gewählten Worten allen Denen seinen Dank ab, welche ihm in dem ungeheuer großen Werke zur Sette standen — das Iudenthum zu zerstören; welche wenigstens einen Spatenstich zu dem, freilich pomphaften Grabe des Iudenrhums lhaten. Die Orgel besiegelte dies Becennrniß, und das Programm kündigte uns das Hereinbringen der heiligen Tora an. Ich ging, hinaus, weil es meinem tiefsten Gefühl widerstrebte, bei diesem Gegenstände entblößt zn bleiben; und so sah ich nun durch die offene Thür die Dinge, die da kamen Zwei Vorsteher dieses großartigen Instituts und vr. Stern brachten das Allerheiligste (natürlich entblößten Hauptes) an den Eingang, und Holdheim aing, indem er das Lokal zur Hälfte durchschritt, denselben entgegen. Mir langsam gemessenem Schritt, die Hände.krcuzweis über der Brust, den Blick zn Boden geheftet (ob vor Schaam oder GerisftnSqual, weiß ich nicht), und nun das Bild Holdheims, wie es dem Herzen der «laubigen Israeliten mit Flammeuzügcn eingeprägt ist — dies Alles, Herr Redakteur, gewährte die ernste Ueberzeugung-daß Holdheim heucheln muß?- o nein! (wer kann so etwas von Holdheim glauben?) — baß-die dramatische Kunst an Holdheim einen ihrer hoffnungvollsten Jünger verloren har, daß eine Inrrigue, so meisterhaft durchgeführr, auf den Brettern.Lorbeerkränze und den reichsten Applaus ernten muß. — Aber als er diese Komödie auch auf das „Schema" ausdehnte, da mußte jedes innere Gemürh, welches nicht ganz zur Fahne des Tartüffes geschworen har, zittern und beben vor Empörung und Abscheu. — Doch Holdheim fängt so eben an zu rrden, die große, gewichtige, einstudirte Einweihungsrede, er spricht und spricht und spricht 2x Stunden, und das mußte eigentlich nach dem Vorherigen die Empörung steigern. — Doch nein — er spricht ja so süß, so kindlich, so unschuldig — daß die eifrigsten Reformer, die für sich und ihre Einweihung schwärmen, während der Rede vor lauter Entzücken-auf dem Hofe spazieren gehen und lebhaft über die Bedeutung des Wortes „blamiren" Lebarriren; Loch glaube ich. Holdheim harre ihm in seiner Rede die treffendste Bedeutung gegeben. Zwei und eine viertel Stunde gesprochen — doch fragte mich Einer nun nach der langen Rede kurzem Sinn — karole ü'^onneur! könnte ich damit mein Leben vom Schaffst rerren, ich könnte keinen herauefinden. Glauben Sie aber nicht, daß dies meine Reform cheilen durchweg mein Urtheil, wenn eS auch in der Politik der „Neformgenossenschaft" liegt, zu lobhudeln. Bravo, Reformer! Fallen Eure übrigen Vorstellungen so aus, als dieses erste Debür, dann werdet Ihr, so Gort will, zeitig genug den Lohn Eurer Bemühungen empfangen — und es ist wahrlich alle gegründete Hoffnung dazu vorhanden. Zum nächsten Passah - Fest gastirt hier Herr Nabb. Hirsch aus Luxemburg. Zwar eine unbekannte Größe, doch sagt man/ die frankf. N.-V-, sowie die hoinburger Spielbank, könne nähere Auskunft darüber erlheilen.- Doch genug! Berlin, d 5. April Gestern am Sabbac war Holdhcim in der hiesigen Synagoge-doch — andere Brüder, andere Kappen — er war hier nicht Holdheim, der Tagesheld der Res, nicht der Schöpfer des neuen Ehescheidungs-Gesetzes — hier war er nur Großherzogl. mecklenb. Landes-Nab-irrer. Allein:

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