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Der treue Zionswächter · 1846-04-14 · 15 (14.4.1846) · page 6

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
15 (14.4.1846)
Date
1846-04-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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pflanzt man den Baum der Erkennmiß in der Hoffnung, er werde späterhin Wurzel treiben; dort will man die Wurzel durch fremdes, aufgepsropfrcS Reis ersetzen. Die Folge dieser Einseitigkeit ist aber, daß das Fundament jüdischen Wissens in denselben vergeblich gesucht wird, und daß, wenn diesem Mangel nicht in spärern Lebensjahren — wenn auch nie vollkommen — adgeholfen wird, und was nur in den wenigsten Fällen geschieht, nicht nur die Religionskenntniß sondern die Religion selbst in stetes Abnehmen nothwendig gcrathen muß. Nach dieser Vorausschicknng gelangen wir leicht zur Veantworruug der Frage: was ist ernstes Bibel- Studium? Mit Ernst wird ein Gegenstand betrieben, wenn man dabei das Ziel nicht außer Acht setzt, welches dadurch erreicht werden soll; wenn man dabei die möglichst besten Mittel anwendet, die zu diesem Zwecke führen; wenn man es nicht an dem Eifer fehlen läßt, ohne welchen keine gute Sache gedeihen kann. Das Ziel unserS Gegenstandes ist nun Fortpflanzung der Neligiösität — rilL^I —; das Mittel: die Methode; der Eifer ist von dem religiösen Sinn der Eltern und des Lehrers bedingt. (Beschluß folgt.) " - - MM GroßherMthum Hessen. Mainz, den 24. März. Gestern, als am 25. Ador (23. Marz), fand der Auszug aus unserer alrberühmten Synagoge und der Einzig in die Interims- Synagoge statt, da, wie Ihnen bekannt, unsere alte Synagoge eingerissen und an deren Stelle eine neue erbauet wird. Das Alter unserer Synagoge kann nicht genau angegeben werden; doch wird sich wohl beim Abreißen eine Stelle' vorfinden, wo dies genau verzeichnet sein wird. Gewiß ist aber, daß selbige sehr alt ist. und fand man sich hier daher veranlaßt, die Zeremonie des Ausziehens mit einer besonder», der Sache angemessenen Feierlichkeit zu vollziehen Ich erlaube mir daher, den Lesern Ihres geschätzten Blattes eine kleine Beschreibung davon zu machen, und belieben Sie, selbige der Veröffentlichung werth zu erachten. Nachdem um 5 Uhr Nachmittags in der alten Synagoge noch das TiMQ gebetet wurde, und das Lokal mit Andächtigen gedrängt voll war, trug Herr Moritz Reis, unser würdiger Präses des Vor-. standes, die Motive vor, welche die Gemeinde dazu bestimmt hätten, zu dem Bau eines neuen Gotteshauses zu schreiten; setzte mir großer Genauigkeit auseinander, wie unter den obwaltenden Umständen der hochwürdige Rabbiner es nach den mvsaisch-ralmudischen Gesetzen für erlaubt erklärt hätte, diese Synagoge einzureißen, um auf demselben Platze eine neue aufbauen zu lassen. Nach diesem Vortrag betrat Herr Samuel Bondi im Namen unsers hochwürdigen Nabbinen, Herrn Leon Ellinger, welcher augenblicklich durch ein Augenübel verhindert war, die Rednerstelle, und trug die eigentliche Abschieds- oder Auszugsrede vor. Dieser Vortrag machte einen unbeschreiblich tiefen Eindruck auf sämmrliche Zuhörer. Ganz besonders erregten die mit großem Nachdruck vorgetragenen Stellen: „Wie viel Mal wurde P2L? in dieser Synagoge gesagt, und wie oft jQX?" tiefe und mächtige Gefühle. Nachdem der Vortragende nach üblichem Brauch das N2Ü2I1 N'I und den , LNIP.l gekittet hatte, ließ derselbe wie beim Ausgang des Versöhnungstages gleichsam sieben Mal die sagen. Wie gesagt, es läßt sich der Eindruck dieses Momentes insbesondere gewiß nicht beschreiben Es blieb kein Herz ungerührt und kein Auge rhranenleer. Nach diesem sprach Herr S. Bondi noch den Wunsch aus, daß, sowie dieser Auszug in Frieden. Eintracht und Einigkeit geschehe, diese Tugenden nicht minder beim Einzug in die ueue Synagoge vorherrschend sein, und jeder der Gemeindeglieder dies erleben möge. Nach Beendigung dieser Rede wurden nun die '->22 aus den ""re hcrausgenommen und in folgender Reihe nach der Interims-Synagoge gebracht. Zuerst unser hvchwürdiger Herr Rabbiner, sodann die sämmrlichen Vorstands-Mitglieder, die ältesten der Gemeinde, sämmtlich mit in der Hand. Daraus folgten.sämmrliche Gemeindeglieder. Zn der.neuen Synagoge angekommen, trug der Präses des Vorstandes im Namen der ganzen Gemeinde den üblichen 'dr:ri vor, daß man nämlich diese Interims-Synagoge später wieder zum profanen Gebrauche benutzen dürfe, sobald der Neubau vollendet sei. Zehn passende Psal-

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