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Der treue Zionswächter · 1846-04-14 · 15 (14.4.1846) · page 5

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
15 (14.4.1846)
Date
1846-04-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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wo ein inneres Treiben und Streben nach Neuerungen, Reformation jede Wange bleicht; heute endlich, wo die Wissenswuth unter Israels Zugend besonders vorherrscht: bestrebt sich auch der Bocher, dem zeitlichen vorwärts geschrittenen Bildungsgciste, insofern seine talmudischen Studien dadurch keinen Abbruch erleiden, nachzutreten. Aber ihm ganz, zu folgen, und dennoch gründliche Kenntnisse im Talmud zu besitzen, wie vieler solcher Personen zahlt unser Jahrhundert? Weiß er was? selbst der jostische Kalender zählt ihrer blutwenig. Und kann denn der Talmudist allen Am sorderungen, welche die rasende Menge an ihn richtet, im ganzen Umfange entsprechen? Dort winkt der Glaube, spricht sein eigenes Ich für die treue An» hanglichkeit und völlige Hingebung dem Talmudwissen zu, und da soll er sich wjoder hinwerfen in die weiten Arme der Vielwisscrei; wie ist es also yiöglich, Augen für Winke, Ohren für Stimmen zu haben, die doch, wenn wir uns nicht täuschen wollen, sich nie begegnen? Literatur und Wissen sollen dem achten Talmudisten nur zur angenehmen Würze dienen, die Raststunden seines Lebens damit zu würzen; er darf aber nie zu viel Gebrauch davon machen, weil er sonst zu viel gereizt werden könne, daß er sodann seinen ganzen Talmud-Vorrath auswerfen müßte. Nun erlauben Sie mir noch, Herr Nedacteur, Ihren Lesern die Sonne zu zeigen, um die sich all diese Planeten, die ich bis jetzt entworfen habe, bewegen. Diese interessante Schilderung des berühmten Oberrabbinen folgt demnächst. (D. Fortsetz, f.) Hoher ernstes Bibel Strrdkum re. Von I. Löwenstei», Rabbiner zu Gailingen, Großherzogchum Baden. (Fortsetzung.) Wäre man damals wenigstens auf eine würdige und zweckmäßig? Vermählung deS Religiösen mit dem Weltlichen bedacht gewesen, so hätte man die Umgestaltung, welche die Schulen erlitten — abgesehen von der falschen Richtung der Wissenschaft, die mit der Schule damals noch nichts gemein hatte— ohne auffallenden Nachtyeil vielleicht noch hinnehmen können. Der Jude ist nicht geboren, um in einem Ghetto zu vegctiren; seine Religion will ihn nicht der Wissenschaft abhold machen. Im Gegentheile! nur im Zusammentreffen mir der Welt muß seine Glaubenstreue sich erproben und erstarken, und die wahre Wissenschaft ist von jeher mir der Religion Hand in Hand gegangen, indem sich beite vielmehr wechselseitig ergänzen. Darin finde ich nun die Quelle der so herrschend gewordenen Unwissenheit in religiöser Hinsicht; d«eS dev Grund, warum leider so Viele, welche in ihrer Jugend „xnvZ gelernt haben", am frivolsten über Religionssachen denken und am leichtsinnigsten über Reltgionsvorschriften sich hinwegsehen. Es fehlt ihnen die religiöse Grundlage, und wenn sich noch mit der Ignoranz die Arroganz paart, da ist wahrlich keine edle Frucht zu erwarten; da können Erscheinungen im Zudenthum, wie die jetzigen, uns nicht mehr befremden. Um aber das Uebel in seiner größten Gestalt kennen zu lernen, werfen wir noch einen Blick auf unsere modernen Schulen, welche Alles, nur nicht jüdische Schulen sind, wo jüdischer Unterricht gleichsam zu den Luxusartikeln der Schule gehört, nichts weniger als jüdisch ist, eigentlich nur jüdische Politur har. Da gelten als Quintessenz der jüdischen Elementarkenntnisse höchstens biblische Geschichte in deutschem Auszuge und ein systematisches Religionslehrbuch, in welchem doch die eigentlich jüdischen Pflichten kaum berührt, dagegen aber die subjektiven, oft falschen Begriffe des Verfassers als ri-Nzl ausgegeben werden. Bibel in der Ursprache ist dort reine Nebensache; man sucht sie sogar durch Auszüge za ersetzen; und erfährt ein Kind während seiner ganzen Schulzeit etwa die Hälfte des Pentateuchs , so thur man sich so viel darauf zu gut und brüstet sich so damit, als hätte man die ganze Judenheit vom Religionsabfall gerettet. Trauriges Bild, aber wahr! wenigstens wahr in vielen Gemeinden Deutschlands: wenigstens wahr in seinen Grundrissen. Ist eS nun noch zu verwundern, wenn die krasseste Unwissenheit im Religionsfache sich des Volkes bemeistert? Bibelkennmiß im jüdischen Sinne des Wortes wird verdrängt, die Schulen werden in einen Quinquaillerie-Laden verwandelt, wo der Sächlein viele ausgestellt sind, die Sache, die Hauptsache aber mangelt; da beginnt man das Religionsgebäude vom Dache; dort erbauet man— ein Kartenhaus; da

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