Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 15 (14.4.1846)
- Date
- 1846-04-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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zu haben, was übrigens keinem Andern weder Nornoch Nachtheil bringt. (Fortsetzung folgt.) —— Auszüge aus einer Kritik über . „Maißiw un SchuokeS". , (Fortsetzung.) Aber wo sind wir geblieben? ja — oder sehen wir von einer Jeschiwe so viele Diener der Fahne Hymens sich weihen, als von jener? Ferner: wenn eine Gemeinde ja einen Rabbiner sucht, der noch Gemorakenntniß besitzen muß, wo anders, als auf lene Jeschiwe, wirft sie ihre Blicke hin? Haben ja doch vor Kurzem erst drei ihrer Jünger, der. eine in Mähren und zwei in Ungarn, das Nabbinat angerrcten. Und ich kann versichern, daß unter der Gesammtheit der Jeschiwe nie so viel gründliches Wissen vom Talmud existiere, als gerade heute. Die kräftigsten Belege hierzu bietet uns die jüngst verflossene halbjährige Prüfung, welche über abgehalten wurde, und so zu Gunsten der Bocherim ausfiel, daß dem hochwürdigen Herrn Oberrabbinen jener Akademie, einem Manne, von dem wir ferner sprechen werden, Freudenrhranen in dem Auge glänzten, und er seine Jünger mir inniger Herzlichkeit folgendermaaßen anredere: ^„Jch danke Euch, meine Lieben! Habeich mir's doch vvrgestellt, daß Ihr gut bestehen würdet; daS aber war über meine Erwartung!" Und Letzteres mochte er wohl zehnmal wiederholt haben, während er die armen Jünger mit bedeutenden Geldgeschenken je nach Rang und Verdienst (welches sehr oft auch bei Wochenprüfungen von ihm geschieht) belohnte. „Ja, ich will zugeben, daß sie wohl über ihrem Talmud hocken können, aber sind sie nicht unmenschlich? Können sie einen Gegenstand, um den sie befragt werden , ordentlich beantworten? " hören wir ferner den hochgelahrren Herrn Sprüchwörterkram - Inhaber krächzen. Sehr wohl, mein Lieber! aber die Dokumente dazu; Belege wünscht man zu hören. Ist er vielleicht von den einigen Wenigen, die wirklich sich in Ihrem Rocke völlig cingraben und den Hut bis in die Augen Niederdrücken, ist er von Jenen, auf daS All zu schließen, ausgegangen? Ganz Ergebenster! ich werte mit ihm, man versuche, jene Leute in die Lateinschule zu schicken; sie. werden wohl ihren Clasricismus mit Heterodoxie vertauschen, aber ihre rasende Unmenschlichkeit nimmer ablegen. Denn wo die Humanität hcrnehmen? Jene, in. einem Winkel geboren, wo die wohlrhuende Sonne der CiviUsativn nie hineingedrungcn sein mag, die eisige Kruste ihrer natürlichen Rohheit zu schmelzen , kommen nun in einer Stadt an, wo die Augenbinde ihnen abgenommen wird; sie erblicken plötzlich da ein Helles Licht der menschlichen Bildung, was Wunder nun, daß sie sich blind sehen und statt gebildet zu werden, noch tiefer in ihrem angeborenen Schlamme versinken? Aber wie viele ihres Gleichen wird er in der Jeschiwe wohl finden? Fast könnte man sie auf den Fingern abzahlen. Die Uebrigen hirzgegen sind jedem gebildeten Weltmanne in Sittlichkeit und in der Tracht gleichzustellen, und eS sprechen vielmehr für die Humanität des dortigen Bochers schon deutlich genug die Bekanntschaften, die er daselbst in Häusern ersten Ranges knüpft. Er speist an Ruhe- und Feiertagen an einer Tafel mit ihnen, und sie würdigen ihn. wie ich es aus Erfahrung weiß, in moralischer Beziehung eines Zutrauens, das, wie man sagen kann, an wahre Liebe grä^ „Ja, nun sind sie Talmudkundige und haben schon dabei auch den feinen Umgang mit der Welt genossen, aber noch immer sehen wir sie ungelehrt in Wissensfachern," fährt der Handelewos mit seinem wackern Gefolge Pinkeltrödler fort, in die Oeffentlichkeit zu marktschreien. „Außer ihrer, die Seele nicht wärmenden Talmudspeise haben sie keine Nahrung sonst, ihren Geist zu laben, ihm den Aufschwung in den Kreis reellen Wissens zu gestatten." Sehr recht, mein lieber Juden-Dilder-Krämer! sieht er, da hat er schon einen Block erfaßt, an dem er sich halten kann; nur trere er her, ich habe ihm ein Wörtchen ganz ins Geheim anzuhängen. Daß sich die dortigen Bocherim allmälig bilden und staunenswerrhe Progresse auf literarischem Gebiete macken, daß sie nicht mehr an der Pforre des Kultustempels stehen, sondern immer vorwärts schreiten, liegt einmal ganz außer Zweifel, mein lieber Handelewos, denn wie wäre es heute anders möglich? Heute, wo die Vielgeschäftigkeit, die gewiß die schönste Hälfte unsers Lebens consumirt, sich des menschlichen Geschlechtes so bemächtigte; heute,