Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 14 (7.4.1846)
- Date
- 1846-04-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Schule ein. Waren diese auch in der ersten Zeit ihrer Einbürgerung noch nicht so umfangreich, wie sie eS jetzt sind, so brachten sie doch schon den Religions- Lehrgegenstaoden einigen Abbruch. Der Jude trat nun auch allmälig aus seiner bisherigen Abgeschlossenheit heraus; kam mir der Außenwelt in immer größere Berührung; nie gekannte Bedürfnisse erwachten in ihm; er kam in mancherlei Versuchung; Leben und Lehre kollidieren mehr als früher; nicht Zeder war standhaft genug, in allen Beziehungen das Leben der Lehre unterzuordnen; und so fingen die Schulen an, ihren jüdischen Charakter allmalig aufzugeben; der fromme Sinn unserer Altvordern begann allmälig zu wanken; ernstes Bibel- und Talmud - Studium war erschüttert. (Fortsetzung folgt.) Auszüge ans einer Kritik über: „Maißim un Schnokes . (Aus Ungarn.) (Fortsetzung.) Der „Handelewos" läßt sich vernehmen: er sei nämlich auf eine Schierstube gekommen, die noch ganz von altem Gepräge wäre, eine Fundgrube für Archäologie, ein wahrhaftes Prison, von welchem in allen österreichischen Staaten nur das einzige Exemplar vorhanden sei; und da habe er denn Bocherim gefunden. die nicht nur unwissend, sondern sogar auch unmenschlich wären, und selbst im Talmud sich keiner bedeutenden Progresse erfreuen sollten; deren ganze Beschäftigung vielmehr in Beuteln, Deren und Plerrcnessen bestehe. Und um das Bild ganz komplet auszuführen, entwirft der Sprecher mit der Philaletie eines Fabeldichters ein Gemälde vom authentischen Charakter des hochwürdigen Herrn Oberrabbinen jener Gemeinde, welches aber eben so grell und abstechend, wie unwahr ist. Nebst dem will er seine Hochwürden selbst im ralmudischen Fache für ungelehrig wissen, hält ihm unter Andern; vor, daß er nie zur gesetzten Stunde die Vorlesungen eröffne, und die größere Hälfte der anbermrwten Vorlesestunden der Bocherim-Pilpul ausfülle. Kurz, er will mit einem Worte jene Schierftube vom Grunde aus nicderrcißen, die Docherim — weiß ich, was? — gewiß gtoßwüthiger Weife auswandern lassen, und seine Hochwürden, den Herrn Oderrabbiner, nichts weniger als — ihn seiner Stelle entheben. Nicht wahr, lieber Handelewos, das wäre eine Welt voller Geigen? Doch wer in Ungarn kennt nicht jene Schierstube, ihre Docherim und ihren Rabbi? Sie ist nicht nur die einzige in den österreichischen Staaten» sondern, so weit ich das bevölkerte Europa kenne, heute ln diesem Maaße die einzige leider im ganzen Europa. Wer kennt nicht jene Schierstube, auf deren Tribüne beinahe ein Jahrhundert schon Vorlesungen gehalten werden, und zu der von allen Städten Ungarns und Polens, sowie von den entlegendsten Orten Deutschlands stets Jünglinge herbeiströmren, beseelt von heiliger Pietät, die kommentarischen Vorlesungen der Rabbinen zu hören? Wer endlich kann nicht den Handelewos einen frechen Lügner nennen, so er sich nur umschaut in dem weiten Ungarland? Wie viele Rabbiner kann Ungarn wohl aufzählen, die ihr rabbinisches Wissen nicht jener Schule zu verdanken haben? Oder blicket nur hin auf die in Ungarn und seinen benachbarten Staaten als Privatmänner lebenden Talmudisten. und fraget sie einmal, welcher Schule sie angehären; ob sie dann nicht einen gewissen Stolz sehen werden, wenn sie antworten können, daß sie auch Jünger jener Schierstube gewesen sind? O, gewiß noch leben viele Zünglinge, die ausgerüstet mit Geist und Talent, am treuen Multerbusen des Talmuds mit kindlicher Liebe hangen; noch lebem Jünglinge in Israel, die an des Talmuds sprudelndem Silberquell ruhen, um ihren heißen Seelendurst an dessen labendem Kristall zu stillen. Und leben;ene Zünglinge wirklich noch in Israel, so leben sie gewiß, wiewohl nicht alle, doch ein großer Theil derselben, an keiner andern Zeschiwe. als an jener, die der freche Pinkeltrödler so unwissend gefunden. Dort der vereinigte Punkt des hohen Rabbinismus Ungarns, der Wohnsitz der Tugend und edlen Milde; was kann er mehr noch wollen? Wo noch herrscht so viele Vorliebe für Gemora> als dort? Wo noch wird dem Bocher so viele Ehre zuercheilt? Wo ihm so nachgehvlsen? Fast kenne ich kein Haus, das nicht wöchentlich wenigstenszwei bis drei Tischmale einen Bocher speise.- Die Reichen aber haben sogar besondere Zimmer mit aller zu derer Bequemlichkeit nöthigen Einrichtung für Docherim eingeräumr.