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Der treue Zionswächter · 1846-04-07 · 14 (7.4.1846) · page 3

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
14 (7.4.1846)
Date
1846-04-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Meine Herren! Seit der letzten Versammlung des Landrabbinats haben sich gewaltige Bewegungen im Judenthume kund gegeben, die mitunter schon deshalb von sehr bedauerlicher Art waren, weil sie Trennungen in der Mitte der Gemeinden, Spaltungen im Kreise der Familien hervorgerufen haben. Unter den israelitischen Gemeinden Kurhessens haben sich jedoch sehr wenig Sympathieen für jene Bewegungen gezeigt. Ich kann hierin nur erfreuliche Zeichen erblicken. Wir haben hier abermals einen Beweis, daß die große Mehrzahl unserer Gemeinden jener kritischen, destruktiven Richtung, vor deren zerstörendem Richterstuhl nichts, als die Ungewißheit, gewiß erscheint, nicht huldigt, und von dem beseligenden Glauben unserer Urväter nicht abweichen will, und daß selbst Diejenigen, welche sich zu rein rationalistischen Ansichten bekennen, von ihren Glaubensbrüdern sich nicht losreißen wollen, und in Reformen, welche die Grundpfeiler des Judenthums zerstören und nothwendigerweise Trennungen und Spaltungen herbeiführen müssen, kein Heil für Israel erblicken. Die Haltung unserer Rabbinen in dieser aufgeregten Zeit war nicht minder befriedigend;- sie pflegten treu und gewissenhaft ihres Amtes, strebten nicht nach dem eitlen Ruhme, zu den reformatorischen Tageshelden gezählt zu werden, und zeigten sich des Vertrauens, welches sie genießen, vollkommen würdig. Die gesegneten Früchte ihres gewissenhaften Verfahrens, die natürlichen Früchte ihres richtigen Taktes sind nicht ausgeblieben. Während in so vielen auswärtigen Gemeinden die traurigsten Zerwürfnisse zwischen dem Rabbinen und den Gemeinde-Gliedern eingetreten sind, und die moralische Autorität und mit dieser die eigentliche Wirksamkeit des Rabbinen gänzlich vernichtet ist, herrscht bei uns Einigkeit und Vertrauen, werden nirgends Beschwerden über die Wirksamkeit der Rabbinen und ihren Lebenswandel lautbar. Ich glaube daher, daß bei allen Rücksichten, die man sonst auf Zeiterscheinnngen zu nehmen hat, die Tendenzen des Landrabbinats doch unverändert dieselben, wie bisher, bleiben können. Das Bestreben des Landrabbinats ging bis jetzt dahin : dem täglich mehr zunehmenden Geist der Zweifelsucht und des Unglaubens entgegen zu arbeiten, dem gesunkenen Ansehn unserer heiligen Bücher wieder aufzuhelfen, den Sinn für gottesdienstliche Uebungen neu zu beleben, den Eifer für alles Gute und Edle zu wecken und zn stärken, in Synagogen und Schulen, in Gemeinden und Familien jenen religiösen Eifer, jenen heiligen Ernst wieder zurückznrufen, welcher daraus entschwunden ist, und so in der Jugend, wie in der erwachsenen Generation Israeliten heranzubilden, die in ihrem Glauben sich selig fühlen, die bieder denken, redlich handelnjeden Menschen wie sich selbst und Gott über Alles lieben, die treu ihrem Fürsten, gehorsam den Gesetzen, anhänglich an das Vaterland sind, deren moralischer Lebenswandel ebenso, wie die ihnen durch die Hochherzigkeit und Gnade Seiner Königlichen Hoheit, unsers allerdurchlauchtigsten Kurprinzen und Mitregenten, verliehene politische Stellung, sich vortheilhaft auszeichnen. Lassen Sie uns in diesem Streben mit vereinten Kräften fortfahren. Wir wollen auch künftighin die Früchte der fortgeschrittenen Bildung sorgfältig pflegen, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung gewissenhaft benutzen, von den Auswüchsen der verkehrten Aufklärung aber uns fern halten. Indem ich nun noch den Wunsch anssprecbe, daß die Einigkeit und das Vertrauen, welche bisher im Landrabbinate geherrscht haben, ungetrübt fortbestehen möchten, erkläre ich die Sitzung für eröffnet und bitte zu Gott, dem allgütigen Vater, daß er uns Kraft und Einsicht zur Erkennung der Wahrheit und des Rechts verleihen möge. Der Eid vom Standpunkte -er Orthodoxie aus betrachtet. Von Joachim PoUak, Rabbiner zu Trebirsch. In Folge einer im Februar vorigen Jahres von einer höchst achtungswürdigen Gemeinde unseres Vaterlandes erhaltenen sehr geehrten Zuschrift, habe ich über folgende zwei Punkte ungefähr nachstehendes Gutachten abgegeben, welches ich hiermit mit einigen Verbesserungen, Auslassungen und Zusätzen, wie ich es vor das allgemeine Forum zu erscheinen als geeignet erachte, auch der Öffentlichkeit übergeben will.

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