Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 11 (17.3.1846)
- Date
- 1846-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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91 die Früchte reifen, die wir in den Jahren der Jugendfrische vielleicht unter Thränen und ohne die geringste Aussicht auf Erfolg gesaet haben. Das ist es, was ich unter einer innern Entwickelung, unter beharrlichem, unausgesetztem Streben, unter religiösem Ernst verstehe. Ich tausche mich nicht über das Gewicht der Hindernisse, die hier auftaucheu, der Kränkungen, die erduldet, der Opfer, die dargebracht werden müssen; aber das Ende krönt unsere Bemühung. Auf solche Weise den Einfluß jener Neologen zu paralysiren, so eine allmätige Trennung zu erzielen durch eine größere Förderung des ortkodoren Elements im Judcntkum, das ist eine Aufgabe, würdig des hohen Berufes, der heiligen Pflichten, die uns als wahrhafte Juden obliegen, das ist ein Ziel, das, wenn auch langsamer und schwieriger, dennoch sicherer und edler, als eine durch den Staat ausgesprochene Trennung. Dafür wollen wir unsere ganze Thätigkeit in die Wagschale legen, das möge -das Endziel aller unserer Bestrebungen sein. Kein Tag gehe in diesem Sinne verloren, ein Jeder .okne Ausnahme kann hier nach Kräften wirken , ohne Geräusch, ohne Aufwand, das Ziel bleibt das gleiche: die Belebung, die Wiederherstellung der wahrhaften jüdischen Religion, unserer Religion, Gottes Religion. Auszüge ans einer Predigt des Hrrr. Z Löwenstein, Rabbiner zu Gailingen. Uin der Tendenz dieser Predigt, als Behandlung einer Zeitfrage, eine größere Verbreitung unter dem jüdischen Publikum zu geben, und um ferner seine Rabbinatsangehörigen zu überzeugen, daß die Lehren, welche er ihnen ertheile, und die Grundsätze, welche er befolge . auch eine allgemeine Veröffentlichung nicht zu ftheuen haben, erschien diese Predigt , welche auf weiter nichts, a(§ auf das Gesagte Anspruch macht, im Drucke. Sie wollte nicht im oratorischen Schmuck glänzen, um den Blick auf sich zu ziehen, und einen flüchtigen, etwa nur ästhetischen Eindruck hervorlocken; sie wollte vielmehr ihren innern Gehalt beurrbcilt wissen und Wahrheiten verbreiten, die man uns zn entwinden trachtet. Gelingt ihr dieses, so hat sie ihren Zweck erreicht. Meine werthen Freunde! In einer so bewegten, oder vielmehr so bestürmten Zeit, wie es die unserige in religiöser Beziehung ist; . in einer Zeit, in welcher für das Zerstören der Heiligthümer leider so viel , für die Erhaltung derselben aber leider so wenig geschieht; in einer Zeit endlich, die alles Bestehende in Frage stellen, in Zweifel ziehen möchte: in einer solchen Zeit, sage ich, muß derjenige Israelit, der nicht im Strudel des Unglaubens untergehen will, sich noch mehr als je dem Gesetze Moscheh's anklammern, und mir sicherer Hand den Anker auswerfen können, der allen Stürmen zu trotzen vermag. In Schrift, in Wort, in Handlungen wird das Gift u-nserer Seele auf den Markt des Lebens gebracht; iu anmuthigen Gefäßen, in überzuckerter Gestalt zum Kaufe dargeboten; und der Unverständigen, der Leichtsinnigen hat es noch zu jeder Zeit genug gegeben , „welche das Bittere süß, das Süße bitter nennen; die aus Finfterniß Licht, aus Licht Finsterniß machen; die das Gute bös, das Böse gut heißen." WaS kann nun bei solchen Erscheinungen nothwendiger sein, als mindestens hier und da auch das Wort zu vernehmen, welches der Erhaltung des Bestehenden gesprochen wird? Und namentlich Euch, meine Lieben, bei denen der gefräßige Zahn der Neuerungssucht sein zerstörendes Geschäft noch nicht begonnen hat. Euch muß es gewiß willkommen, sein, wenn Ihr Worte der Ermunterung , der Kräftigung des religiösen Standpunktes vernehmet, auf welchem Ihr Euch befindet. Zwar steht es mit der Sache unserer religiösen Richtung nicht so schlimm, als daß ein Nothruf nothwendig wäre. Noch zählen wir viele Gemeinden, in deren Mauern der böse Feind noch nicht eingedrungen ist. Noch erhebt die weit überwiegende Mehrheit Jisraels die Fahne, die unsere Begleiterin war auf allen Stufen des Glücks und des Unglücks, in welchen beiden Epochen Jisrael so merkwürdig dasteht. Noch will die weit größere Zahl der Jehudim diese akterthümliche, vielbenutzte Fahne mit keiner neuern, noch so schön ausgeschmückten vertauschen. Gerade dieses Alrerthum verleiht ihr ja ihre Würde; der unveränderliche Geber verleiht ihr ja Heiligkeit;