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Der treue Zionswächter · 1846-03-17 · 11 (17.3.1846) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
11 (17.3.1846)
Date
1846-03-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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90 vollständig als möglich, höchst erwünscht und ersprießlich. Aber worin wir nicht unwejentlich von einander abweichen, ist die Art und Weise , wie wir diese Trennung bewirkt sehen möchten. Nicht von außen her, nicht durch einen Machtspruch, am wenigste« durch direkten Einfluß des Staates müßte jenes Resultat erlangt werden; dieses müßte vielmehr Folge innerer Enrwickelung, beharrlichen, unausgesetzten, wenn auch langsamen Selbststrebens, liefen , religiösen Ernstes und heiliger Würde sein. Denken wir uns, Beispiels halber, eine Gemeinde, wie wir deren leider im lieben Vaterlande so viele finden. Der Rabbiner ist natürlich Mitglied der Rabb.-Versammlung, vicarirt auch hie und da bei den Reformern. Der Gemeinde-Vorstand — natürlich die Reichsten — haben sich bereits so weit cmancipirt, daß dem Rabbiner wenig zu wünschen übrig bleibt; Lehrer, Ehvr-Dircctor, Orgclsänger, und wie das ganze moderne Gefolge sonst noch beißen mag, sind gehörig geschult; mehr als die Hälfte der Begüterten treiben Geschäfte am Sabbat, lassen sich's an jeder tnkle ä'Iiot« schmecken; und was das Aergfte ist, die Landes-Regierung will freilich die Irreligiosität nicht befördern, aber theils stehen die jüdischen Verhältnisse im Allgemeinen ferner, theils sind jene die landesgesetzlichen Behörden , weshalb denn auch dieses Treiben geduldet und genehmigt wird. Der geringere Theil lebt für sich zwar fromm, ist aber zu schwach und zu wenig energisch zum Selbsthandeln; kaum daß ein Leute vorhanden, die es so ernst meinen, daß sie den Muth zum Handeln haben. Sollen sich hier zwei Gemeinden bilden? Dürfen und können sie es? Gewiß nicht. Aber verlieren wir den Muth nicht. Die 10 vereinigen sich fest mit einander zu gemeinschaftlichen Schritten, machen sich auf Opfer jeglicher Art gefaßt. Zuvörderst sorgen sie mit strengster Gewissenhaftigkeit für wahre Frömmigkeit in ihren eigenen Kreisen, ihren Häusern, für Frau und Kinder. Da sie bei Tag beschäftigt, vereinigen sie sich jeden Abend wenigstens einige Stunden für sich, und zu lernen; ebenso auch am NüL?. Die Kinder können natürlich die öffentliche Schule nicht besuchen; unter jeder Bedingung, selbst mit mannigfachen Opfern, muß ein Privatlehrer engagier werden; selbstverstänlich ein solcher, von dessen Treue und wahrhafter Frömmigkeit man sich zuvor genügend vergewissert, der hinlängliche Schulbildung hat, aber auch „lernen" können muß. So nach innen ausgerüstet, versucht man Schritte nach außen. Zuvörderst wendet man sich an die Landes-Regierung, weist klar und deutlich nach, daß der Rabbiner, nach jüdischen Gesetzen, von ihnen nicht als Rabbiner anerkannt werden könne, daßsolche Vorsteher nicht im Stande seien, die Gemeinde zu repräsentiren. Folgr darauf auch das erste Mal ein abschlägiger Bescheid, so wird die Klage wiederholt, und immer wiederholt, und bei jeder Gelegenheit vom Neuen motivirt; da es sich nicht um Verläumdung, da es sich nur um religiöses Gewissen handelt, nimmt die Behörde am Ende doch Rücksicht, und damit ist schon ein Bedeutendes gewonnen. Vorzüglich unterläßt man es nicht, sich nach Kräften bei den öffentlichen Gemeinde-Angelegenheiten zu betheiligen, und um keinen Preis sich gänzlich zurückzuziehen. Bei Vorstands-Wahlen bleibt man natürlich in der Minorität, allein nie unterläßt man gegen die Majorität auf's Energischste zu protestiren, und diesem Protest die größtmögliche Oeffentlichkeit zu geben. Ueberall hüte man sich aber vor allen Intriguen und Kabalen, gehe stets offen und rechtlich zu Werke, und sei stets eingedenk, um was es sich eigentlich handle. Durch solches Verfahren wird man sich nach und nach, wie nach innen, so auch nach außen, verstärken. Mancher Schwankende wird so gewonnen, mancher Träge zum Handeln aufgefordert. In den Heranwachsenden Kindern erwachsen uns so viele neue Kämpfer und Stützen in unserm heiligen Kampfe. Während auf der andern Seite, da es Keinem Ernst ist, der Indifferentismus täglich überhand nimmt, die Einen gleichgültig werden, die Andern sich schämen, die Dritten ganz aus dem Iudenthume ausscheiden, wachsen unsere Kräfte,, nehmen wir am Eifer und Ernst immer mehr zu, .und jeder noch so unbedeutende errungene Vortheil fordert uns auf, unwiderruflich weiter fortzuschreiten. Mit der Zahl wächst der Einfluß, endlich wird es möglich, in den Gemeinde- Angelegenheiten thätiger einzugreifen, hier zu fördern, dort zu beschränken, und wenn auch spät, endlich werden jene, des Kampfes, für den sie kein Interesse haben, müde, das Schlachtfeld räumen; dann sehen,wir vielleicht am Ende unserer Tage

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