Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 10 (10.3.1846)
- Date
- 1846-03-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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86 die Altgläubigen gehandhabt werde, um sie um jeden Preis ihrer Blindheit zu entreißen und sie wieder Hel!sehend zu mache». Vorzüglich besitzen einige dieser Herren eine wahrhafte Bravour darin, ihre Lehrer, Vorbeter, Schächter und sonstige Bedienstete ihren modernen, Theorieen xar tortzv geneigt zu machen. Wie sich solcher Gewissenszwang, der der mittelalterischen hochnorhpeinlichen Gerichtsordnung mit ihrer Inquisition und Tortur nur Weniges nachgicbt, mir der gepriesenen Humanität jener Fortschritts-Helden vertragt, ist freilich schwer zu begreifen, allein Konsequenz ist gerade nicht Sache unserer Reformer. Jedenfalls ist es richtig, solche Facta der Oeffenrlichkeit zu übergeben, weil dieses der sicherste Weg ist, solchem Mißbrauche enrgegcnzutrelen und den Torquirren Linderung zu verschaffen. Daß übrigens hierbei nicht sowohl die religiöse, als vielmehr die humane Seite der Facta in Betracht komme, versteht sich von selbst. Also: In M. S. sind zwei Synagogen vorhanden. Die des I)r. H. ist natürlich die ganze Woche dem Gottesdienste geschlossen, während in der andern nach Varer-Sirte das tägliche Geber verrichtet wird. Der Schächter der Gemeinde hält sich in seinem Gewissen verpflichtet, täglich sein Geber mit s'5Q zu verrichten, und da er dies in der reformirren Gemeinde-Synagoge nicht kann, so besucht er die verpönte der „Alren". Was geschieht? Herr Or. H erhalt kaum Nachricht von diesem scheußlichen Verbrechen, als es dem Schächter auf das Strengste untersagt wird, sich in jener verhaßten Synagoge wieder sehen zu lassen, bei hoher Ungnade Der Geängstigte gehorcht! Was ist dies anders, als ein unerhörter Gewissenszwang, als kleinliche Rache? Wir weihen solches Benehmen der öffentlichen Verachtung vr G. erlaubt am '' auf einer Q'2 zu esset», und gehr den Geladenen mit gutem Beispiele voran. Unter diesen befindet sich der alte -v scrt alten Zeiten wohlbestallter Gemeinde - 2'vL'« Dieser har noch auf keiner am »-.'üpTl gegessen und thur es auch diesmal nicht. Gezwungen zum Essen kann er nun freilich nicht werden, aber dafür macht sich der Herr Nabb. den Spaß, den Alren während der Mahlzeit aufzuziehen, kurz, ihn zürn Gegenstände des Gespöttes für alle Anwesenden zu machen. Das ist ein noch ärgerer Gewissenszwang. Auch ih» weihen »vir der öffentlichen Verachtung. S. Zeitungsnachrichten Mähren. Nekrolog. In der Nacht zwischen dem 3 und -1. Februar verlor die mährische Rabbincnheit einen »hrer sowohl durch seine umfangreichen Kenntnisse in den rabbinischen Schriften, als seltene strenge rabbinische Lebensweise ausgezeichnetsten Rabbiner». Herr Aron Schiller, Rabbiner zu Jamnih, wurde nämlich in dieser Nackt, in der er noch gelesen, nach einer kurzen Krankheit in dem leider allzufrühen Alter von 52 Jahren zum tiefsten Schmerze aller wahrhaft Gläubigen, die ihn kannten, aus dem irdischen Sein abgerissen. Die dortige achtbare Gemeinde veranstaltete ein sehr feierliches Leichenbegängniß und berief den Herrn Rabbiner M L. Kohn aus der benachbarten Gemeinde Pießling zur Abhaltung der Leichenrede. Nebst den vielen Israeliten, besonders aus den Filial- Gemeinden des Geschiedenen, die sich aus Pietät zu ihrem frommen Rabbi bei der Beerdigung in Jamnitz einfandcn, schloß sich auch der donige Dezirksdeckant Herr Sebastian Habinger an der Spitze der Geistlichkeit und vieler achtbaren christlichen Personen dem Leichenzuge an. Am Eingänge des hielt Herr Rabbiner Kohn über 4 B. M. K. 20 V. 28 29. eine dem Gegenstand sehr angemessene und ergreifende Rede, die auf die Anhörendcn der verschiedenen Religionsgenossen den tiefsten Eindruck machte Denn als der jugendliche Redner im tiefsten Schmerzgefühle über Lebensweise desselben mir den lebhaftesten Worten schilderte, und das Wort Gottes durch seinen Propheten — Malachi 2- V 5. 6. Oii'lL'ir — l!1X .IN'.I NX "NL'221 auf ihn bezog, da blieb kein Herz unbewegt; da sah man auf dem edlen Gesichte des hochw. Herrn Dechanten. die deutlichsten Spuren innigster Rührung, begleitet von einer wehmurhvollen Thränr. Und ist dies nicht für Jeden, der es mit Israel und dessen Leh'.e aufrichtig meint, der redendste Beleg, daß nicht Hercrodoxie, nicht Zndlffercntismus gegen unsere überkommene Lehre, nicht heuchlerisches Accomodiren und schnödes Aufgeben unserer heiligsten Satzungen von Seiten vieler sogenannten Land-, Kreis- und Orrsrabbincn, sondern ein treues Handhaben der väterlichen Lehre und unzweideutiges Leben nach der-