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Der treue Zionswächter · 1846-03-10 · 10 (10.3.1846) · page 4

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
10 (10.3.1846)
Date
1846-03-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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84 brauchen wir nicht. Zu wünschen ist die Aufklärung , so weit sie in s Gebiet der Religion nicht eingrcift; so lange diese ihr als schützende Freundin und Begleiterin zur Seite stehet; wenn diese die Wurzel, der Stamm bleibt, jene derer zarter Sprößling, der hcrvorgesprossene Ast ist. Aufklärung ist das Kind der Religion, und wird es abtrünnig von seiner Mutter, so wird's als widerspenstig und ungerathen erklärt, vor dem jedes redliche Kind schaudernd zurückfliehen muß. Aber 2hr macht uns wieder zum Vorwurf: „daß unser Glaube zu viel einschränkend sei, zu viel Einfluß habe auf Vas bürgerliche und sociale Leben: wir sind Bürger, Staatsangehörige, er§o müssen wir auch die kleinen Scheidewände, die uns von ihnen trennen, aufhcben." Wir aber geben Euch zur Antwort: weil wir trcne Unterthanen, für unser Vaterland Blut und Leben aufopfernde Patrioten sind, deswegen halte» wir fest an unserm Glauben, und lassen nichts nach von unserer, durch die Stürme der Zeit, durch Krieg und Frieden immer getragenen und aufbcwahrten Religion. Bleibt's doch unbezweifelt, daß die Pflichten gegen die sichtbare Negierung eines Staats und die Obliegenheiten gegen den unsichtbaren Regenten so eng und bündig mit einander verwoben sind, daß beide gleiche Bedingnisse zur Wohlfahrt des Staates sind. Ist es doch eine von der Alles streng richtenden und wahr beurthcilenden Geschichte der Menschheit bestätigte Wahrheit, daß die Religion die Stütze des Thrones und des Staates, die Grundlage aller Sittlichkeit und der Eivilisation ist, und dort, wo die weltliche Macht mit ihren Waffen nicht eindringcn kann, der Bosheit Schranken zu setzen, die Religion ihre drohenden Ahndungen hinstcllt, die ihm die Richtschnur der ächten Sittlichkeit Vorhalten, und ihm ein zuverlässiges Palladium gegen das Laster werden, denn die boshafte Tücke kennt und findet leider der geheimen Schliche noch viel, um dem kurzsichtigen Auge menschlicher Polizei zu entgehen. Geschehen wäre cs um das Wohl der Gesellschaft, wenn nicht die Religion dem Staate, und der Staat der Religion ihre mächtigen Waffen borgte, denn nur durch diese mutuclle Wirkung kann innere Seelenruhe und Eintracht in der menschlichen Gesellschaft erhalten und befestigt werden. — Sehet, Ihr Aufgeklärten! betrachtet mit unbefangenen, unparteiischen Blicken unsere, nach Eurer Meinung obscuranten Gemeinden , und Ihr werdet selbst erkennen, daß ungeheuchelter Patriotismus und unbescholtene Nächsten' liebe, von wahrer Religiosität und der mit ihr versclnvisterten Sittlichkeit einzig und allein herrührend , stets geherrscht. Betrachtet den wahren, alten, frommen, gläubigen Israeliten, und ein Bild voll der reinsten Herzensgüte, ergeben in Gott, bescheiden, wohlwollend, und beseelt von Nächstenliebe, stellt sich uns dar — von dem die Neugebildeten weit entfernt sind. Aber noch immer habt 2hr Vorschutzmittel für Euer» Betrug, Ihr sagt nämlich: „Es geziemt sich nicht dem verständigen Menscben der blinde Glaube; Gott selbst hat die Vernunft in uns gelegt , dieses Kleinod, diese Krone dem Menschen aufgesetzt, und dadurch ihn zum König über alle andern Geschöpfe eingesetzt, damit er prüfe und wähle, und seines Namens sich würdig mache, und seinen hohen Beruf erfülle; wie sollten wir jener Macht in uns mit Gewalt Schranken setzen, die hellsehende reine Vernunft mit Fleiß blenden und dem Joche des blinden Gehorsams unterwerfen? " — Ja, sagen wir Euch wieder, wir dürfen nicht blind glauben, die Vernunft muß ihre Herrschaft behaupten, muß verstehen, einsehen, einstimmen; aber nur so weit sie es kann: Ln Dingen nur, die auch ihr Erzeugniß sind. Versteht Ihr wohl das Wachsthum, das jährliche Kreisen der arbeitenden Naturkräfte? Begreift Ihr Euer Werden und Aufhören? Und doch nehmt Ihr an — wenigstens so heißt's von Euch — daß Gott den unsichtbaren Knoten der moralischen Wcltordnung knüpft, die schöne Kette der natürlichen Dinge reihet; nun. Ihr versteht's ja nicht, wozu also der blinde Glaube? Leugnet weg die Gottheit und werdet. Aber heißt denn das blinder Glaube? Verliert die menschliche Vernunft deswegen an Werth, weil sie in's Göttliche nicht eindringcn kann? Ist die unter den Wolken versteckte Sonne deswegen weniger Sonne, oder hat sie deswegen weniger Glanz, weil sie, unter den Wolken versteckt, unserm Auge unsichtbar ist? Oder ist die schöne Kunst erfordernde Perle deswegen dem keine Perle, deswegen dem weniger werth, weil er sie nicht versteht, nicht zu runden und zu löchern weiß? Heißt der Glaube

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