Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 10 (10.3.1846)
- Date
- 1846-03-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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83 bei diesem Anblicke zurück, bekümmert steht. der fühlende gläubige Israelit mit zerrissenem Herzen und von blutigen Thränen triefenden Augen, und verzweifelt an Hülfe. Schon treten jene unbeilbrütenden Jünger zum zweiten Male zusammen, rnf«i triumphirend sich einander zu: „Oauütramu-»!" und nicken sich einander Beifall zu ob des bisherigen Falles ihres Feindes. Schon tönt die Posaune zum zweiten Male, neue Commilitonen zu werben. — Da erscheint ein heiliger Zug von Männern (die 77, späterhin 116 Rabbinen). Ausgerüstet mit Tugcndkraft, einhertragend die glänzende Fahne der Wabrbeit, entlarven sie das Laster und reißen ab jenen Religionsläugnern den und stellen sie dar als Verfälscher nnsers Glaubens in ihrer nackten Unwissenheit; eine Erhortation ergeht an die Unmündigen unter uns, es wird ihnen abgenommen die Binde von den Augen, und sie erkennen den Betrug. Da treten sie auf, den Sieg zu vollenden, und erheben wieder die vom Feinde in den Staub niedergetretene Fahne der Religion. Sie sind's, die, die Gehaltlosigkeit jener Meinungen zeigend, ausrufcn: 1"- '2, und der größte und wichtigste Theil unserer Glaubenöbrüder. tapfere Streiter, folgen freudig dem Rufe und lagern sich um das Panier der Wahrheit, nehmen das offendirte Iudenthum unter ihre Aegide und stehen als dessen Beschützer da, und das Gewebe, an dem Jene Jahre lang gesponnen, ist auf einmal zerrissen, und unsere Ehre ist gerettet. Und nun noch ein Wort an Euch Neologen! Ihr Sophisten und Epikuräer, die Ihr den lockern Hauch der Sophisma eingeathmet, die lüsterne Speise des sinnlosen Epikur's gekostet. Euch an die Spitze drängt, und auflehnend, empörend, mit Euren gerade- und srommgesinnten Seelenhirten in Zwietracht lebt! Ihr Schöpfer der neuen Aufklärung! Treulose Hirten des Herrn, die Ihr seine Schafe mit dem .1122 weidet, und selber die Wölfe seid! Ihr falschen Wächter, die Ihr die Winkel der Glaubensfeste dem Feinde verrathet! Glaubt Ihr denn immer uns am Gängelbande Eurer Thorheit zu führen? Glaubt Ihr denn noch unfern Glauben zu widerlegen, und mit Eurem Gallimathias, mit Eurer Gasconade unsere Augen zu blenden? Wie, meinet Ihr immerfort uns abzuschrecken oder zu ermüden? Weit gefehlt! Wehe, wenn Ihr von Eurer Proselytenmacherei so weit verblendet seid! Sagt an.' was wollt Ihr von uns? Ihr könnt ja doch von dem verständigen, seiner und seiner Religion sich ganz bewußten Israeliten wohl nicht fordern, daß er sein Kleinod, seinen von ihm zuerst entdeckten und durch Jahrtausende aufbewahrten Schatz so schnurstracks von sich werfe? Was soll das moderne Judenthum? Was soll es, das neunzehnte Jahrhundert? Ja, humanisiren, latinisiren, gräcisiren, germanisiren rc., nur nicht hebräisiren? Ah! schönen Dank! Aber da drückt Ihr Euch schlecht aus, wenn Ihr sagt: das »Judentkum soll sich", oder wenn Ihr an dem todten Buchstaben rüttelt und krittelt. Denn Glaube bleibt Glaube. Sondern Ihr mußt sagen: der »Jude" soll sich rc., oder der Hebräer soll Lateiner, Deutscher werden (?). Aber all voi^m, es ist das ja Euer Vorwurf, Euer Stützpunkt. Finsterlinge nennt Ihr uns, Hasser der Kultur, Unmenschen; Aufklärung ist Euer Feldgeschrei; nun, auch auf das haben wir Antwort Meint Ihr unter Aufklärung wissenschaftliche Aufklärung, so fragen wir Euch: ist denn das wirklich der Fall bei uns? Und wäre er's auch: (aber Wahrheit will ich!) rührt denn wirklich die Ursache von der Religion her? Finden wir nicht zur Zeit der Verfassung des Talmuds Kunst und Wissen in prachtvollster Blüthe stehen, ohne welche dessen Verfassung fast ein Unmögliches gewesen wäre? Erfordert nicht daS Studium des Talmuds auch anderes Wissen, als Mathematik, Geometrie, Naturgeschichte u. dgl.? Empfiehlt er nicht vielmehr jenes Studium ausdrücklich, indem er sagt: V2 21?^ 1'^'?>17I2 x-,1' u. s. f.? Aber, wie gesagt, was Talmud betrifft, wisset Ihr. wenig. Weist auf, Ihr Philosophen und Gelehrten jetziger Zeit, in Eurer Mitte einen Maimonides, Ramban. Aben-Esra und noch andere Gelehrten jener Zeit? Meint Ihr unter Aufklärung aber das rechte Auffassen der Würde des Menschen, des wahren Werthes des menschlichen Lebens und dessen Bestimmung, die wahre Ergebenheit in Gott? Ja, auch das wollen wir, aber Euer Verfahren straft Euch ja Lügen; seid Ihr nicht die, die Genußsucht und Leidenschaften von allen fremden Zügeln entfesselnden Epikuräer? Nicht Ihr die Prunksücktigen? — Eure Aufklärung ist eine falsche, und die