Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 10 (10.3.1846)
- Date
- 1846-03-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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82 zielten Thunlichkeit, die Theorie von der Praxis zu unterscheiden haben, wie der beste Wille, das regste Streben unfruchtbar und ohne Erfolg bleiben muß, so lange ihm die Fähigkeit zum Sich-geltendmachen, zur Ausführbarkeit fehlt, so müssen wir gewiß, auf unfern Fall angewandt, wenn wir wahrhaft nützen, wahrhaft wirken wollen, bei allen Mitteln, die wir uns anzuwenden entschließen, zuerst fragen, ob ihre Anwendbarkeit überhaupt praktisch, ob sie in der Praxis noch das seien, wofür die Theorie sie uns so gerne ausgiebt. Wir haben unsere vollkommene Achtung und Bewunderung für den hohen Ernst, für das tiefe Gefühl, für die klare Ansicht, für den festen Willen jenes Herrn Verfassers bereits ausgesprochen, ober was wir noch nicht berührt, noch weniger untersucht, ist, ob seine Vorschläge den Stempel der Ausführbarkeit an sich tragen, ob sie sich demnach für das Leben, für die Praxis eignen. Die Quintessenz der Vorschläge jenes Herrn Verfassers beziehen sich aber vorzüglich darauf, daß, wie bereits faktisch, so auch l!e )ure, d. h. von Staatswegen, eine förmliche, definitive Trennung zwischen orthodoxen und reformirten Juden ausgesprochen werde, daß beide allen Einflusses auf ihre gegenseitigen religiösen Verhältnisse sich zu enthalten, jeder sein eigenes Bckcnntniß aufstellen, und dem entsprechend seinen Kultus, seine gottesdienstlichen Verrichtungen zu ordnen hätte; daß die vom Staate, aus obrigkeitlicher Machtvollkommenheit, ausgesprochene förmliche Trennung durch die frommen Rabbinen auf religiösem Wege bekräftigt werde, indem sie erklären, jene seien freiwillig aus dem Verbände des Judenthums ausgetreten, jede verwandtschaftliche Verbindung mit ihnen sei gesetzlich untersagt; kurz, wer unsere Dogmen nicht anerkenne, sei von uns gänzlich auszuschlicßen. Lassen wir uns nun etwas näher auf eine Prüfung dieser Maßregeln ein, so sehen wir bald, so wahr und richtig sie an und für sich selbst seien, so unausführbar sind sie in der That. Sehen wir für diesmal ganz von. dem Verhältnisse zum Staate — dem ersten und einzigen Bedingnisse zur Realisirung jener Vorschläge — ab; obschon es auch hier für jeden, der nur in Etwas den staatspolitischen Grundsätzen der hohen Negierungen zu folgen vermag, nicht zweifelhaft sein kann, daß der Staat eine solche Trennung nie und nimmer zugeben wird, als^ indem solche von uns auSgeht, sie nicht sowohl eine Trennung, als vielmehr ein förmliches Ausschließen, Excommuniciren Jener sein, was, wie gesagt, nie und nimmer gestattet werden würde. Nur wenn beide so schroff entgegenstehenden Parteien in gemeinschaftlichen Schritten sich in diesem Sinne an den Staat wendeten, wäre von dieser Seite vielleicht Gewährung möglich; daß dieses aber so leicht weder geschehen kann, noch wird, ist nicht schwer einzusehen. Aber abgesehen von einer Möglichkeit zur Realisirung jenes Planes durch die Autorität des Staates, stellen sich außerdem der praktischen Ausführbarkeit unübersteigliche Hindernisse entgegen. Hätten wir im Judenthume zwei haarscharf und genau von einander getrennte Parteien, ohne alle Nüancirungen und Schattirungen, dann wäre es allenfalls noch möglich, zu sagen: Du hierhin, ich dorthin, willst Du zur Linken, will ich zur Rechten u. s. w. Aber leider, das ist ja gerade der Fluch, die Strafe jener unglückseligen Verirrung, die in unserer Mitte herrscht, das die Folge jenes Abfalls, jenes Schwankens, jener Lauheit, daß nicht zwei entgegengesetzte, nein, daß es Hunderte von Parteiungen giebt, die sich, die eine mehr, die andere weniger, von einander unterscheiden, nichts desto weniger aber mit einander im Widerspruch, im Gegensatz zu einander dastehen. Und nun die Rabbinen selbst? Gänzliche Uebereinstimmung? (Beschluß folgt.) Stimme eines Orthodoxen Von S—r, Rabbiner. (Beschluß.) Aber welche Erscheinungen bieten sich uns dar! Immer wüthender wird das unsere moralischen Kranken vergiftende Siechthum, immer stärker die Wunde, welche die. Verderbtheit der Zeit Israel geschlagen, immer größer die Kluft, die uns in zwei Lager spaltet, unv Opfer, unzählbare Opfer, die, von jenem Phantasma geschreckt, unversehens in's Garn liefen , werden am Altäre des neuen Götzen vargebracht. Scheuend tritt der Genius der Menschheit