Mannheim
Compact Memory

Der treue Zionswächter · 1846-02-24 · 8 (24.2.1846) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
8 (24.2.1846)
Date
1846-02-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2625941-2626092-2626101--0329-2627845
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

62 Borwurf die Lubenheit, als daß dadurch „Schmach und Verachtung auf-alle Glaubensgenossen, auf die Religion selbst herbeigezogen werden«*? Dieser vereinzelten Erscheinungen wegen bedürften „unsere religiösen Zustande einer durchgreifenden Verbesserung"? Bisher waren wir also noch nicht im Klaren, warum untere religiösen Zustände einer durchgreifenden Verbesserung bedürfen sollen. Doch wir verstehen diese weisen Männer; wir nehmen Alles, was ste bisher vorgebracht, für nichts anderes auf, als für das, was es sein soll, für ein bloßes Plänkeln; der Angriff, der Hauprschlag soll erst noch geführt werden. Und da fällt man, wie gewöhnlich, über die Rabbiner her, über welche man daS ganze Maaß glühenden Zornes, die Rache für mißlungene und mißlingende Reformversuche auegießen möchte. Auch hier, weil die Rabbiner von ächtem Schrot und Korn dem Ansinnen unserer Reformer nicht beigetreren sind, darum wird das Geschoß der Anklage gegen dieselben der Art abgedrückt, daß man sie beschuldigt , „sie sähen gleichgültig dem angeführten unheilvollen Treiben zu, und hielten mit äußerster Strenge nur auf die Befolgung äußerer Formen, herkömmlicher, bedeutungsloser Gebräuche, anstatt das Volk über seine wahren Pflichten aufzuklärcn; sie ließen es ruhig geschehen, daß die heiligsten Gesetze unserer Religion, besonders ,ene, die sich auf die Pflichten gegen Nebenmenschen beziehen, oder die den Zweck haben, den Namen Israels und den Geist seiner Glaubenslehre vor den Augen der Welt .rem und ehrenvoll darzustellen, freventlich hinrenange-etzr Aber glauben denn die Herren im Ernste, unsere Rabbiner müßten erst von ihnen über ihre Pflichten belehrt werden? Wer sagt denn ihnen, daß unsere Volkslehrer keine Worte hatten — und mehr als Worre wollen wir denselben ja nicht einraumen — gegen die Hinkenansetzung der bezeichneten heiligsten Gesetze? Welcher Rabbiner verdiente noch diesen Namen, wenn diese Anklage ihn träfe? Einsender dieses muß vielmehr einem der renömmirtesten orthodoxen Rabbiner bezeugen, daß er diese Gattung von Pflichten in seinen Predigten sehr oft zur Sprache bringt; daß er vielmehr erst vor wenigen Monaten eine ganze Predigt über dieses Thema abgehalten und eine erschöpfende Belehrung Hierüber ertheilt har. Wollen aber unsere Reformatoren etwa, daß unsere Rabbiner bloß von jenen Religionsgesetzen sprachen, welche „daS Fundament einer jeden Religion bilden", hingegen von de» äußerlichen Gebräuchen, wie sie sie nennen, deren Bedeutung und Zweck, wie sie sagen, nicht eingesehrn werden, gänzlich schwiegen, d. h. die eigentlich israelitischen Pflichten fallen lassen und nur die moralischen heben: dann hätten wir keine Rabbiner nvthig. jeder Geistliche von jedweder Lonfession könnte unser Volkslehrer sein, und das wäre allerdings die »»durchgreifendste" Reform, das leichteste Mittel, um dem „Heranwachsenden, in zeitgemäßer Bildung erzogenen Geschlechts die Abneigung gegen die väterliche Religion«« zu benehmen. Davor aber bewahre, nein, bewahrt uns Gott! So sind wir nun im Reinen über das „Mißverständniß", von welchem unsere Gegner sprechen; und jeder Unbefangene urtheile nun, ob die Eingangs erwähnte Worterklärung ein Mißverständniß sei oder nicht. Hingegen erklären wir schließlich als offenbares Mißverständniß. wenn behauptet wird, daß, weil daS Judemhum keinen Unterschied zwischen Geistlichen und Laien kennt, jede Verbesserung der religiösen Zustände nicht erst von einer bedeutenden Anzahl anerkannter Theologen auszugehen habe, sondern durch die Gemeinden bewerkstelligt werden könne. Zugegeben! Wer sagt aber den Gemeinden, was Verbesserungen und was Verschlimmerungen seien? Wo und wann haben Gemeinden ohne Zustimmung anerkannter Theologen AendeiUligen in den religiösen Zuständen unternommen? Lage dieses aber auch in der Kompetenz der Gemeindeu. so können doch mindestens Einzelne nicht die Genie »den repräscnliren, wie Manche glauben. Also vom Neuen Täuschung und überall Täuschung. Hessen Die im Z.:Wangeregte Norhwendigkeit zur kräftigen Wiederbelebung und Förderung des Talmud- Srudiüms, sowie in diesem Sinne sich zu constituirender Lern- oder Talmud-Vereure hakten auch bei uns den lebhaftesten Anklaug gesunden.' Zch verfehle nicht, io diesem Sinne wie überhaupt zur Charakterisirung hier bestehender Verhältnisse. Ihren Lesern folgenden kurzen Auszug aus einem Schreiben eines mnserer geachrcrsien und würdigsten Vorsteher mirzurheilen, und soll es mich freuen, dadurch nicht nur daS Zeugniß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.