Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 8 (24.2.1846)
- Date
- 1846-02-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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59 entwickelt werden. Auf welcher Hochschule aber lernen die modernen Rabbinen ihre Religion genügend kennen? Die religiöse Bewegung der neuesten Zeit giebt ja den klarsten Beweis, daß manche von iknen als Candidaten etwas Scheinfrömmigkeit gezeigt haben; nachdem sie aber ins Amt eingetreten, sie ihre Freigeisterei ganz offen und unverhohlen zur Schau getragen. Dann freilich erscheinen die frommen Rechtgläubigen auf dem Kampfplatze, es ist aber zu spät. Die größer» Gemeinden sollten lieber frühzeitig darauf bedacht sein: die Wahl eines Religionshirten nicht von dem Doctor-Titel abhängig zn machen, sondern vorerst dafür zu sorgen, daß der Rabbiner u. der Prediger durchaus getrennte Personen seien. Dann würde jeder in seinem Fache vollkommen sein; dieser würde erbauen, jener belehren. Die verschiedenen Funktionen sind nämlich: die des Rabbiners: 1) Nach dem Gesetze der heiligen Schrift und talmudischer Erklärung erlaubte und unerlaubte Speisen zu deuten, und die hierin häufig vorkommenden Ritualfragen zu lösen. 2) Trauungen und Scheidungen gesetzlich zu vollziehen, und die erlaubten von den unerlaubten zu unterscheiden. 3) Darüber zu wachen, daß Schächter und Cantor u. s. w. dem Gesetze gemäß ihr Amt verwalten. 4) Aufsicht über die Elementarschulen, wobei sie darauf zu sehen haben, daß die Lehrer den Kindern außer den gewöhnlichen Schulwissenschaften auch den Religionsunterricht, so wie Pentateuch u. die hebräischen Gebete erklären. 5) Muß der Rabbiner die, welche sich zum Rabbinerfache ausbilden wollen, unterrichten. 6) Vor den Feiertagen öffentliche Vorträge . halten, in denen er besonders die Gesetze der bevorstehenden Feiertage lehrt und erklärt. 7) Die Gebete, so wie den Ritus Ln den Synagogen, welcher nicht wider die Gesetze des Orach Chajim sein darf, ordnen. Der Beruf des Predigers ist, an jedem Sabbat und an allen Festtagen Reden und öffentliche, moralische Vorträge zu halten, in welchen er durch würdige Auslegung des göttlichen Wortes die Gemeinde erbauen, und in den Gemüthern das Gefühl für Recht und Pflicht, für Religion und Sittlichkeit, Liebe zu Gott und Menschen, Liebe zum Könige und Vaterlande erwirken und beleben soll. Ferner hat er die Pflicht, die Jugend nack zurückgelegtem dreizehnten Jahre zu prüfen, so wie auch Trau- und Trauerreden auf Verlangen zu halten. Demnach sollte jede große Gemeinde oder jeder Kreis einen Oberrabbinen und einen Prediger wählen; die kleinen Gemeinden, deren Mittel es nicht erlauben, beide Ämter zu besetzen, wählen sich einen von beiden, und den andern können sie von der großen Gemeinde mitgenießen, welcher zur bestimmten Zeit bei ihnen lehren oder predigen möge. Die Rabbinen oder Prediger der kleinen Gemeinden stehen unter Aufsicht des Oberrabbinen, dessen Auge darüber wachen muß, daß jene sowol als auch Schächter, Cantor rc. in religiösem Sinne nach ralmudischen Satzungen das ihnen anvertrante Amt verwalten, und für die Aufrechthaltung des Friedens sorgen sollen. Wenn man die heutigen modernen Seelsorger betrachtet, so kann man mit Recht fragen: wie kann man es solchen Rabbinen überlassen, Schächter einzusetzen^ oder die vorkommeuden Nitualfrageu zu lösen, da sie die Ritualgesetze nicht achten, indem sie öffentlich gegen den Talmud wirken, und dessen Tradition unterdrücken? da sie die Gesetze der .iL'NL' und , welche der Talmud als 2 7.1 überliefert, nicht anerkennen? Wie kann man denselben das Zutrauen schenken, solche Gesetze, die sie nicht achten, zu beaufsichtigen? ''ll.i 7p n-:.-, .(") li'pQ «71 121 Wie kann Jemand, der gegen l'LH'pl M protestirt, einen gültigen Trau- oder Scheidebrief ausftellen, wenn er selbst als Zeuge oder s"i nicht gültig ist? Es ist also Pflicht der Frommen in Israel, welche für den heiligen Glauben kämpfen, und den von den Vätern ererbten Ritus zu erhalten streben, dem alten Nabbinismus durch obigen Vorschlag sein Recht zu erhalten , der für sämmtlick^e Partheien befriedigend ist. Die Neuerer finden ihre Befriedigung durch . den Prediger, die Alten durch die Lehre des Rabbinen. Eine merkwürdige Andeutung findet sich in der mosaische» Geschichte: als nämlich Gott Moses zn Pharau sandte, sprach er zn ihm: „Siehe, ich habe dich dem Pharau zum Richter gesetzt, und dein Brnder Aron soll dein Prediger sein." (M 2. 7.) Das göttliche Wesen hätte wol dem Moses auch