Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 7 (17.2.1846)
- Date
- 1846-02-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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55 verehrtester Herr Redacteur, dem Guten Immer gerne die Spalten Ihres vielgelezenen Blattes austhun ,, so kann auch ich nicht umhin, mit stolzer Freude meine referenlliche Feder in die undurchdringlichen GalluSfluthen zu tauchen, um einige interessante, Neuigkeiten in die Welt hinaüSzuposaunen, die ich dem kesli üirlake (eine ungarische Zeitschrift) entnahm: Die pesther Israeliten lassen keine Gelegenheit unbenutzt vorübergehen, um ihren Wohlthätigkeitssinn öffentlich zu bekunden, weiches besonders jetzt bei der großen Thcuerunz von Lebensmitteln gebührende Anerkennung verdient. So laßt Herr M. L. Rosenfeld, israelitischer Großhändler, den ganzen Winter über an 100 Arme ohne Unterschied der Confessio» allwöchentlich Freitagvor sejnem Hause Brot und sonstige Lebensmittel vertheilen. — So auch Herr Joachim Kadisch, ebenkallisraelitischer Großhändler, ein Mann, welcher seit vielen Jahren in der Reihe unserer öffentlichen Charaktere einen Hauprplah einnimmt, ließ 4L Tage hindurch täglich an 100 christliche Arme 1 Pfund, und an Sonn- und Feiertagen 2 Pfund Rindfleisch vertheilen. — Auch Herr Fleischer , - israelitischer Kaufmann , übergab dem löbl. Magistrate 20fl. 400 zum Ankäufe von Brennholz für Dürftige ohne Unterschied der Konfession. In demselben Blatt wird auch berichtet, daß Herr Kunewalder sen. znm Obervvtsteher der israelitischen Gemeinde erwählt wurde. W«r können diese Wahl vollkommen gur nennen, und da Herr Kunewalder ein Ehrenmann im strengsten Sinne des Wortes ist. so wird er sich auch zweifelsohne seinem hohen Berufe würdig zeigen, und möge aber auch sein vorzüglichstes Augenmerk der Lehrschule znwenden. Der Z^edacreur dieses, im kräftigen Sinne rcdigirtcn Journaleist ein wirklicher Ehrenmann, der die Spalten fernes vielgelesenen Blattes gerne unserer gerechten Sache aufthut und verdienten Männern gerne Lob ercheilt. Möge der Herr Redacreur auch weiter sein Blatt auf jenem Höhepunkte zu erhalten bemüht sein,, auf welchen die Thcrlnahme des Publikums eS gestellt. Vom Donoustrande. Wie ein hochverehrter Berichterstatter aus Deutschland im treuen Zionswächrer „Waffenstillstand" ruft, so können wir in Ungarn „F-.icde" auerusen. Beinahe in keiner Gemeinde Ungarnhak der Neologenlärm der deutschen Rabbiner und Prediger Anktang gefunden, den regen Eifer für Deibehatmng des Bestehenden zu erkalten, und den festen Glauben an die frommen Lehren der ralmudischen Rabbinen locker zu macken vermocht, geschweige die Grundpfeiler deSTalmudS auch nur im mindesten zu erschüttern. In unserer Lebenssphäre weiß man weder von reformistischen Sentenzen, noch von sophistischen Grübeleien. Alles Herkömmliche wird, Gon sei Dank, mit bewundernswürdiger Seelen- und Herzensruhe, mir gesinnungsvoller Gottesfurcht beachtet und heilig gehalten. Wir arhmen reine, gesunde Lust ein und haben den göttlichen Schatz Religion tief in unserm Herzen aufbewahrt und der humangesinnre Adel unfers Vaterlandes sieht mit größtem Unwillen jede Neuerung, weil sie als Motiv aller Aufhetzereien, Unruhen und Anfeindungen mißfällt. Wir rufen: „Friede^. Orrhodor zu sein, ist der Ehrennahme eines braven Israeliten. Die v-rundansichren unsers heiligen Glaubenbleiben unantastbar; so sind die rabbinischen Satzungen von den ralmudischen Prinzipien, und der Talmud von der Tora al- Inseparabel anerkannt, worin der Redlichdenkende die Quellen seines Heils und seine- Friedens findet. Wenn auch dann und wann ein unruhiger Geist auftaucht, die Neuerungsfaat auszustreuen strebend, eine überwiegende Macht zu gewinnen sucht, da bleibt der treue Zionswachter nicht wirkungslos, die schwankenden Gesinnungen mancher Geblendeten zu erleuchten und die Verirrren von dem Wahnwege zurückzuführen. Die Binde fällt endlich von den Augen, einzmehen, daß die rationalistischen Gründe der dünkelhaften Aufgeklärten: manche Gebräuche auszuscheiden, dahin zielen, Hauptgesetze überspringen zu können Wir rufen: Friede — nur wo man die Neuerungen gewaltsam aufdringend einführr, wo man mir einer enormen Kraftanstrengung, kein Mittel zur Durcharbeitung scheuend, dem hartnäckigen Entgegenrreten der Frommen Trotz bietend. die Schranken einreißt, um das goldene Kalb der Reformsüchrigen öffentlich aufzustellen, nur da sind die Gemächer gereizt, Spaltungen und Verirrungen zwischen den Geweindegliedern stören den Frieden, schaden dem süßen Genuß de- Frohsinnin Familienkreisen. hemmen den Handel und verursachen Mißgunst und, Zurücksetzung in den Augen der Obrigkeit, denn Zwietracht und Parteienhan sind die Folgen solcher zwangvvll n Ein- und Mißgriff.-.