Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 7 (17.2.1846)
- Date
- 1846-02-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Blicken wir auf die Rabbiner zu Ungwar, zu Werbo, Neutra, Bonjhad, Nechnitz. Presburg, Szennitz, Paksch u. m., wie hochgeehrt sie in ihren friedlichen. Gemeinden leben, wie ein gurer Vater im Kreise seiner geliebten Familie. Kein Neuheitsschwindcl har den Zankapfel in ihre Mitte geworfen, keine Neformbestrebung ihre Ruhe gestört Richten wir aber unsere Blicke auf die Gemeinden, wo die lärmenden und rauschenden Geschütze der Neuerer einen Sieg errungen haben, so müssen wir mir Wehmurh und mir rhränenden Augen bekennen: ein rheurer Sieg; Eintracht und Bruderliebe sind verbannt, die frohen Zirkel der Geselligkeit sind zerrissen, zerklüftet und zerfasert liegen die Zusammenbaltungsr punkte, welche die tzauprorgane des Jsraclitcnthums waren. — Gehen wir nach Sr. Nikolaus im Liptauer Comitar, wie hoch prangte ehemals diese Gemeinde als Muster der ralmudischen Wissenschaften! Nun ist dort der Schauplatz von Reibungen und Unzufriedenheit. Wie hochgeehrt stand der gelehrte Rabbiner zu Neustadrel an der Waag, bis er durch seine Nachgiebigkeit zur Neuheit vielfältig bedrängt und gedrückt wurde. Wie traurig sieht es in Großwardein aus, wo der Rabbiner, ein Muster der Gelehrsamkeit, den Neuerungen anfangs nicht mit ganzer Kraft cnrgcgentrar, und die schwachunrerdrückce Uneinigkeit in eure schreckliche Zwierrachrsflamme losbraeb. — In Raab, so lange der Rabbiner, mit einer sich bcfassed, dem Talmudstudium oblag. war Ruhe und Fr-.de; als er aber, manchen zeitgemäßen Einrichtungen hü'- digend, nachgab, ist Unruhe eingekehrr. Was wu) te dieser Mann im vorigen Jahre erleiden? Trotz dem, daß er ein ausgezeichneter Kopf und mit einem merkwürdigen Rcdnerralenr begabt ist, und Achtung ve>- dienr, wurde er gar nicht geschont, weil er einen TNItl "slO'dr nämlich — nicht erlauben wollte; man machte den scharfsinnigen Ernwurf, daß in der vorgerückten Jetztzeit aufgehörr habe. Wie anders sieht cs in Baja aus, als vor 10 Jahren; schade, daß der 90jährige Rabbiner unvermögend ist das zu bewirken, was er will. Szegedin war eine friedliche Gemeinde, doch als Manche den Vorsatz. mir ihrer Reform gewaltsam durchzudringen, nickt aufgeben wollten, war eine schauderhafte Scene die traurige Folge. Misckkolz ist voll Wirren m d Reibungen. In Papa wurde der fromme Rabbiner durch die Jnrriguen der Reformsüchtigen so tief gekrankt, daß er das Zeitliche verließ; aber die ZwieirachlLfiamme ist doch nicht erloschen. Solche Indignation erregende Schreckbilder hat der Neuerungesinn des Nationalismus zum Andenken des goldenen Kalbes ausgestellt. die selbst bei dem hochherzigen Adel Mißfallen und Ungnade verursachen. Wenn in Arad und in Kanischa die Reform wirklich Wurzel geschlagen und emporgekommen ist — dre Gluth des Widerwillens und der Unzufriedenheit glimme noch unter der Asche, man ist nur zu ohnmächtig, diese drückende Bürde abzuwerfen. Und was haben diese Gemeinden gewonnen? Sind sie dem erwünschten Ziele, emanzipirt zu werden, um eine Spanne näher gerückt? Genießen sie mehr Freiheiten, als die Gemeinden, wo der Ritus nach der herkömmlichen Weise besteht und der Gottesdienst wie vorhin gefeiert wird? Man nennt es Fortschritt; wahrlich, es heißt eher Rückichritt, weil wir dadurch in den Augen mancher Behörden viel verloren haben. Manche Rabbiner empfinden wahrscheinlich bittere Reue. den sogenannten Anforderungen der Zeit nachgegeben zu haben. Besonders die Rabbiner zu Großwardein, Naab und Neustädte! haben Ursache, zu bereuen. Mit Recht sagre ein Gclehr er: man reformirt nicht um Gort zu g fallen, sondern seiner Eitelkeit zu gefallen. Durcn die Uneinigkeiten entstand auch ein Uebel in Ungarn, daß vorzügliche Gemeinden, wie Altvfen, Pape, Eisenstadr und Ggarmaih, gar keinen Rabbiner ausneyme!', und, Spaltungen befürchtend, lieber verwahrlost dlciben Lt".- "X Wir haben nur der große: n Gemeinden erwähnt, die bei tausend und mehr jüdische Seelen zählen, denn «n den kleinern Gemeinden reichen die Geldmiriel nicht aus, Neuerungen elnznflihren. Weißenbura zahlt kaum 30 Familien und in Ep.ries wird in einem Privakhause dann und wcu n Gottesdienst verrichtet. Es ist zu hoffen, daß die friedliebenden Gemeinden Ungarn» kernet Neuerung Eingang gestatten und den Elnflüsternnaen reformistischer Institutionen keinen Glauben schenken werden. D-l. Briefwechsel. H. Rabb- I. W. in U. Der Abdruck ,ou z. Z. er,o»ge... .e-u,- würde es uns lieb sein, wenn Sie uns zuvor die bewußten Namen aufgebcn wollten, damit man uns keil ec Ucbertrcibung zeihe. — H. Nabb. L. S. in N- Wir werden ehestens (Gebrauch macken. Druck von 2. W. Wermer.