Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 7 (17.2.1846)
- Date
- 1846-02-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2625941-2626092-2626100--0316-2627831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
50 als einem halben Jahrhundert unter unS wüthet und unzählbare Seelen weggerafft hatte, Einhalt zu rhun. Die Blicke aller orthodoxen Juden sind auf Euch gerichtet, in Euch setzen wir unser ganzes und volles Vertrauen, aber eben darum, weil unser Vertrauen in Euch unbegränzr ist, weil wir überzeugt sind, daß die Kur einzig und allein von Euch nach einem festen, wohlüberlegten Plane geleitet werden müsse, wenn sie gelingen soll, eben darum halten wir es für die Pflicht oller treuen Gläubigen in Israel, Euch Vorschläge in geziemender Ehrfurcht zur Prüfung vorzulegen, um Euch in den Stand zu setzen, die besten zu wählen und Eure Maßregeln darnach zu ergreifen. Und so wollen wir hiermit den Anfang machen, und das,, was wir unserer geringen Einsicht nach als die Aufgabe des orthodoxen Judcnthums in der Gegenwart, als Eure Aufgabe erkennen, und worauf wir durch Beobachtung der vorangeganqencn historischen Tharfachen geleitet worden sind. Eurer Welkheit zur Prüfung vorlegen. 1) Das Erste, was unserer Meinung nach jetzt Noch rhur, ist, daß Ihr, hochwürdige 116 Rabbinen, Euch für eine permanente geistige Sanitäls-Dehörde in Israel erklären sollt. Und zwar nicht etwa, um Euch an irgend einem Orte zu versammeln, um dem müssiaen Publikum ein Schauspiel zu geben, und den Zeirbläktelu Sroff für ihre Spalten zu liefern, sondern um Euch brieflich mir einander zu berachen, welche Mittel am zweckmäßigsten anzuwenden seien. Um dieses zu erleichtern, wäre cs rarhsam, unter Euch eine Eomiree zu erwählen, welche über den geistigen Gesundheitszustand in allen jüdischen Gemeinden Erkundigung einziehen über die zu ergreifenden Mittel Nachdenken, und die Resultate allen Mitgliedern Eures Vereins zuschieken, und dann die durch Slimmenmehrr heit von Eurer Gesammrheit angenommenen Maßregeln im Namen des gesammren Rabbiner - Vereins veröffentlichen soll. 2) Ist es eine gebietende Nochwcndigkcit, eine Radical-Kur vorzunehmen, und nicht, wie Eure Vorgänger, durch palliarive Mittel die Symptome der Krankheit gewalriam unterdrücken und dadurch dieselbe verheimlichen zu wollen. Richtet Eure Thätigkeir nicht bloß, wie jene, pour «suver les äelrors, verschwende! auch Eure Kräfte nicht unnützer Weise mit Versuchen, Diejenigen zu erretten, die rettungslos verloren sind; sucht vielmehr Die zu erhallen. die noch nicht abgefallen sind. Zieht einen Cvrdvn zwischen die Kranken und Gesunden, um diese vor der Ansteckung zu bewahren, stellt Euch zwischen die Lebendigen und die Tedren, damit der Seuche Einhalt geschehe (2 1 Mir einem Worte, erkläret frei und offen, dzß ein großer, sehr großer Theil der Juden in Deutschland. Frankreich, England und Amerika sich rcformiir. daß sie sich vom Zudcnthume losgcsagr haben. Mitte zu dulden, N'N'M swpn So haben unsere Vorfahren die Caraitcn ausgestossen. die sich doch von unserer Religion bei Weitem nicht so «eit entfernt haben, als die Reforwirren unserer Zeit. Denn jene glauben doch an die Offenbarung der schriftlichen Lehre in allem Ernste und in dem nämlichen Sinne, wie wir; was diese aber unter Offenbarung verstehen, haben wir oben gezeigt. Und sind sie denn nicht äe laeto schon lange von uns getrennt? Können wir uns denn sättigen von ihrem Tische, können wir denn hetrarhen ihre Töchter, denen wir unsere Küche nicht anvenrauen. und deren Ehebett wir nicht besteigen dürfen? Warum sollen wir also Anstand nehmen. auch Hure auszusprechen, daß wir mit ihnen keine religiöse Gemeinschaft, und eben darum auch keinen Streit mehr haben, und daß wir mit ihnen, so wie mit jeder fremden religiösen Conftsston, als unfern Mitmenschen und unfern Mitbürgern und noch mehr als unfern Stammgenoffen «n Eintracht und Frieden leben wollen, nur sollen sie sich in unsere religiösen Angelegenheiten nicht mehr einmischen, und uns nicht mehr ihre Rabbiner und Lehrer für unsere Kinder aufdringen. Das wollen aber die bessern und redlicher« Radical-Rcformer selbst nicht. „Das Volk, von welchem Herr vr. Fr. spricht," sagt der Herr vr. Salomon *), soll aber auch gar nicht reformirt «erden, eS ist dasselbe keiner Reform fähig". Noch offener und r.dlict'er spricht sich der anonyme Verfasser einer vor Kurzem erschienenen Schrift aus**^: „Beide Prinzipe das Prinzip des Fortschrittes und des Stabiliemus finden in sich selbst die gleiche Berechtigung, und wie wir sie für uns zu fordern kommen so müssen wir sie in gleichem Maße den Andern zucrkennen; wer har auch das Recht, Jemanden eine Reform aufdrängen zu wollen, die dieser nicht will, nicht sucht, gegen die er sich aus allen Kräften sträubt, die ,h,n mit sündlicbem Abfall gleichbedeutend ist? — Für wen soll die Reform sein? Ich glaube, im Sinne der Gerechtigkeit und Billigkeit, vor Allem aber im Sinne des Friedens die Frage dahin beantworten zu müssen: für uns die wir bereits im Einzelnen und Besonder», diese Reform vollbracht, — wir und Alle, die mir uns üe krwto bereits Dissidenten sind, wollen es von nun an auch cleHure sein. Im gleichen Sinne handelt auch die katholische Bewegung, die doch einmal das Seirenstück dazu sein soll; sie will nicht den Katholiciemus reformiren, sondern nur diejenigen Katholiken, welche die Nvthwendigkeit einer Reform dringend fordern ***). Wie Noch ein Wort zur israelitischen Neformfrage. Hamburg 1815 S. 26 ***) So berichteten die öffentlichen Blätter. daß ein katholischer Geistlicher in Hamburg, der zur deutsch-katholischen Kirche übergegangen, von seiner Gemeinde Abschied genommen habe. Warum handeln die reformirten Rabbiner nicht ebenso