Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 6 (10.2.1846)
- Date
- 1846-02-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir fragen aber, was für ein Recht haben wir denn, zu fordern, daß die Gemeindeglieder, welche ihren Fleischbedarf in den christlichen Banken holen, und ihr Federvieh von ihren christlichen Köchinnen schlachten steuern sollen? Und wieder umgekehrt: was für ein Recht haben diese zur Besoldung ihrer Chorknaben, ihres christlichen Chorführers, ihrer anrrjüdischen Nabketne große Ansprüche; Roulette spielen sie nicht, und wenn es Noch lhur, begnügen sic sich --H'2 Noch sonderbarer klingt die folgende Zumuchunq: die Neformirrcn sollen eine Koschcrküche führen, damit die jüdischen Reisenden aus Osten und Norden warme Speisen auf ihrer Reise genießen können Weit richtiger scheint die Befürchtung, die er ihnen H 8 an's Her; zu legen sucht. „Wie, bedenkt Ihr nicht, welche Wunden Ihr Euern Brüdern schlagen werdet durch die Zwistigkeiten, welche durch Eure Neuerungen in einem friedlicher, bis jetzt in Einigkeit lebenden Volke cnisiehen müssen? Wendet mir aber nicht ein, daß das Volk ja schon früher in religiösen Ansichren und Gebrauchen getrennt war; die verschiedenen Ansichten haben aber noch keinen Haß zur Folge, und noch ist die brüderliche Liebe in Israel nicht erloschen, wenn auch der Eine nicht so denkt und handelt, wie der Andere. Erst wenn Ihr die Verschiedenheit durch Gründe morrvirr, und der einen Riß erweitert, daß er nicht mehr ausgefüllr werden kann, dann erst wird sich der Fluß des Zankes über alle Maßen vergrößern/' Diese Wichtigkeit ist aber möchten wir ihm darauf antworten: -si-.2I>l1 stt O5X Wo ist Ihr, von der gelehrten Welt mit so vollem Rechte anerkannter Scharfsinn, wo ist Ihre, von Ihren nähern Freunden immer so bewunderte Welr- und Menschenkennrniß? Ist es möglich, daß Sie sich in Ihren Studien so sehr vertiefen konnten, daß Sie von den jüdischen Gemeinden und Familien gar keine Ahnung? Ist es möglich, daß von den überaus heftigen Streitigkeiten über die neue Ausgabe des Hamburger Gebetbuches und über die Nabbinerwahl in Breslau gar keine Kunde zu Ihren Ohren gekommen sei? Haben Sie ihn nicht vernommen, den Schrei des Euts.tzcnS, den die gesammre orthodoxe Zudenheit aussiieß, als der fromme Rabbi Salomon Tiktin aus 42 purer Bruderliebe und reinen Toleranz-Prinzipien geopfert wurde? Von dem allen wissen Sie nichts, gar nichts? O mein Gott, haben Sie denn die ganze Zeit über wie -.>'2geschlafen? Erwachen Sie doch und lesen Sie durch alle die Blatter der A. Z. des Iudenthums, und Sie werden vor der Einigkeit und Bruderliebe der verschieden Denkenden und Handelnden zurückschaudcrn. Schließen Sie aber nicht, daß wenn schon jetzt so viel bitterer Haß unter den Parteien herrsche, wie viel bitterer müsse dieser Haß erst nach einer völligen Trennung werden? Dieser Schluß wäre ein falscher : denn nach ei er völligen Trennung hören alle Veranlassungen zu Zank und Streit auf. Die Neformirrcn beten aus ihren Gebetbüchern und wir aus den unserigen; sie wählen für sich ihre Nabbinen, und wir für uns die unserigen: und ist einmal keine Ursache zu Streitigkeiten vorhanden, und haben wir betdcn'eilig aufgehört einander als Neligionsgenossen anzusehen, so können und werden wir wieder als Menschen einander lieben und achten. Eben so wenig können wir begreifen, auf welche Autorität Sie sich stützen, wenn Sie § 21 erklären, daß wir Diejenigen, welche sich eine neue Dahn im Denken und Handeln wählen und viele religiöse Vorschriften übertreten, so lange sie nur zu keinem andern Glaubens-Verbande übergehen, nicht von uns ausscheiden werden. Haben Sie etwa die Stelle des Maimvnides in seinem Commenrar zur Mischna im Sinn gehabt, wo es heißt, daß wenn auch Jemand alle Gesetze der Tora Übertritt, so ist er zwar ein Verbrecher gegen das Zudenrhum >L" 'Z,'r2lk)2 der nach Maßgabe seiner Sünden seiner verdienten Strafe nickt entgehen kann, nach erlittener Strafe aber doch der ewigen Seligkeit rheilhafrig sei? Allein dieses wird ja nur unter der ausdrücklichen Bedingung gesagt, wenn der Uebertrerer an alle jüdischen Dogmen glaubt, also die Verbindlichkeit der Gesetze anerkennt, aber zu schwach ist, seine sinnlichen Begierden, seine lasterhaften Neigungen zu bekämpfen. Wer aber einen der Glaubensartikel und besonders, wenn er, wie es hier der Fall ist, die Offenbarung der Gesetze leugnet, von dem sagt MaimontdeS an derselben Stelle, daß er aus dem Verbände des Iudenthums ausgetreten sei drL' --I2 Sie sagen, es giebt im Glauben keinen Zwang, in der Religion keine Herrschaft: wir geben es Ihnen zu, daß der Ungläubige durch keine Zwangsmittel zu einem Gläubigen gemacht werden kann, aber er kann uns eben so wenig zwingen, ihn für einen Juden zu halten, wenn er es nicht ist, und was kümmert es uns, wenn Jemand sich vom Zudenrhum lossagt, ob er zum Christenkhum, zum Islam oder zu gar keiner Religion übergeht? Wir sehen bloß auf seinen Austritt von der unserigen. (Fortsetzung folgt.)