Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 5 (3.2.1846)
- Date
- 1846-02-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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35 fortzubilden und dieist die Geschichte in ihrem erhaltenden Srreben. Ader noch eine andere Seite bietet sie uns dar, und als solche ist sie vorzüglich kritisch. Nicht alles, was die Vorzeit uns überliefert, har sie auch wieder von grauer Urzeit erbalren, sondern erst in späterer Zeit hat mancher Umstand diese Reise dem alten Baume augesetzt, und da glaubt der gewöhnliche Blödsinn, so sei es vom Urbeginn gewesen. Mißverstand und Verkehrtheit haben eine Richtung ausgeprägt, die das ächte Bild ganz unkemlich machen. Nun aber glaubt der bloß in der Gegenwart lebende Sinn, dies sei alles wesenrlicy, und wer das jetzige Heiligthum berührt, der thur es mit keckem Finger, aber die Wahrheit behauptet ihr Recht, und die Einsichtigen werden nach und nach sich unter die Fahne jener Kritik sammeln, sondernd und sichtend". Und sie sammelten sich unter die Fahne der Kritik, haben ge>onderc und gesichter zehn Jahre lang, dann mulgiren. wir haben die Summa in den Protokollen: daß das mündliche Gesetz, der Talmud, keine Autorität, und das schriftliche, die Bibel, nicht durchaus Gottes Worr sei. Inzwischen dauerten diese kritischen Sonderungen dem Volke zu lange, und die Geduld verlierend reformirre es sich auf eigener Faust, und so entstand der Frankfurter Reform-Verein und die Berliner Genossenschaft. Wir haben also nur eine zweifache Reform, eine wissenschaftliche und eine populäre. Letztere durch das Volk, welches eigentlich schon vor der Reformation reformirt war, d. h., es hatte schon lange das Joch des Ceremonialgesetzes abgeschüttelt, keine unmittelbare Offenbarung geglaubt, und mir der Reform nichts weiter bezweckt, als die vereinzelten reformirren Glieder zu einer Gemeinschaft zu vermengen, um ihre bisherige gesetzwidrige Praris theoretisch als gesetzlich auszusprechen, so wie auch nach der Friedländerschen Methode, einen äußeren Gottesdienst einzuführen, damit die ewigen Wahrheiten sich nicht verflüchtigen, und in Aberglauben oder Atheismus ausarrcn. Dies sind die Grundsätze sowol des Frankfurter N.-V., als der Berliner Genossenschaft; Erstere aber, die Wissenschaftliche, durch die Nabbinen, welche den Knoten, den lene zerhauen haben, langsam durch Kritik aufzulösen sich bemühen; die Resultate bleiben dieselben. Dies ist die Geschichte der Neformbesirebungen im Judenthume seit ihrer Entstehung bis auf unsere Zerr. Wir haben die RaisonnementS der Reformatoren etwas weitläufig, und mit ihren eigenen Worten angeführt, weil wir dadurch in den Stand gesetzt werden, den Sinn, den die Reformisten unserer dem Bisherigen, daß ü) Judentum so viel heißt, als: ewige Wahrheiten der natürlichen Religion. b) Offenbarung, die moralischen und religiösen Einsichren, welche die Vorsehung in dem Gemüthe Moses entstehen ließ, aber nicht unmittelbar in ihm hervorgebrachr, sondern sie entwickelten sich bei ihm, so wie bei andern Menschen, und mußten also noch mit Mängeln und Jrrrhümern vermischt sein, daher es Pflicht sei, diese Einsichten zu benutzen, und mit Hülfe derselben weiter zu gehen, (m. s. oben S. ) daS ist. e) Das Judenthum ist einer immerwährenden Entwickelung, und des Fortschrittes fähig. 6) Wir wollen Positives, d. i. einen durch äußere Autoritär eingeführren Gottesdienst, damit die reine Lehre nickt in Aberglauben oder Atheismus ausarre. Dieser Gottesdienst kann entweder von einer einzuberufcnen Synode ganz neu nach dem modernsten Geschmacks eingesührr werden, oder der alte durch die Zeit geheiligte Ritus mit einigen Veränderungen beibehalren e) historisch positiv genannt, und diejenigen, welche in dieser Richtung reformiren wollen, stehen, wie sich auszudrücken, auf positiv-historischem Boden. Nach dieser Probe wird es jedem denkenden Leser nickt schwer sein, alle übrigen üblichen Fragen sich selbst zu erklären. Es wäre indessen von großem Nutzen, wenn eine geschickte Feder von der orthodoxen Parrhei eine vollständige Phraselogie des modernen JudenrhumS ausarbeircn und veröffentlichen sollte. Wir kehren nun zu unserer früheren Behauptung zurück, daß alle die Mittel, welche unsere orthodoxen Nabbinen angewendet haben, um dem Uebel zu steuern, bloße paliative waren, die dasselbe noch verschlimmerten. Daß sie 40 Jahre lang dem Umsichgreifen des Nebels gar nicht entgegenzuwirken suchten, kann ihnen nicht zum Vorwurf gemacht werden, denn sie besaßen weder Mittel noch Macht, solches aufzuhalten. Und wäre auch das Neckt, den Dann auszusprechen, ihnen nicht von den Regierungen genommen, so war der Dann doch bloß ein Mittel gegen die vereinzelten Gesetzüberlreter, nicht aber gegen so viele der reichsten und elegantesten Glieder der Gemeinde. Als aber später viele der Abgefallenen in Hamburg sich zu einem Verein bilderen, einen abgesonderten EultuS einführren, und eigene sogenannte Neligionslehrer für sich ernannten, da war es an der Zeit, gegen den eigentlichen Abfall in die Schranken zu treten. Es war aber dabei weiter nichts zu thun, als an die Treugebliebenen in Israel eine Erklärung ungefähr folgenden Inhalts zu erlassen: „Nachdem die Glieder unserer Gemeinde, welche schon lange das Joch aller religiösen besetze abgeschüttelt, sich also von unserer heiligen Religion losgesagc haben, sich nunmehr vereiniget, um einen eigenen Culrus einzuführen, und alle unsere Hoffnungen auf die uns verheißene Zukunft aus ihren Gebeten gestrichen haben, so fordern wir alle Gläubigen in Israel auf, dem Gorre unserer Väter für dieses so glückliche Ereigniß