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Der treue Zionswächter · 1846-02-03 · 5 (3.2.1846) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
5 (3.2.1846)
Date
1846-02-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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34 den wesentlichsten Tkekl, das ganze innere Wesen mußte glera-sctttt in einem Gusse nmgewandclt werden. Plane und der Absicht der Gründe des Tempelvereins, die Kuirusreform. nur Mittel und Organ des eigentlichen Zweckes^ einer Radicqlrcsorm im Judenchume, sein, und die Hcytprgründer schieden allmahliq aus demselben, je länger ihr Hoffen und Warren getäuscht, und ie greller durch diesen quasi - resvrmirren Cultus der Widerspruch zwischen Lehre und Leben, hervortreten mußte*) Der Grund dieser Mäßigung des Tempelvcreins ist aber nicht schwer zu errarhen; man beabsichtigte nämlich durch das Mittel der Cultuereform nickt bloß den Zweck einer Reformation einiger Familien in Hamburg, sondern eine Propaganda in ganz Deutschland, welcben Zweck sie auch leider nur zu gut erreichten. Zwar entfernten sich die Kultnsreformen in den nachahmendcn Gemeinden Deutschlands weniger vom alten Ritus, und sie stricken die messianischen Stell n aus den Gebeten nickt weg, dagegen begnügten sich aber diese reformsückrigen nicht wie in Hamburg, einen besonder» Tempel für sich einzurichren. sondern drangen den lhcateraliscken, antijüdischen Kultus der ganzen Gemeinde auf, und bemächtigten sich nicht allein der Gemeinde-Synagoge, sondern verwehrten es den Orthodoxen, sich besonders zu versammeln. um Gott nach dem Gebrauche ihrer Väter anzuberen. So wird in den Gemeinden, wo solche Culrusreformen eingeführr sind, das Gewissen der Orthodoxen auf eine unerhört grausame Weise gekränkt, so sind, um ein Factum anzusühren. sehr viele Gemeindeglieder in Töplitz gezwungen am Neujahrsfest und Versöhnungstag 2"'1 rP-l die Stadt zu verlassen um in einem nahe gelegenen Dorfe die heiligen Tage nach ihrem Gewissen feiern zu können, und dennoch sind wir die Fanatiker, und diese nennen sich humane Männer des Fortschrittes. Weit verderblicher aber noch als durch die gewaltsame Reform des Lultus, äußerte sich der Despotismus der reformsüchtigen Gemeinde-Vorsteher und reichen, einsiußreichen Gemeindeglieder bei Besetzung der Nabbinerstellen. Daß Nabbincn unserer Zeit norhwendig eine wissenschaftliche Bildung haben müssen, um den Anforderungen der Zeit zu entsprechen, ist unleugbar, allein eben so wenig wie die Philosophie ihre Jünger zu Aerzten oder Civilrichtern qualificiren kann, eben so wenig kann sie solche zu Rabbinen qualificiren, und die Hauptgelehrsamkeit eines Rabbiners muß unstreitig die rabbinische sein. Trotz dem aber brachte eS der Einfluß von Männern, die schon längst das Hoch der Gesetze abgeschüttelt haben, dahin, daß in sehr vielen Gemeinden Deutschlands, die Rabbinerstellen mit Doc- *) 6onk. Noch ein Wort rc., eine Stimme aus dem Botte. Hamburg 1815. S- 35. Dazu haben noch diese Donoren, während der sindirenden Flegehahre alles Jüdische abgestreisr*). Diese Rabbiner nun werden durch den Zwang, welchen ihr Amt ihnen auferleqt, und durch die Verlegenheit in der sie durch eine dann und wann an sie gerichtete qerarben, mit dem bittersten Hasse gegen das Judenthum erfüllt und der Wunsch einer Reform, das ist einer förmlichen Abschaffung aller religiösen Gesetze, müßte natürlich die Folge sein, wenn sie auch von ihren Committenren, nämlich diejenigen, denen sie ihre Anstellung verdanken, nicht so sehr dazu gedrängt worden wären. Die Friedländerische Methode konnte aber von den Rabbinen nicht gut angewendct werden, diese paßte für Hausväter, für Männer aus dem Volke aber nicht für Rabbiner, und daS um so weniger, da die fortgeschrittene Wissenschaft auf die Philosophie des 18ren Jahrhunderts so vornehm Herabsicht und deren Jünger stacke Deisten nennr. Die Kritik ist an der Stelle der raisonirendcn Vernunft auf den Thron erhoben worden, und statt des witzelnden Spottes und vernünftelnden Ableugnens, muß jetzt alles mit dem Ernste und der Würde die einer so heiligen Sache geziemt, wissenschaftlich und kritisch untersucht werden**). Rabbiner müßten eine Reform nur auf kritischem Wege zu Stande bringen, und so entstand die Geigersche Zeitschrift für jüdische Theologie; die Tendenz dieser Zeitschrift und das Ziel, das sie sich vorgesetzr hat, erfahren wir sogleich im ersten Hefte des ersten Jahrgangs. „Bei dem Kampfe zwischen dem auflösendc» Verstände und der befestigenden Thärigkeir der Vernunft, zeigt sich anfangs eine unübrrsteiglicke Kluft, aber »m Streite näheren sich die Parteien allmählig einander, und die geschichtliche Kritik nimmt die höchste Stelle ein; es zeigt sich, daß die Gestalt, die die Menschheit erhält, jedesmal von der Vergangenheit abhängig ist.. Diese Betrachtungsweise der Geschickte lehrt aber zugleich, daß nicht in gewaltsamem, rücksichtslosem Abschneiden aller ans der Vergangenheit uns gewordenen Ueberlieferungen das Heil liege, sondern in dem Bestreben, das, was sich geschichtlich gebildet, geschichtlich *) Ein Mitglied der R.-V« schenete sich nicht, öffentlich zu^ erzähle^ wi^e^, als er noch chne 2lmt ^wa^, also noch nur. unter verschlossener Thüre zu schreiben. (Die 77 und die Rabb.-Vers. Orient 1816, Nr. 3, S. 47). In wie fern der heiligen Sache mit dieser ernsten kritischen Untersuchung besser gedient sei, als mit dem graben mag man sich bei den Herren Bruno Bauer und Feuerbach, so wie auch bei der Nabb.-Vers. erkundigen.

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