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Der treue Zionswächter · 1846-01-27 · 4 (27.1.1846) · page 3

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
4 (27.1.1846)
Date
1846-01-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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27 die Reformer unserer Zeit, trotzdem, daß sie jetzt mit Dampf forkschreiten, dennoch um keinen Schritt weiter gekommen sind, als ihre Vorgänger im Jahre 1799. Wir wollen jedoch dem Gange der Geschichte nicht vorgreifen, und kehren zu jener Zeit zurück. Die philosophilche Richtung, die wir hier darzustellen versucht haben, war nicht die einzige Ursache, die den Verfall der Religion bei uns herbeiführte. Die Afteraufklärung, welche zu jener Zeit unter den gebildeten Klassen, sowol Christen, als Juden herrschend war, und die Sucht des reichen jüdischen Pöbels, für aufgeklärt zu gelten, trug ebenfalls viel dazu bei, und das um lo nirär unter den Christen die frühere Scheidewand niedergerissen , und den Luden freien Eintritt in christl. Gesellschaften und Erholungsorte verschaffte. Es war zwar nicht bedingt, daß der Lude an solchen Orren genieße, was ihm seine Religion verbietet, aber man setzte sich durch solchen Nichtgenuß der Gefahr aus, den Ruf der Aufklärung einzubüßen, um solch einen Verdacht von sich abzuwalzen, nahmen manche, anfangs ungern, Theil an christl. Tafel, rauchten am Sabbar. u. dgl. m. Nach und nach gewöhnte man sich an dergleichen ReligionSÜbertrerungcn, 1der Geiz und die Genußsucht kamen dazu, und man fand es ungereimt, das Geschäft am Sabbat zu unterbrechen, und im Hause eine Kojcherkücke zu führen, da man leckerhaftere Speisen weit billiger haben könne. Das Beispiel ist ansteckend, und so kehrten die Reichen sowol, als die Gebildeten, der Religion ihrer Väter den Rücken, und da diese den größten Einfluß in den Gemeinden übten, und gemeiniglich als Vorsteher die Gemeinde- Angelegenheiten leiteten, so griff das Uebel immer weiter um sich und wurde immer unheilbarer. Sie errichteten Schulen, aus denen alle jüdischen Elemente verwiesen wurden, sie stellten in denselben Lehrer an, die ebenso, wie sie, das Zock der Religionsgesetze abschüttelten und es ist ein wahres Mirakel, daß nach einem halben Jahrhundert noch so viel ächk jüdischer Geist in Deutschland sich erhalten hat. Zm Jahre 1812 eriheilte der König von Preußen den Juden das Bürgerrecht, und bald darauf erschien eine kleine anonyme Schrift, betitelt: „Ueber, durch die neue Organisation der Zudenschaften in den preußischen Staaten nothwendig gewordenen Umbildung ihres Gottesdienstes, ihrer Unterrichrsanstalren und ihres Erziehungswesens überhaupt", zu welcher Schrift sowvl, als auch zu dem oben erwähnten Sendschreiben sich David Friedländer einige Jahre später, in seiner Polen, zum Verfasser bekannte, und erklärte, daß das Sendschreiben mit diesen zwei neuern Schriften in mittelbarer Verbindung steht, und daß er den Grundsätzen, die er damals im Sendschreiben huldigte, wenn auch die Grundsätze in den früher» und in den später» Schriften dieselben sind, dennoch die Zwecke verschieden, dort war die Absicht als eine Secre von Deisten im christlichen Verband ausgenommen zu werden, und zwar erstens, um die bürgerlichen Rechte zu erlangen, und zweitens, weil, trotz der früher» Behauptung, daß Moses nur darum genörhigt war, das Ceres monialgeseh zu geben, weil das Volk roh und sinnlich war, und daher sinnlich beschäftigt werden mußte, dennoch auch, die phiosophischen heranqebilderen Hausväter befürchteten, daß die ewigen Wahrheiten ohne Ceremonieen bei ihren Kindern sich nicht erhalten und entweder in Schwärmerei und Aberglauben oder in Atheismus ausarten werden,*) ans weichem Grunde sie es für norhwendig erachteten, die Ceremonien des Christenrhums unter gewissem Vorbehalt anzunehmen. Da sich aber das Christenkhum damals für die Ehre bedankte, und man die bürgerlichen Rechte durch besagtes Königl. Edict bereits erlangt hatte, so ward der Plan umgeänderr, und man bezweckte mir diesen neuern Schrift«,besagte Deisten-Secre durch Reform im Judcnkhume zu bilden. Es genügte daher nicht, bloß wie dort zu beweisen , daß man mir gutem Gewissen und mir der Autoritär des Gesetzgebers die Ceremonialgesetze aufheben darf, sondern man bemühere sich noch dazu zu beweisen, daß solche nie beobachtet worden sind, daß die Propheten deren Vernachlässigung nie gerügt haben, und daß es eine Vermessenheit sei, z» behauptendaß ein Jude der die Denkzettel nicht anlege, sich von der Küche eines christl. Mitbürgers sättige u. dgl., ein pflichtvergessener Mensch sei. — Da jedoch nach obigem Geständnisse die Geschickte aller Zeiten lehrt, daß. die ewigen Wahrheiten zwar die Religion einzelner Männer, keineswegs aber eine Volksreligion sein oder lange bleiben kann.**) so wurde die Einführung eines äußern Gottesdienstes vorgeschlagen. Der Mensch bedarf der Stunden der Weihe, wo er mit sich selbst Abrechnung hält, wo er seine Aufmerksamkeit von den nur zu vergänglichen Gütern dieser Welt ab- und auf seine höhere Bestimmung, auf sein Verhälrniß mit dem Urschöpfer hinlenkt. Sollen diese Stunden ihm nützlich, ihm wahre Stunden der Erbauung werden, so muß seine AndachtSübung in einer ihm verständlichen Sprache geschehen, so müssen seine Herzensergießungen den Verhältnissen, den Bedürfnissen, den Wünschen seines Gemüthes angemessen sein. O! wahrlich, eS gehört keine sonderliche Anstrengung, es gehört nur Redlichkeit deS GemürheS dazu, wenn der religiöse Jsraelike sich sagen soll: „ich stehe hier vor Gorr, Segen und Gedeiyen will ich erflehen für meinen Landesfürsien, für meine Mitbürger, für mich uno die Meinigen, nicht Rückkehr nach Jerusalem, nicht Wiederherstellung der Opfer. Diese Wünsche hege ich nicht s) Sendschreiben, Seite 84—85. »») Sendschreiben, Seite 84.

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