Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 4 (27.1.1846)
- Date
- 1846-01-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Leit der Entstehung dieser Krankheit und auf die Ursachen» durch die sie entstanden ist, zurückzuwenden. Seit der Mitte des 17ren bis gegen Ende des 18tcn ZahrbunderrS, üblicher Zeitrechnung, suchten mehrere chrrstl. Gelehrte nicht allein das Christenrhum, sondern alle offenbarte Religion zu bekämpfen, und alles abzulauqnen, ivaS nicht dürch bis blosse Vernunft bewiesen und begriffen werbest känN. Diese Gelehrten stritten aber nicht alle auf einerlei Weise; einige, besonders in England und Frankreich erklärten gradezu alle offenbarte Religion für Fabel, und die Rcligionsstister für Betrüger oder betrogene Schwärmer, andere aber besonders in Deutschland erklärten die Relig>onsstifter für wirkliche Gesandten Gottes und ihre Lehre für göttlich offenbarte Wahrheiten, allein nicht in dem Sinne, daß Gott diese Wahrheiten unmittelbar diesen Männern offenbarte sondern daß er im Zusammenhänge der Dinge, in dem Gemürhe dieser großen dazu vorzüglich geschickten Männer, reinere und bessere religiöse und moralische Begriffe entstehen lief, als bisher unter ihren Zeitgenossen herrschend waren, um durch sie die Welt nach und nach zu einer richtiger», Erkennmiß und Verehrung seiner selbst zu führen." Darauf wurde weiter geschlossen. „Es läßt sich nun folgendermaßen leicht bewei» scn und einschcn, daß ihre Einsichren nicht das non xlu« ultra alles Wissens und Glaubens in moralischen und religiösen Dingen sein konnten, daß dieselben noch mit manchen Mängeln und Zrrchümern vermischt sein mußten, denn ihre natürlichen Fähigkeiten blieben dieselben, es wurde nichts unmittelbar in ihnen hervorgebracht, sondern alle die bessern Einsichten, die sie ihren Zeitgenossen mittheilken, entwickelten sich bei ihnen so wie bei andern Menschen, und mußten daher der Lage der jedesmaligen Umstände, und der Summa moralischer und religiöser Weisheit, die bei dieser Lage möglich war, gemäß sein. Es konnte daher nicht fehlen, daß noch manche Unvollkommenheit dabei stattfänd. so wie dies von aller menschlichen Erkenncniß nicht trennbar ist. Unsere Pflicht ist es aber, ihre Einsichten zu benutzen, und mit Hilfe derselben immer weiter zu gehen."*) Dieses ohngefahr war das herrschende System der christlichen Gelehrten in Deutschland gegen Ende des 18len Jahrhunderts, und da grade um dieselbe Zeit die Wissenschaft auch bei den Zuden in Deutschland einheimisch zu werden angefangen hatte, so war es natürlich, daß die meisten Zuden, unter denen die sich der Wissenschaft befleißigten, dieses System adoptieren-, welches sie aber auf das Zudenthum besonders anzuwenden und auszubilden suchten. Ihre Grundsätze sind ungefähr folgende: Der Stifter unserer Religion, Moses, war ein Mann, wie ihn die Vorsehung wählt, wenn sie zu einer der weirgreifcndsten Umwälzungen ein Werkzeug *) cs. Knig's Briefe über die Perfectibilität der grossen, barten Religion. 6. Brief. 26 braucht; er, Moses, hatte schon bei den Stammeltern seiner Nation reine Lehren und lautere, von aller Un- und Abgötterei defreiere Neligionsbeqriffe vorqefunden. Die Nomadenfamilie war aber zur Zeit Moses zu einem großen Volke vermehrt worden, und dieses Volk fand der Gesetzgeber unter Barbaren und Götzendienern im Druck und Elend der tiefsten Sklaverei versunken, und gegen jede Wahrheit fühllos gemacht, er befreiet« es aus der Dienstbarkeit, führte es aus Eqvpte»', und suchte es nicht allein zu einer selbstständigen Nation zu bilden, sondern ihm auch jene gesunden und unverfälschten Begriffe von Gort und dessen Eigenschaften, das heilige Eigenrhum seiner Voreltern, wicderzugeben, er wollte dieses Volk von Knechten zu einem Volke Gottes machen. Wie war es aber möglich, diesen erhabenen Plan mir diesem Volke auezuführen? die abstracten subtilen Wahrheiten einem vorher armen, sinnlichen, in der Wüste ohne Nahrung umhersireifenden Volke lehren zu wollen? Und er stieß auch »n der That gleich im Anfänge seines Wirkens auf eine Klippe, die seinein Unternehmen auf ewig den Unrergebung fiel der rohe Hause in die schrecklichste Abgötterei, machte sich einen Götzen, und betete ihn an. Moses ließ aber den Much nichr sinken, er verfolgre seinen Plan, und wird, durch dieses Ereigniß belehr?, auf eine Methode geführt, durch die allein es ihm glücken konnte, seinen Zweck nicht zu verfehlen. Die Sinne mußten bei einem so äußerst sinnlichen Vo ke beschäftigt werden. Zeder andern Arr von Bildung war es auf der Stufe, auf welcher es stand, nicht fähig, daher gab er ihnen bas Ceremonialgesetz Dieses verpachtete eö zu Handlungen, und die große Maxime der Verfassung war: nur rhun und lassen vorzuschreibcn, zum Nachdenken aber bloß zu veranlassen. Die geschriebenen Gesetze waren wenig, und selbst diese ohne mündliche Erklärung größtentheils unverständlich. ES war fundamental daß über die Gesetze nichts Schriftliches verfaßt werden durfte.-Mehre Stellen aüs dem Talmud beweisen unwtdersprechiich *) daß nach dem Plan des ersten Gesetzgebers vie Weisen jedes Zeitalters freie Hand behielten, den jedesmaligen Bedürfnissen der Zeir. der Sitten und dem allgemeinen Fortschritt der Nation gemäß, die Zeirgesetze zu erweiten und einzuschränken, näher zu bestimmen oder ganz aufzuheben**) Nesumiren wir dieses ganze trügerische Naisonnement, so ist das Resultat: unsere ganze Tora ist nicht Gottes, sondern bloß MoseS Werk, und dieser har selbst den Volkslehrern jeder Zeit freie Hand gelassen, dieselbe aüfzuheben, wenn eS ihnen belieben sollte, und wir ersehen daraus, daß *) Man sieht daß auch die ersten Reformatoren die Au. torität des Talmuds anerkannten, wo sie es grade zu ihrem Zwecke dienlich gefnuden, c'elair tour comme cber nous. **) 6onk. Sendschreiben an Herrn Probst Teller von einigen Hausvätern jüdischer Religion. (S. 22-31)