Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 2 (13.1.1846)
- Date
- 1846-01-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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12 trotz aller Verdächtigungen fromme, ehrenwerthe Mann durch humane Vorstellungen die Gemütber für die gute Sache anzuregen, und sie für den edlen Zweck der Realisirung einer geregelten Schulanstalt, wenn auch immerfort unter dem Namen Talmud- Tora. zu gewinnen. Dafür krönte auch anfänglich sein schönes Bemühen der beste Erfolg. Die Vornehmsten und Umsichtigsten, begeistert für das edle Vorhaben, schonten keiner Opfer und Mühen, um diesen anklangsvollen Wunsch in Erfüllung gehen zu sehen. Mit Umsicht wurde für die Erschwingung aller nöthigen Kosten durch Sicherung firer Schulreveuüen von mehren tausend Gulden gesorgt, und schon an die Acquisition eines zweckdienlichen Schullocals allen Ernstes gedacht. Kurz, alles beeiferte sich in thätigster Theilnahme, und es gereichte jede Mitwirkung zur Ehre. Daher auch der Schulvorstand aus der Mitte der intelligentesten Kräfte gewählt worden. Aber auf kurze Dauer nur. Nicht lange währte die Freude, bald traten Mißhelligkeiten ein, und die gute Sache ward ein Opfer der Laune und bitterer Parteikämpfe. Nach und nach wurden die Revenuen geschmälert, und blieben kaum auf 1500 Gulden W. W., eine Summe, die in der Regel zur Besoldung eines Lehrers bloß ausreichen würde, zu berechnen. Die Anzahl der Schuljugend, in steter Abnahme, verschmolz etwa bis auf 60, und das Schulgebäude vergaß man ganz. Die Vornehmsten zogen allmählig sich zurück, und so blieb denn die Anstalt — wenn sie noch so genannt werden konnte — sich selbst überlassen. Sollte oder konnte noch etwas für das Gedeihen der Schule geschehen, so mußte daS durch Anstellung tüchtiger Lehrer erstrebt werden. Unter diesen mißlichen Umständen nun trat Herr Peter Singer, laut der schönsten und belobendsten, regelmäßige Studien bekundenden Zeugnisse ein absolvirter Philosoph und Pädagog, ordinirter Rabb.-Cand., von sittlich religiösem Charakter, vor zwei Zähren das Lehramt an. Täglich wenige Stunden nur konnte er diesem widmen, sofern nämlich die finanziellen Verhältnisse der Schule und zugleich seine Selbstbcschäftigung in Betracht kommen mußten. Und war auch anfangs sein Wille und Eifer gebunden, zeigte sich doch alsbald ein neuer Geist, frisches Leben gab sich kund. Mit Beharrlichkeit arbeitete er im Vereine würdiger College« an der Abhülfe mannigfacher Gebrechen, und außer der Hebung des Sprachunterrichts bemühete er sich, die früher ganz außer Acht gebliebenen Realgegenstände, und zwar bei der vorgeschrittenen und geübteren Klasse in der Landessprache, einzuführen. Sorgsam pflegte er die zarten Keime der religiösen Gefühle in den jugendlichen Herzen, und trachtete durch Lehre und Beispiel einen frommen Sinn in dem empfänglichen Gemüthe seiner Zöglinge anzulegen, und hat es letztlich sogar durch Ausarbeitung einer Neligionslehre »und einer kurzen Geschichte der Juden in ungarischer Sprache seinem Verdienste die Krone aufgesetzt. Nach solch wackerer Wirksamkeit konnten die gesegnetesten Folgen nicht ausbleiben, und mit jeder Prüfung hatten wir immer mehr Gelegenheit, die staunenswerthen Fortschritte unserer Zugend in Erfahrung zu bringen. Und wenn es beißt, daß der Vorstand aus Bemittelten, nicht aber aus Sachverständigen bestehe, nun so können wir das Urtheil hochgelehrter Männer sprechen lassen, wollen aber u. A. bloß hervorheben, wie der von Seiten der löbl. Herrschaft abgeordncte hocbgelehrte Herr v. Pupai bei einer Prüfung, die Herr P. Singer mit einer ungarischen Rede eröffnet, sein Staunen und Verwundern über die Leistungen der Lehrer und Schüler auf die belebendste Weise zu erkennen gab. Ach, der letzte Freudenschimmer, so dem frommen seligen Obcrrabbincr an seiner so geliebten und doch so mannigfachen Kummer ihm bereitenden Schöpfung geworden.' Und noch nach dessen Ableben, als mit ihm der letzte Zmpuls dann hingeschieden, und die Schule ganz ohne Direktion geblieben, ließ keine Acnderung sich verspüren, entfaltete vielmehr jeder Blick die Spuren gedeihlichen Fortschrittes. So freuete es uns jüngst an der letztverflossenen Prüfung im Sept., von dem wohlwürdigen Herrn v. Lißkai, Professor der Theologie am hiesigen ref. Collegium die aufrichtigsten Lobeserhebungen über den Geist und die Richtung der Schule und die ausgezeichnete Thätigkeit in allen Fächern wicderholentlich zu hören, bei welcher Gelegenheit der nicht minder gelehrte Herr Vr. Pser, hoffer öffentlich den Wunsch geäußert: bei Veränderung des Locals seinen Sohn in der Schule unterrichten zu lassen. Dieser unbestreitbaren Thatsachen nun, diesen sprechendsten Belegen für Talent und Verdienst, und nicht einer faden Marktschreierei,