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Der treue Zionswächter · 1846-01-06 · 1 (6.1.1846) · page 3

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
2 (1846)
Issue
1 (6.1.1846)
Date
1846-01-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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z liche und aus der Tiefe deS Herzens quillende Worte; nicht die schönen Laute und Klange, nickt die leidrge und hochklingender Phrasen vermögen es, der Sünder Herz zu bessern und zu veredeln: wohl aber der Sinn und Geist, die Aufrichtigkeit und die Wahrheitsliebe des Redners verleihen seinem Worte die Kraft und den Werrh und die Weihe und Würde. Und so, meine Freunde, entnehmen wir auch aus der so eben angeführten Stelle in wenigen Worten eine vielfache und umfassende Lerre, die, so wir sie gehörig auffassen und zu Gemüche führen, gewiß unser die-- und jenseitiges Heil begründet. W1'N7 O'2'.l -I 1127 ^1.1 L1'2 L71P 712' ->1N, so fängt sie an, die göttliche kehre, „gedenke der Tage der Vorzeit, erinnere dich an die uralten Zeilen!" — „Gedächrniß und Erinnerung? Welch herrliche Vorzüge am Menschen! Welch wunderbare Kräfte und Gaben, womit die Vvrsihung den Menschen gesegnet! Was wäre der Mensch ohne Gedächrniß? WaS wäre der Entschwundenes sich wieder zu vergegenwärtigen, sich wieder daran zu erinnern vermöchte? Was wären alle seine Unternehmungen ohne reifliches Nachdenken» ohne reifliche Ueberlegung, d. h. ohne Erinnerung an die Vergangenheit und ohne Erwägung der Gegenwart und Zukunft? Was wäre all sein geistiges Streben und Wirken. so sie nur Kinder deS Augenblickes wären? sc sie, als er kaum das Auge davon abgewandr. schon verschwunden und verflüchtiget waren? I^'XI '2 l'priri Was wäre überhaupt die Denkkraft, als die Triebfeder aller unserer Thätigkeiren, so wir nickt auch, die Kraft und das Vermögen hätten, das Gedachte in uns zu bewahren, des Vergessenen uns wieder zu erinnern? Die Vergangenheit hätte keinen Werth, die Geschichte keinen Nutzen, eS wären Menschen. Mithin, meine Freunde, das Gedächtnis ist es und die Erinnerungskraft, die für den Menschen den größten Werth haben, ja ihm selber den größten Werrh und die höchste Würde verleihen. Darum sollen und müssen, wir auch das Alter am Menschen ehren, nicht etwa weil das Geschick diesen oder jene» damit begünstiget, sondern weil er sich des Gedächtnisses eines so langen Zeitraumzu erfreuen hat, »nd daher an Erfahrungen so reich ist und gesegnet. Und eS dürfte vielleicht der Mann auch darum ->2I genannt werden, .weil damit gleichsam sein Standpunkt bezeichnet ist, als ein vorzugsweise mir Dentkräft »nd Gedächtnißr und Erinnerungskraft ausgerüsteter Mensch, dessen Beruf es ist, zu denken, das richtig Gedachte zu bewahren und zu seinem eigenen Heil und Frommen, wie zum Nutzen seiner Mitmenschen, zu realisiren. L o. wie aber die Gegensätze überall »nd in All§m angetroffen werden, so auch hier, Hv'p7 ,ir NU O- O'.1^ .1LP .11. „eines dem andern gegenüber hak Gort geschaffen". Zst der Mensch einerseits mikGedächt« niß- und Erinnerungskraft begabt, so ist er wieder anderseits mit Vergessenheit behaftet. Er kann der Mensch vergessen, eS soll der Mensch vergessen, und zwar schon darum, damit ihm nicht jedes Ungemach und jedes Unglück und Leiden stetvor Augen schwebe, damit er sich nicht härmen und grämen müsse ein ganzes Lebenlang ob jedes Kummers und Trübsale, die ihm widerfahren; damit nicht die harten Unfälle und Widerwärtigkeiten alle, die ihn betreffen, ihm fortwährende Elegieen und Klagelieder seien auf sein zerstörtes Glück und Geschick, und so nichts als schon die Mutter des weilen Salomo und Wein dem, der bitteren Gemürhes ist; er trinke und vergesse seines Elends und gedenke nicht mehr seiner Mühsale." — Aber in einer noch weit wichtigeren Beziehung ist es nokhwendiq, daß der Mensch der .inilunterliege, wie wir dies schon aus dem Midrasch ersehen : „Als nämlich Gott den ersten Menschen erschaffen harre, saqt der Midrasch, da wurden die Enget an diesem vollkommensten aller Geschöpfe so irre, daß sie ihn mir dem Namen Hetligee begrüßen wollten; allein was char der Herr, um sie aus diesem Zrrchum zu reißen? Er ließ ihn von einem tiefen Schlafe überfallen, und alsbald, überzeugten sie sich , daß der den Sprüchen der Väter dienen: „Vergegenwärtige dir stets," heißt es nämlich dort, drei Dinge, und du kommst nie zur Sünde — gedenke, woher du kommst und wohin du gehst, und vor wem du einst wirst Rechenschaft ablegen müssen." Und das Alles, deine» kr der Midrasch, hätten unsere Weisen entnommen aus den Worten: *sxii2 NX H211, welcheso viel bedeute, als: 1X112 1H2 11X2 „denke an deinen Schöpfer, vor dem du dich einst wirst zu rechtfertigen haben, an das Grab, wohin du einst kommst, und an die Quelle, aus der du entsprungen." Worin wurzelt demnach jedes Vergehen und jede Schuld und Sünde an seinen Schöpfer, vor dessen unbestechlichem Tribunale er einst wird Rede stehen müssen; als daß er vergessen an das Grab wohin, und an die Quelle, woher er kommt? Was ist überhaupt jedes Vergehen, jeder Zrrchum anders, als Vergessenheit? Sagt man doch schon im gewöhnlichen Leben: „Der und jener hat sick vergesse n." Wenn nun der Mensch ohne Vergessenheit nie zu sündigen *) L".-M 12 1!)k2 1.1'IX NX N'IP.I X17L' .IZWI >2,1 N'2PN NVV kill V11?. 12S^> 1217 w,72 Q1X X1.1N 72.1 1>'1'1 .IQ'I'N -

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