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Der treue Zionswächter · 1845-12-09 · 24 (9.12.1845) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
1 (1845)
Issue
24 (9.12.1845)
Date
1845-12-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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194 Nachgiebigkeit nicht an ihrem Orte; da wäre es Schwäche, Mangel an Selbstvertrauen, wenn die Minderheit, w e i l sie Minderheit ist, ihre Ueberzeugung aüfgeben würde. Uebcrzeugung ist Wahrheit — sie wird wenigstens dafür gehalten —; und die Wahrheit zählt zu ihrer Bewährung keine Stimmen. Nur auf der gleichen Stufe des Prinzips können Berathungeu über die einzuführende Praris desselben gepflogen werden; heterogene Prinzipien aber vereinigen sich in der Praris nie und nimmer. Das ist nun der Grund, warum ich und meines Gleichen den Rabbiner- und Predigerversammlungen nicht beigetreten sind. Wir glaubten und glaube», daß unsere Anwesenheit nichts weniger, als eine Vereinigung der verschiedenen religiösen Anschauungen zur Folge gehabt hätte. Wir glaubten und glauben, daß sich sonach die Vertreter der verschiedenen religiösen Anschauungen auch unmöglich über die Mittel hätten vereinigen können, durch welche dem erkrankten Iudenthum Genesung gebracht werden solle; sie würden sich sogar über die Symptome der Krankheit nicht verständigt haben; weil in dem, was die Einen als Symptom der Erschlaffung ansehen, die Andern gerade den Lebensmoment erblicken werden, und umgekehrt. Die Sache des Judenthums wäre daher durch die Zusammensetzung so verschiedenartiger Vertreter desselben um keinen Schritt weiter, dagegen aber diese Vertreter selbst wären nur noch weiter aus einander gebracht worden. *) Eine Unterhandlung, ein Vergleichsversuch zwischen meiner und Eurer Partei kann demnach der Zweck des von mir beantragten Waffenstillstandes nicht sein. Was ich mit diesem Anträge erzielen möchte, ist einzig und allein.' den Standpunkt festzustelleu, von welchem wir bei unsern Kämpfen auszugehen haben, um dadurch den Kampf desto sicherer, aber auch desto kürzer zu führen. Sehet! mein. Antrag zielt auf *) Dieses war unter mchrern Andern ein Gegenstand meiner Replik an Herrn Philippson, welcher er, nach einer einer Fortbildung im Iudenthum drehe--. Das heißt Wahrheiteliebe; d. h. Unpar eilichkeit! unser beiderseitiges Interesse; er zielt auf das Interesse des schau- und hörlustigen Publikums; er zielt auf die allmähliche Ermittelung der Wahrheit, die ja auch Euch theuer sein muß, wenn Ihr sie ausschließlich Euer Eigenthum nennet. Mit offenem Visir soll fernerhin gekämpft werden; kennen lernen wollen wir uns einander; hinweg mit dem Blindekuhspiel! Offenheit sei unser Losungswort! Keiner in unserm Gefolge beklage sich späterhin, vielleicht allzuspät, über Täuschung, über Blendwerk! Jede Partei erkenne den Boden, auf welchem sich die entgegengesetzte befindet, und alle Welt erkenne ihn, erkenne und prüfe! Den Anfang mache nun ich. Hier habt Ihr mein unzweideutiges Glaubensbekennrniß: Ich glaube und bekenne offen und frei, daß die mosaische Religion eine von Gott selbst geoffcnbarte ist; daß diese Offenbarungslehre in der Bibel, vorzüglich in den 5 Büchern Mvschehs, welche mit prophetischem (heiligem) Geiste nicdcrgcschrieben wurde, enthalten ist, und daß daher an deren ganzen Inhalt der Maßstab menschlicher Erkenntniß nicht derart angelegt werden kann, daß wir davon ausschicden, was unsern Begriffen nicht zusagt. Diese Lehre muß vielmehr der Maßstab unserer Religionsbegriffe sein. Ich glaube und bekenne ferner offen und frei, daß als Interpretation dieser geoffenbarten Lehre eine Tradition vorhanden war, welcher jede andre rationalistische Interpretation weichen muß; daß diese Tradition in dem Tbeile des Talmuds aufbewahrt ist, der von der Anwendung der mosaischen Vorschriften bandelt; und daß endlich diese Tradition von Moscheh bis auf uns, als historisches Judenthum, sowohl im Volksbewußtsein, als im Volksleben sich erhalten hat. Nun, Ihr jüdischen Nachäffer Rouge's und Czerski's! gebet auch Ihr, jenen ähnlich, dem jüdischen Publikum Eure Glaubensbekenntnisse in eben so dürren Worten hin, wie ich es thue, bevor Ihr eine deutsch-jüdische Gemeinde bilden wollet! Antwortet mit der Freimüthigkeit, mit welcher Ihr Euch bisher fälschlich gespreizt, ob auch Ihr das glaubet, was ich glaube. Leget nicht ferner den Blinden in unserm Volke Steine des Anstoßes in den Weg! Hinweg mit Eurer Blendlaterne! Licht will das Volk, Licht, daß Ihr so prangend auf

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