Mannheim
Compact Memory

Der treue Zionswächter · 1845-11-18 · 21 (18.11.1845) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der treue Zionswächter
Volume
1 (1845)
Issue
21 (18.11.1845)
Date
1845-11-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2625941-2626064-2626085--0193-2627695
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

171 tiefem Urtheile, höchster Siktenreinheit, energischem Charakter, voller Feuer und Liebe für daS wahre, alte Zudenthum, für Tugend und Recht*), umfassendsten Kenntnissen, religiöser Weihe, war er die Ehre der israel. Gemeinden der Rheinprovinz, des ganzen Deutschlands, geliebt und hochgeachtet von Männern aller Parrheien und Confessionen. Darum war die Theilnahme bei seiner am 5. d. M. staltgefundenen Lcichenbestatrung allgemein. und rührend und herzergreifend waren die Worte, die der Sohn des Hingeschiedenen, der jetzige Oberconsistorial-Nabdiner, im Sterbehause über die ersten der wöchentlichen 'S) sprach. Die Hinterbliebenen werden binnen Kurzem die Biographie deS Verstorbenen in vxtenso veröffentlichen. Von einem jüngeren Sohne desselben, Hr. Jacob Auerbach, haben wir, dem Vernehmen nach, sehr bald t,ne treffliche Arbeit „über jüdische Religionsphilosophie", insbesondere „über die jüdisch-alexandrinische" zu erwarten. Herr Auerbach stehr in der Frische seines Lebens, und hoffen wir, daß ihm die Mittel und die Bequemlichkeiten nickt abgehen, die ihm die Belästigung mir dieser Wissenschaft erleichtern. — Hier, wie in den Gemeinden Coln, Deutz, Coblenz, Creuznach, den Gemeinden auf dem Hundcsrücken) in der Eifel, an der Mosel u. s. w., soweit überhaupt der Cvufrstorialsprengel Bonn reicht, gewahren wir nichts von Neuerungen. Es giebt in hiesiger Gegend sehr viele Männer mit gediegenen talmudischen Kenntnissen, Männer, deren Anzahl sehr groß ist, die noch fcsthalren au dem guten alten Kern des Zudench.. worüber vor zwei Monaten der israelitische Vorstand «n Cöln z. D. dem a'rn. Vr. G. aus D. faktische Beweise geliefert.**) — An der hiesigen Universität hält Prof. vr. Nitzsch tn diesem Semester zweimal wöchentlich einen Vortrag über: „Einleitung iv die jüdische Theologie", worüber ein Näheres gegen Ende dieses Semesters. Aus Unterfranken. Denn wir kürzlich in einem Nachbarlande die traurige Wahrnehmung machen mußten, wie die, die als Wächter der jüdischen Religion und deren Interessen *) Auszug aus des Seligen ridriL. worin sich dieser Geist "^Bergl^No. ^15 "^"en. berufen und verpflichtet sind, die ihrer Obhut Anvertrauren schnöde verrarhen; und nur die christl. Staatsbehörden sich solchem Verraihe widersetzun, ja selbst da noch, wo es sich um gewissermaßen aus dem gesellschaftlichen Verbände Ausgestoßene handelt, den so rief Gefallenen durch die Vermittelung seiner Religion wieder mir seinem Gewissen, mir der Welt und ihren Gesetzen auszusöhnen sich bestreben: so berichte ich Ihnen heut« über ein gerade entgegengesetztes Faktum, nicht sowol als vielmehr selbst dem Undefangendsten darüber die Augen zu öffnen, wie nur im Schoße reiner, wahrer Orthodoxie innige, wahrhafte Berufsrreue, reliaiöse Pflichterfüllung, allgemeine Menschenfreundlichkeit gefunden werden. Zn Würzburg befindet sich das Zuchthaus, die Zentral - Strafanstalt für den übervölkerten Regiernngskreis Unrerfcanken. Leider! auch mancbcr jüdischer Religionsgenosse büßt dort für die verletzten Sraarsgesetze. Aber har die Religion in Wort und Thar etwa jene Unglücklichen ganz aufgegeben? Keineswegs. Alle 11 Tage werden zuerst vom dortigew Rabbinen im Zuchthause religiöse Vortrage gehalten; ebenso bei besonders feierlichen Veranlassungen, an Festragen u. dgl. Aber mehr noch.' Alle jüd. Sträflinge werden nicht einen oder einige Tage nur. nein, werden das ganze Jahr h'.ndurch gespeist, und zwar auf Kosten der jüdischen Gemeinden, von Privaten durch freiwillige Beiträge gedeckt. An jedem Sabbat, allen jüd. Feierragen, ohne Ausnahme, sind sämmklichr nicht einmal irgend einer Arbeit sich unterziehen, sondern werden vorzüglich dazu ungehalten, diese Tage mir dem Lesen der Bibel und sonstiger religiöser Schriften, so weit als rhunlich, auszufüllen. Als am jüngsten den Gefesselten der erschallte, als dringende Worte der Ermahnung, der Buße an sie gerichtet wurden, da mag manches Verbrecherherz einer mildern Regung rheilhafc geworden. Entschlüsse für die Zukunft herangereifr sein, die ein schädliches, vergebliches Dasein zu einem nützlichen umgewandelt haben mögen. Gerettetes Menschen- und Seelenheil ist somit daS Verdienst jener frommen Seelsorger, nicht aber daS Ertödken des letzten religiösen Funkens, eia mehr als blutiges Opfer, targebracht dem Götzen der Aufklä-rung, den sogenannten modernen Zeir-Destrcbnngerr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.